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Kurze Hosen bei Ski-WM : Freistil einmal anders

Jessica Diggins bei der Nordischen Ski-WM in kurzen Hosen: Langlauf muss nicht immer in Eiseskälte stattfinden. Bild: EPA

Zehn Kilometer Ski-Langlauf bei strahlendem Sonnenschein. Olympiasiegerin Jessica Diggins nimmt Freistil bei der nordischen WM wörtlich und läuft in kurzen Hosen. Die Deutschen können das nicht verstehen.

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          Jessica Diggins ist eine erfolgreiche Ski-Langläuferin und auch ohne Brettern an den Füßen ein begeisterte Läuferin. Im Sommer absolviert die 29-Jährige Amerikanerin beinahe täglich Trainingsläufe auf dem „Appalachian Trail“, einem Fernwanderweg in den Appalachen. Kurze Hosen, T-Shirt, Laufschuhe. Das Gefühl von Freiheit, das jede Joggerin und jeder Jogger kennt doch das Wintersportlern bisweilen abgeht. Denn ihre Disziplin üben sie wie der Name schon sagt, in der kalten Jahreszeit aus.

          An diesem Dienstag aber überlappten sich die Jahreszeiten und Klimazonen offenbar mal wieder, man mag es dem Klimawandel anlasten oder einfach dem Frühlingswetter zuschreiben. Bei der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf jedenfalls schossen die Temperaturen bei strahlendem Sonnenschein im Allgäu dermaßen in die Höhe, dass der Gedanke an Eis eher nichts mit Sport zu tun hatte.

          Nun ist für Jessica Diggins das Langlaufen nicht nur Sport, sondern meistens pure Freude, garniert mit Erfolg. 2018 gewann sie bei den Olympischen Spielen gemeinsam mit ihrer Teamkollegin Kikkan Randall sogar die Goldmedaille im Teamsprint, womit die beiden die ersten amerikanischen Olympiasiegerinnen in der Geschichte des nordischen Skisports wurden.

          Doch zu sehr schwitzen will sie auch nicht für ihren Erfolg. Und somit schnitt sich das All-American-Girl vor dem Start zum Zehn-Kilometer-Rennen an diesem Dienstag in Oberstdorf kurzerhand ihren Rennanzug ab und nahm den WM-Wettbewerb in kurzen Hosen und fast ärmellosem Shirt auf – genau wie ihre Teamkollegin Sadie Maubet Bjornsen und andere, die dem Beispiel folgten. Freistil wörtlich genommen.

          Keine Unterkühlung, nur Verausgabung: Sadie Maubet Bjornsen hilft Jessica Diggins im Ziel.
          Keine Unterkühlung, nur Verausgabung: Sadie Maubet Bjornsen hilft Jessica Diggins im Ziel. : Bild: AP

          So eröffnet sich angesichts der dauerhaften steigenden Durchschnitts-Temperaturen offenbar ein neuer Markt für Sportbekleidung: der Short-Look für Eisprinzessinnen. Das WM-Rennen gewann übrigens wieder einmal die Norwegerin Therese Johaug, die personifizierte Schneekönigin ihres Sports, mittlerweile zwölfmalige Weltmeisterin und nebenbei Unternehmerin für funktionale Wintersport-Bekleidung. In der WM-Spur war sie diesmal herkömmlich für eine Skilangläuferin gekleidet, aber im vergangenen Sommer hatte sie schon bewiesen, dass sie auch eine hervorragende Läuferin in kurzen Hosen ist. Das unterbot sie in einem Solo-Lauf bei den „Impossible Games“ in Oslo mal eben die WM-Norm für Leichtathletinnen über 10.000 Meter auch ohne Schnee.

          „Verlockend, in kurzen Hosen und Bikini rumzuspringen“

          Nach zehn Kilometer nordischem Langlauf-Freistil lag Jessica Diggins an diesem Dienstag mit ihren kurzen Hosen ziemlich ausgepumpt im Sonnenschein – aber auch auf dem dann doch immer noch ziemlich kalten Allgäuer Schnee. Die Amerikanerin hatte sich in 24 Minuten und 21 Sekunden völlig verausgabt, landete aber mit sechs Sekunden Rückstand zum Bronzeplatz der Schwedin Ebba Andersson knapp geschlagen auf Rang vier.

          Die pralle Sonne machte allen Ski-Langläuferinnen zu schaffen, der deutsche Teamchef Peter Schlickenrieder mahnte gerade deshalb zur Vernunft. „Das Wetter verlockt natürlich dazu, hier in kurzen Hosen und Bikini rumzuspringen. Aber das ist genau das, was einem schnell den Schnupfen oder die Erkältung an den Hals bringt“, sagte Schlickenrieder mit der ganzen Erfahrung seiner 51 Jahre.

          Die beste Läuferin des deutschen Teams, Victoria Carl, war in langen Hosen gestartet und kam auf Platz 14 ins Ziel. „Wir haben nur einen Rennlaufanzug“, sagte die 25-Jährige aus Zella-Mehlis nach dem Rennen und fügte noch an: „Der ist sauteuer.“ Ihn zu zerschneiden, „das ist mir einfach zu schade.“

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