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Olympia : Turiner zu Blutspenden aufgerufen

  • Aktualisiert am

Zum sechsten Mal dabei: Georg Hackl Bild: dpa/dpaweb

Während die Stadt Turin kurz vor Beginn der Olympischen Spiele ihre Einwohner aufgerufen hat, Blut zu spenden, um für einen Terroranschlag gerüstet zu sein, sind die ersten deutschen Athleten angereist.

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          Die Stadt Turin hat kurz vor Beginn der Olympischen Spiele an ihre Einwohner appelliert, Blut zu spenden. Die beiden größten Krankenhäuser der Stadt hoffen auf bis zu 1.200 Blutkonserven. Damit könnten im Falle eines Terroranschlags bis zu 400 Verletzte behandelt werden, teilten die Gesundheitsbehörden der Stadt mit.

          Um eine Spende ganz anderer Art wurde Claudia Pechstein fünf Tage vor Beginn der Winterspiele gebeten, zu denen am Wochenende die ersten 40 Athleten des 161köpfigen deutschen Teams in der Olympia-Region eingetroffen sind. Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin wurde schon zum Dopingtest gerufen, ehe sie im Olympia-Dorf von Lingotto ihre Taschen ausgepackt hatte. "Ich finde es ja gut, daß soviel kontrolliert wird. Aber ich hoffe, daß jetzt auch die anderen mal dran sind", sagte Claudia Pechstein, die am Samstag mit einer Stunde Verspätung auf dem Flughafen Caselle eingetroffen war.

          Vier Stunden vorher war ihre Eisschnellauf-Rivalin Anni Friesinger als erste Deutsche in Turin gelandet. Nur wenige Stunden später absolvierte die Inzellerin bereits ihr erstes Eistraining und gab sich selbstbewußt: "Meine Form ist gut. Der letzte Härtetest beim Weltcup in Klobenstein ist gelungen. Jetzt geht es darum, mich an das Eis zu gewöhnen." Mit den Rahmenbedingungen war sie überaus zufrieden: "Im Dorf bewohne ich ein Zimmer von der Größe, wie wir es uns in Salt Lake zu zweit teilen mußten. Alles ist hell und freundlich." Auch das Speiseangebot sei abwechslungsreich. "Es gibt eine asiatische und eine italienische Ecke, große Salatteller und sehr guten Kaffee. Den ,Schwarzen' brauche ich am Morgen, sonst werde ich nicht wach", versicherte Anni Friesinger.

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          Claudia Pechstein beklagte hingegen das Brot-Sortiment. "Aber ich bin ja nicht zum Essen hier", sagte sie. Beide Stars, die sich am 12. Februar im ersten großen Duell über 3000 Meter miteinander messen, lobten die Bahn im Oval Lingotto. "Das Eis ist viel besser als im Dezember zum Weltcup, als noch viel Staub in der Luft lag", sagte Claudia Pechstein.

          Der dreimalige Olympiasieger Georg Hackl und weitere Rodler waren als erste Deutsche in Sestriere eingetroffen. "Sie hatten das größte Gepäck dabei, das ich je gesehen habe", sagte Michael Schirp, Sprecher der Olympiamannschaft. "Mein Zustand ist nicht optimal", erklärte Hackl, der in einem Kleinbus angekommen war, am Sonntag nach der ersten Inspektion des Eiskanals in Cesana. Der mit 39 Jahren älteste der 161 deutschen Olympia-Teilnehmer hatte in dieser Saison mit mehreren gesundheitlichen Rückschlägen zu kämpfen. Er wird im Olympischen Dorf von Sestriere Quartier beziehen.

          Im Trainingscamp in Ridnaun (Südtirol) buchte der dreimalige Staffel-Olympiasieger Ricco Groß kurz vor der Abreise den vierten und letzten deutschen Startplatz für das Biathlon-Auftaktrennen über 20 Kilometer. Zuvor hatte Bundestrainer Frank Ullrich bereits Michael Greis, Sven Fischer und Michael Rösch fest nominiert. Dieses Quartett reiste am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein im Olympischen Dorf in Bardonecchia an, am Montag werden die Skijäger erstmals in San Sicario trainieren. Zudem füllten die Eishockeymannschaft der Frauen und weitere Eisschnelläufer Quartiere im deutschen Wohngebäude des Dorfes in Lingotto. "Es gibt keine Informationen über verletzte oder erkrankte Sportler", teilte Schirp mit. Am Sonntag traf auch der Chef de Mission, NOK-Präsident Klaus Steinbach, vom Frankfurter Ball des Sports kommend, in Turin ein.

          Während der Spiele will, wie schon 2002 bei Winterolympia in Salt Lake City, auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, im Athletendorf wohnen: "Ich werde hier bleiben", sagte der 63jährige Belgier am Samstag. "Schon im Dezember konnte ich die Matratze testen - und sie ist gut."

          Vor Beginn der Spiele hat das IOC zwei Nationalitätenwechsel genehmigt. Die Lenggrieser Biathletin Barbara Ertl kann nach der Hochzeit mit einem Italiener in Turin für Italien starten. Sie war schon im Weltcup für Italien am Start gewesen. Der gebürtige Österreicher Josef Strobl darf bei den alpinen Wettbewerben für Slowenien antreten. Strobl hatte im September die neue Staatsbürgerschaft angenommen, da er in der österreichischen Mannschaft keine Chance auf einen Olympia-Startplatz sah.

          Unterdessen haben sich die Italiener entschieden, den Slalom-Star Giorgio Rocca zur Eröffnung der XX. Winterspiele am kommenden Freitag den Olympia-Eid der Athleten sprechen zu lassen. Pünktlich zum Beginn der Spiele eröffnete Turin am Samstag auch die erste U-Bahn-Linie.

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