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Nordische Ski-WM : Gold, Silber und Bronze für die deutschen Kombinierer

  • -Aktualisiert am

Hüpfen, laufen, springen: Frenzel, Rydzek und Kircheisen (v.l.n.r.) bejubeln den deutschen Dreifach-Erfolg Bild: EPA

Die Kombinierer räumen bei der WM in Lahti ab: Johannes Rydzek gewinnt vor drei weiteren Deutschen. Das haut selbst den erfahrenen Bundestrainer fast um.

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          Hätte man vor dem Rennen auf einen Sieg von Johannes Rydzek oder Eric Frenzel gewettet, wäre man nicht reich geworden. Zu schlecht waren die Quoten. Zu deutlich hatten die beiden Nordischen Kombinierer die Saison bislang dominiert, als dass ein anderer als die beiden Deutschen für den Weltmeistertitel in Frage gekommen wäre. Die Frage war nur, wer der beiden Gold gewinnen würde. Am Ende verteidigte der Gesamtweltcup-Führende Johannes Rydzek bei der Nordischen Ski-WM in Lahti seinen Titel von der Normalschanze souverän vor Eric Frenzel. Es wurde ein sporthistorischer Erfolg für das deutsche Team: Dahinter sicherte sich Routinier Björn Kircheisen die Bronzemedaille. Fabian Rießle auf Rang vier komplettierte am Freitag das überragende Ergebnis des Deutschen Ski-Verbands (DSV).

          Das beeindruckte auch den Bundestrainer sichtlich. „Es fällt mir schwer, dafür Worte zu finden. Ich bin emotional sehr mitgenommen“, sagte Hermann Weinbuch und verkniff sich mit belegter Stimme eine Träne. „Wir haben schon davon geträumt. Aber unter diesem Druck diesen Erfolg zu schaffen, ist eine Sache, an die ich nicht geglaubt habe.“ So eine Überlegenheit wie in diesem Winter von seiner Mannschaft hatte er in 21 Jahren als Chefcoach noch von keiner anderen Nation erlebt.

          Johannes Rydzek organisierte sich zum Zieleinlauf sogar noch ein Fähnchen.

          Dass es ein guter Tag werden könnte für die Deutschen, deutete sich schon beim Springen am Morgen an. Es stand ein strahlend blauer Himmel über Lahti. Doch wechselnde Winde machten nahezu dem ganzen Starterfeld auf der Schanze zu schaffen. Auch Frenzel erwischte ungünstigen Rückenwind, stand aber hoch in der Luft und brachte den Sprung zuverlässig technisch sauber auf die Bestweite von 99 Metern. Gleich nach ihm kam Konkurrent Rydzek – und der passte direkt Aufwind ab. Er flog ebenfalls auf 99 Meter. Doch schon in der Auslaufzone legte er den Kopf schief und wirkte angesichts dieses Ergebnisses so gar nicht zufrieden, hatte er doch im Feld die besten Bedingungen erwischt. Im Probedurchgang hatte es bei ihm noch zu 102 Metern gereicht.

          Die beiden Topfavoriten gingen also schon nach dem Springen als Führende in die Loipe. Rydzek startete mit 14 Sekunden Rückstand auf Frenzel in den Zehn-Kilometer-Langlauf. Dahinter waren auch noch Kircheisen (34 Sekunden), Rießle ( 40) und Manuel Faißt (41) in aussichtsreicher Position. Bundestrainer Weinbuch gab keine Taktik vor, doch die ergab sich von selbst: Rydzek musste schnell aufschließen – und dann erst einmal gemeinsam mit Frenzel die Medaillen nach hinten absichern. Den Schlussspurt sollte dann jeder nach seiner Art gestalten. In Zweifelsfall bis in den Fotoentscheid, den beide in dieser Saison schon drei Mal erzwungen hatten – jeweils mit dem besseren Ende für Rydzek. Doch dazu sollte es dieses Mal nicht kommen.

          Die Strecke war hart und der Schnee langsam. Rydzek hatte die Lücke nach einem Kilometer zugelaufen. Beide wechselten sich eine Zeit lang ab mit der Führung. Doch da ruckte Frenzels Kopf beim Laufen schon auffällig hin und her – ein Zeichen, dass es nicht so leicht ging, wie er gern wollte. Auch Rydzek musste das gemerkt haben. Nach der halben Distanz zog er das Tempo an. Der Pulk hatte da schon fast eine Minute Rückstand. Der einsetzende Schneefall machte die Strecke noch schwerer. Frenzel kam nicht mehr hinterher. Sekunde um Sekunde wuchs der Abstand. Schon auf der letzten Runde konnte Rydzek jubeln. Er schnappte sich sogar noch ein schwarz-rot-goldenes Fähnchen, mit dem er in Richtung Ziel wedelte. Dort schrie er seine ganze Freude hinaus.

          14,9 Sekunden Vorsprung waren es da immer noch, obwohl er austrudeln ließ. „Ich habe mich stark gefühlt und wusste, dass mir die schwere Strecke liegt“, sagte der Oberstdorfer: „Das ist ein unglaublich schöner Tag. Einfach Wahnsinn.“ Die ersten Glückwünsche bekam er sogleich vom Zweitplazierten: Frenzel umarmte Rydzek aufs Herzlichste. „Johannes war heute sehr stark. Ich habe alles gegeben und kann ihm nur gratulieren“, gab der geschlagene Oberwiesenthaler zu. Es sollte wohl auch ein Zeichen an die außer-deutsche Konkurrenz sein: Diese Freundschaft kann auch ein im Rennen erbittert geführter Zweikampf um Titel nicht entzweien. Die anderen Nationen können sich für die noch kommenden Wettkämpfe auf einiges gefasst machen. An diesem Sonntag steht bereits der Team-Wettbewerb an.

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