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Eisenbichler holt WM-Gold : „Das war einer meiner geilsten Sprünge“

Markus Eisenbichler in Innsbruck: „Jetzt bin ich Weltmeister, ich kann es gar nicht fassen.“ Bild: AFP

Historischer Doppelsieg für Deutschland: Skispringer Markus Eisenbichler holt sich den Titel von der Großschanze in Innsbruck. Landsmann Geiger landet hinter ihm auf Platz zwei. Eisenbichler selbst kann es kaum fassen.

          3 Min.

          Von wegen Schicksalsberg. Ein richtiger Glücksberg ist dieser Bergisel, der im Leben des Skispringers Markus Eisenbichler seit Samstag eine ganz besondere Bedeutung besitzt. Dass der Bayer aus Siegsdorf bei der Vierschanzentournee Anfang Januar alle Hoffnungen auf einen Coup bei dem deutsch-österreichischen Schanzenspektakel aufgeben musste, weil er nach seinen beiden zweiten Plätzen von Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen an ebenjenem Bergisel in Innsbruck nur Dreizehnter wurde – geschenkt.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Eisenbichler hat Frieden mit Bergisel geschlossen. Er ist Weltmeister – und was für einer. Einer, der sich, als alle Anspannung von ihm abgefallen war, seiner Tränen nicht schämte und mit seinen beiden Sprüngen auf 131,5 und 135,5 Meter zugleich ein Novum schaffte: Er wurde Weltmeister, ohne zuvor einen einzigen Weltcup in dieser Saison gewonnen zu haben. Und was das Glück der deutschen Skispringer an diesem zauberhaften Samstag vor 11400 Zuschauern rundum perfekt gemacht hat: Karl Geiger ist Zweiter geworden.

          Zwei Deutsche, die schon bei der Qualifikation die Konkurrenz dominiert hatten und die auch an dem Tag, an dem es wirklich darauf ankam, ihr großes Können zeigten. „Das ist einfach sensationell“, sagte der gerührte Eisenbichler. „Ich habe mir gesagt, bleib einfach cool, mach dein Zeug. Ich wusste, dass ich den Telemark setzen musste.“ Und dann passierte es wirklich hoch oben über Innsbruck am Bergisel: Eisenbichler flog im zweiten und entscheidenden Durchgang weiter als alle anderen 29 Finalteilnehmer. „Das war einer der geilsten Sprünge überhaupt“, sagte der 27-Jährige, der für seine beiden Flugvorstellungen insgesamt 279,4 Punkte erhielt.

          Großes Lob aus dem Nachbarland

          12,1 Punkte weniger bekam Eisenbichlers Teamkollege Geiger. Doch das war dem 26 Jahre alten Oberstdorfer völlig egal. Silber am Bergisel im Einzelspringen mit zwei Sprüngen auf 131 und 130,5 Meter. Das ist mehr, viel mehr, als sich der zweimalige Weltcupsieger erträumt hatte. In Engelberg, kurz vor Weihnachten, siegte er in den Schweizer Bergen und brachte sich durch diesen Erfolg bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee in Position. Am Ende jedoch wurde er Elfter. Vor einer Woche nun, beim Weltcup in Willingen, fand sich Geiger nach einem weiteren famosen Wochenende abermals ganz oben auf dem Podest wieder. Wieder eine Generalprobe vor einem Großereignis.

          Doch diesmal hielt Geigers Form bis zur WM in Tirol. Typisch Geiger: Als Eisenbichler nach seinem letzten Sprung oben im Zielauslauf ankam und spürte, dass der WM-Titel nur über ihn führen würde, fielen sich Geiger und Eisenbichler um den Hals, und auch die Teamkollegen Richard Freitag, der Neunter wurde, sowie Andreas Wellinger, der als 32. nicht in den zweiten Durchgang gekommen war und für das Teamspringen an diesem Sonntag durch den Hessen Stephan Leyhe ersetzt wird, herzten ihren Champion. „Eisei war so oft so knapp dran“, sagte Geiger später über Eisenbichler. „Ich freue mich so für ihn. Bei ihm ist es eskaliert.“

          Werner Schuster in Ekstase, das wird es nicht geben. Aber einen Bundestrainer, der mit einem breiten, höchst zufriedenen Grinsen die letzten Sonnenstrahlen einfing, die sich im Skisprungstadion Bahn brachen, und der sich für den „extremen Typ Markus“ nach Herzenslust freute. „Er liebt das Skispringen, und er liebt das Skifliegen.“ Und jetzt ist er von der Großschanze der Beste der Welt. Selbst der 49 Jahre alte Schuster gestand sich in seiner Analyse ein, „dass auch nach den guten Trainingssprüngen eigentlich niemand daran geglaubt hat. Jeder hat doch gedacht, dass es die Kobayashis, Stochs und Krafts schaffen.“ Doch sie schafften es nicht. Der japanische Tournee-Dominator, Grand-Slam-Champion und elfmalige Weltcupsieger Kobayashi wurde Vierter, gefolgt vom Polen Stoch und dem österreichischen Titelverteidiger Kraft.

          Eisenbichler und Geiger liefen den vermeintlichen Favoriten den Rang ab. Schuster sagte: „Markus ist ein Stehaufmännchen par excellence. Er war ja bei Olympia nur der Ersatzmann, aber daran ist er gewachsen.“

          Großes Lob für den Doppel-Coup am Bergisel erhielten die Deutschen auch aus dem Nachbarland Schweiz. Der in Einsiedeln lebende Westschweizer Kilian Peier hat gleichfalls den für ihn perfekten Skisprungtag erwischt. Der 23 Jahre alte Thronfolger des doppelten Doppel-Olympiasiegers Simon Ammann gewann überraschend Bronze und verneigte sich vor Eisenbichler und Geiger: „Die zwei waren besser.“ Ein deutscher Doppelsieg bei einer WM, das hatte es zuletzt 1999 gegeben, als Martin Schmitt vor Sven Hannawald in der Ramsau triumphierte. Auch in Österreich – wie jetzt am Tiroler Glücksberg Bergisel.

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