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WM-Gold nach Doping-Sperre : Schöner, sauber siegen

Luftsprünge: Therese Johaug (M.) springt gemeinsam mit der Russin Natalia Neprjajewa (l.) und ihrer Teamkollegin Ingvild Flugstad Östberg Bild: AFP

Die Norwegerin Therese Johaug hat ihre Doping-Sperre ohne erkennbare Einbußen überwunden. Sie wird umjubelt wie zuvor und läuft bei ihrem WM-Comeback souverän zu Gold im Skiathlon.

          Die Tränen der Trauer sind getrocknet, die Augen leuchten wieder, das Siegerlächeln ist zurück: Norwegens Star-Langläuferin Therese Johaug ist nach ihrer Dopingsperre offenbar stärker als zuvor zurückgekommen. Bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld hat die 30-Jährige in überlegener Manier den Skiathlon gewonnen und zelebrierte ihren Sieg gemeinsam mit ihren deutlich geschlagenen Konkurrentinnen im Ziel mit einem ihrer Markenzeichen – einem Luftsprung mit seitlich angewinkelten Beinen. „Ein Traum ist wahr geworden. Es ist ein großer Tag für mich. Die Zeit seit meiner letzten WM war lang“, sagte Therese Johaug anschließend. Und dann weinte sie bei der Siegerehrung doch ein paar Tränen – nur diesmal der Freude.

          Die mittlerweile 30 Jahre alte norwegische „Schneekönigin“, die schon mit 18 ihrer erste WM-Medaille gewonnen hat, ist wieder obenauf. Und sie war auch nur kurzzeitig bei ihren Landsleuten in Ungnade gefallen. Johaug musste eine 18 Monate dauernde Dopingsperre aussitzen und verpasste deshalb die WM 2017 und Olympia 2018.

          Nun gewann sie an diesem Samstag ihren insgesamt achten WM-Titel – und diesen gut 1450 Tage nach ihrem siebten, 2015 in Falun. Therese Johaug, die hübsche Bauerntochter aus dem Provinzort Roros, siegte im sonnigen Seefeld nach jeweils 7,5 Kilometer in klassischen und freien Stil in 36:54,5 Minuten mit fast einer Minute Vorsprung auf ihre Teamkollegin Ingvild Flugstad Östberg (57,6 Sekunden), die sich im Endspurt um Silber knapp gegen die Russin Natalja Neprjajewa (+58,7) durchsetzte. Beste deutsche Läuferin war Katharina Hennig, die mit einem Rückstand von 2,41,1 Minuten Rang 16 belegte. „Es war ein guter Auftakt für sie“, lobte Bundestrainer Peter Schlickenrieder in der ARD.

          Den positiven Dopingtest, der ihre Zwangspause nach sich zog, hatte Therese Johaug 2016 eingestanden, aber unter Tränen stets ihre Unschuld beteuert. Sie war bei einer Trainingskontrolle in Livigno (Italien) positiv auf das anabole Steroid Clostebol getestet worden. Teamarzt Fredrik Bendiksen nahm die Schuld auf sich, weil er die Lippen-Creme „Trofodermin“ zur Versorgung eines Sonnenbrandes verordnet habe, dabei aber den verbotenen Inhaltsstoff übersah, so die norwegische Version. Eine ursprünglich nur zwei Monate währende Suspendierung wurde zweimal verlängert, ehe der internationale Sportgerichtshof Cas die Sperre auf 18 Monate bis April 2018 festsetzte.

          Mit fliegendem Pferdeschwanz zu WM-Gold: Therese Johaug in der Loipe

          Sie wisse nicht, wo sie die Motivation hernehmen solle, weiterzumachen, klagte die Staffel-Olympiasiegerin von Sotschi wegen ihrer verlängerten Zwangspause, die auch die Spiele von Pyeongchang betrafen.

          Doch sie fand offenbar die nötige Motivation, und nutzte sie, um sich sogar noch zu verbessern. Die nur 1,62 Meter große und gerade mal 45 Kilo leichte Ausdauerathletin hatte wegen ihrer schier unbändigen Energie und dem entsprechenden Laufstil einst den Namen „Duracellhäs'chen“ verpasst bekommen. Nach ihrem Comeback ist dazu noch eine ästhetische Komponente hinzugekommen, denn sie läuft nun geschmeidiger als zuvor. Zudem hat sie ihr bisheriges Manko, den Stockschub, dank ihres Trainingsfleißes und verstärkten Krafttrainings in der Wettkampf-Auszeit deutlich verbessert.

          Im norwegischen Skiteam gilt sie längst wieder als Vorläuferin, nach dem Rücktritt ihren noch erfolgreicheren Teamkollegin Marit Björgen ist sie die Gold-Hoffnung auf allen Distanzen jenseits des Sprints. In ihrem Comeback-Winter war sie auf alle Fälle bislang die überragende Athletin im Weltcup gewesen und in allen Langstrecken-Rennen, die sie bestritt, nicht zu schlagen.

          Tränen der Rührung statt der Trauer: die Weltmeisterin bei der Siegerehrung

          Ihrer Popularität in Norwegen scheint ihre Dopingsperre auch kaum geschadet zu haben. Die Sponsoren sind ihr treu geblieben, weiterhin lässt sie sich dank ihres guten Aussehens und ihres sonnigen Naturells, dass sich offenbar auch in ihrer zwangspausenbedingten Trauerphase kaum verdunkelt hat, gut vermarkten. Und auch die eigene Modelinie des Hobbymodels läuft weiterhin prima.

          Nur einen Spruch spart sich die kecke Therese mittlerweile. „Glauben Sie etwa, dass in einem so schönen Körper Doping-Gifte versteckt sind“, hatte sie selbstbewusst zurück gefragt, als sie schon nach ihren ersten beiden WM-Titeln 2011 mit Dopingvorwürfen konfrontiert worden war.

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