https://www.faz.net/-gtl-6vce6

Nordische Kombination : Den Gesamt-Weltcup im Blick

Der erfolgreichste Kombinierer bei der nordischen Ski-WM in Oslo: Eric Frenzel Bild: dpa

Die vier WM-Medaillen von Oslo sind für Eric Frenzel „innerer Antrieb“. Durch neue Regeln drohen den Kombinierern jetzt aber auch Strafrunden.

          2 Min.

          Es wird ein Kaltstart. In den finnischen Wäldern, wo an diesem Freitag die Nordischen Kombinierer in Kuusamo ihren ersten Weltcup der Saison absolvieren werden, hat der Winter Einzug gehalten. Temperaturen um den Gefrierpunkt, wenig Wind und ein bisschen Sonnenschein sind angekündigt - die Voraussetzungen für die Athleten also denkbar günstig. Aus der Einstimmung auf den Premierenwettkampf sind die Teilnehmer schlechtere Bedingungen gewohnt.

          Auch das deutsche Team um Eric Frenzel, den Überflieger der vergangenen nordischen Ski-Weltmeisterschaften, tritt mit dem Handicap an, bisher keinen einzigen Schneesprung absolviert zu haben. Das milde Klima in den vergangenen Wochen schränkte die Möglichkeiten, den Ernstfall auf den Schanzen realistisch zu simulieren, europaweit erheblich ein, selbst ein Lehrgang in Rovaniemi in Lappland, unweit des Polarkreis, musste wegen Schneemangels abgesagt werden.

          Frenzel sieht Chancengleichheit gewahrt

          „Die Vorbereitung war diesmal schon eine etwas andere“, sagt Frenzel, der sich und seine Teamkollegen dennoch für solide präpariert hält, weil eine ausgiebige Athletikschulung, fast 5000 Kilometer auf Skirollern sowie ein Lauftraining in der Skihalle in Oberhof eine Grundlage geschaffen hätten, auf die sich „aufbauen lässt“. Weil auch alle Mitbewerber um die vorderen Plätze, allen voran der Franzose Jason Lamy-Chappuis sowie der Norweger Magnus Moan, mit ähnlichen Herausforderungen bei den Proben aufs Exempel zu kämpfen hatten, sieht der Mann aus dem Erzgebirge die Chancengleichheit gewahrt: „Ich freue mich, dass es endlich wieder losgeht“, sagt Frenzel und fügt optimistisch an: „Mein Ziel ist der Gesamtweltcup. Nachdem ich zuletzt Vierter war, wäre es ganz nett, wenn es mit einem Platz auf dem Podium klappen würde.“

          Frenzel ist mit 23 Jahren noch jung, doch in seinem Metier längst ein Routinier. Bei den Titelkämpfen 2011 in Oslo gehörte er Dank des Gewinns von einer Gold-, zwei silbernen und einer Bronzemedaille zu den herausragenden Preisträgern im Team des Deutschen Ski-Verbandes. Mit seinem spektakulären Abschneiden Ende Februar verbindet er in der Rückschau „lauter schöne Erinnerungen“, die ihm beim Blick voraus „ein innerer Antrieb sind“. Vor allem steht er nun ein bisschen mehr im Blickpunkt der Öffentlichkeit, „aber das macht mir Spaß und belastet mich nicht“. In seinem Heimatort Geyer im Erzgebirge wurde er auf einem Empfang von tausend Mitbürgern gefeiert, seitdem „werde ich auf der Straße anders angeschaut, viele grüßen sehr freundlich oder sagen im Vorbeigehen zu ihrem Partner ,Guck mal, das ist ja der Frenzel‘.“

          „Kuusamo hat mir immer gut gelegen“

          Da in diesem Winter keine WM auf dem Programm steht, kann sich der junge Familienvater gezielt dem Weltcup widmen; mit bislang zwei Siegen ist seine Bilanz in diesem Metier durchaus ausbaufähig. Die Möglichkeit, gleich zu Beginn aufzutrumpfen, sei vorhanden: „Kuusamo hat mir immer gut gelegen“. Auf der Rukatunturi-Schanze hält er mit einer Weite von 148,5 Metern den Rekord. Der Internationale Ski-Verband erhofft sich für die Nordische Kombination durch Änderungen im Programmablauf in den nächsten Monaten mehr Attraktivität. Neu ist ein „Penalty Race“, das in Zakopane (29. Januar) und Lahti (2. März) ausprobiert wird und vorsieht, dass es beim Skispringen vier Korridore gibt. Nur wenn Frenzel und Kollegen mit vorgeschriebener Telemark-Landung im festgelegten Zielbereich landen, dürfen sie den anschließenden 10-Kilometer-Lauf ohne Zusatzrunden absolvieren. Anderenfalls drohen ihnen bis zu vier jeweils 150 Meter lange Extraschichten. Für einen Sturz sind drei Runden als „Strafe“ vorgesehen.

          Frenzel findet den Mut zur Innovation gut: „Es ist positiv, dass einiges in Gang kommt.“ Er fügt an, dass es nun aber auch wichtig sei, welches Bild sich die übertragenden Fernsehsender davon machten, „wie wir uns bemühen, uns besser darzustellen“. Gelegenheiten zur Werbung in eigener Sache gibt es reichlich: Mit 27 Einzelveranstaltungen stehen im Terminkalender mehr als doppelt so viele Auftritte wie in der vorherigen Saison.

          Weitere Themen

          Wolfsburg dreht das schwache Spiel

          2:1 gegen Malmö : Wolfsburg dreht das schwache Spiel

          Ein Elfmeter-Tor für Malmö wirkt wie ein Weckruf für den einfallslosen VfL Wolfsburg. Eine beruhigende Ausgangsposition für das Rückspiel ist der knappe 2:1-Vorsprung allerdings nicht.

          Füchse und Löwen schwächeln

          Handball-Bundesliga : Füchse und Löwen schwächeln

          Kiel oben: Während der THW seine Führung an der Tabellenspitze der Handball-Bundesliga ausbaut, straucheln im Verfolgerfeld die Löwen aus Mannheim und die Füchse aus Berlin.

          Topmeldungen

          Nach dem Terrorakt in Hanau : Zeichen gegen das Gift

          Hanau steht unter Schock: Der Bundespräsident spricht von einer tiefen Wunde. Vertreter der Migranten-Community fordern von Innenminister Seehofer mehr Sicherheit. Und Hessens Ministerpräsident sagt, er könne die Angst verstehen.
          Beweissicherung am Tatort: Deutschland hat ein Problem mit Rechtsterror, das ist nicht mehr zu übersehen. Was jetzt?

          Morde in Hanau : Böser, als die Polizei erlaubt

          Statt zwischen Rechtsextremismus und Rechtsterror zu unterscheiden, sollte man beides bekämpfen. Der Staat und seine Organe müssen jetzt aufrüsten – technisch, aber auch mental.

          Gericht hebt Stopp auf : Tesla darf weiter roden

          Umweltschützer erwirkten im Eilverfahren einen Rodungsstopp auf dem Gelände der geplanten Tesla-Autofabrik. Doch nun hat ein Gericht beschlossen: Die Bäume dürfen gefällt werden. Der Beschluss ist nicht weiter anfechtbar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.