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Nordische Kombination : Das Trainerquartett mit prima Klima

  • -Aktualisiert am

Ronny Ackermann ist immer noch Fahnenträger der Nordischen Kombinierer: Nur jetzt am Sprungturm Bild: dapd

Der ehemalige Weltmeister Ronny Ackermann hat Anteil am Erfolg der deutschen Kombinierer. Seit Sommer gehört er zum Betreuerteam. Nach Olympia 2014 soll er Hermann Weinbuch als Chef ablösen.

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          Über Nacht hat sich der Winter zurückgemeldet. Und wie. Fünfzig Zentimeter Neuschnee verwandelten das Allgäu in eine weiße Prachtlandschaft, wie sie in keinem Tourismusprospekt schöner hätte glänzen können. Der Wetterumschwung kam genau rechtzeitig, und er hielt die Helfer des Skiclubs Oberstdorf auf Trab. 250 per Telefonkette alarmierte Vereinsmitglieder hatten alle Hände voll zu tun, dass fünfzig Sportler und viertausend Zuschauer einen Weltcup in der Nordischen Kombination erlebten, der über das Wochenende reibungslos ablief und zu keinem Zeitpunkt den Anschein erweckte, als sei die Veranstaltung am Fuße des Nebelhorns eine Notlösung. Doch genau das war sie.

          Erst Mitte der Woche, als die Organisatoren in Schonach angesichts ihrer im Schwarzwald schmelzenden Loipen kapitulieren mussten, fand der Internationale Skiverband (Fis) mit den bei Großveranstaltungen routinierten Oberstdorfern einen Austragungsort, der das Risiko nicht scheute - und prompt mit passendem Wetter für seinen Wagemut belohnt wurde. Die südlichste Gemeinde Deutschlands sammelte mit ihrem Hilfsangebot sicher Pluspunkte bei der Fis, die in fünf Monaten über die Vergabe der Nordischen Ski-WM 2017 entscheidet, die sie in Oberstdorf gerne ausrichten würde. Die Bedingungen, so fand auch Bundestrainer Hermann Weinbuch, seien anspruchsvoll, aber akzeptabel gewesen. Weinbuch war mit dem Abschneiden seiner Athleten zufrieden. Im Mannschaftswettbewerb am Samstag belegte die Auswahl des Deutschen Ski-Verbands im Schneegestöber den zweiten Rang (0,1 Sekunden hinter Norwegen). Im Einzelwettkampf am Sonntag kam Björn Kircheisen hinter den Norwegern Mikko Kokslien und Magnus Moan auf den dritten Platz.

          „Die Entwicklung ist positiv“, sagte auch Ronny Ackermann. Der 28-malige Weltcupsieger gehört seit Sommer an der Seite Weinbuchs zum Betreuerteam und soll ihn 2014 nach den Olympischen Spielen als Chef ablösen. Der Thüringer, zwischen 2001 und 2008 weltweit das Maß der Dinge in der Nordischen Kombination, hatte im vergangenen März seine aktive Karriere beendet. „Ich habe im Training gemerkt, dass ich nach der Belastung nicht mehr so gut regenerieren kann“, begründete der Vierunddreißigjährige seinen Schritt. Er bereut ihn nicht, aber er beschäftigt ihn immer noch, wie er in Oberstdorf an der Schanze sagte, auf der er 2005 den Grundstein für eine seiner vier WM-Siege gelegt hatte: „Aufgeregt bin ich genauso wie früher“, sagte Ackermann, „wenn die Jungs loslegen, fiebere ich mit“.

          Weinbuch hatte im zurückliegenden Frühjahr seinen Rückzug angekündigt, sich dann aber bereit erklärt, unter veränderten Voraussetzungen doch weiterzumachen, die Übergabe der Geschäfte aktiv zu gestalten - mit dem Ziel, Olympia in Sotschi zum krönenden Abschluss werden zu lassen. Unterstützt von Ackermann sowie dem ehemaligen Skispringer Kai Bracht und dem früheren Langläufer Holger Bauroth übt Weinbuch seitdem seine Aufgabe mit mehr Spielraum bei der Gestaltung der Übungseinheiten und zur Analyse aus. „Wir haben jetzt ein Trainerquartett, wobei der Hermann ein bisschen über den anderen steht“, sagt der Oberwiesenthaler Eric Frenzel über die Arbeitsteilung in der Mannschaft. Der Sachse findet, dass es reibungslos funktioniert: „Wir kommen gut miteinander aus, es ist ein prima Klima“; wozu die ordentlichen Ergebnisse, auch seine, gewiss ihren Beitrag leisten.

          Eben eine relativ überschaubare Sportart

          In dieser Saison ohne herausragenden Höhepunkt ist der Weltcup aus Sicht von Ackermann einen Tick wertvoller als sonst. Die öffentliche Aufmerksamkeit richte sich aktuell eher auf Spezialspringer und Biathleten. Für die Kombination, einst eine Königsdisziplin auf Skiern, sei das Segen und Fluch zugleich. Man sei eben eine relativ überschaubare Sportart, sagte Ackermann, doch es klang bei allem Kampf um mediale Berücksichtigung nicht wie eine Klage. Vielmehr, so argumentierte er, biete das kleine Metier große Möglichkeiten, wenn alle Beteiligten den Gemeinschaftsgedanken verinnerlichten. Er selbst habe erst lernen müssen, dass Fortschritte oft dann möglich gewesen seien, wenn man nicht bloß verbissen auf Weiten und Zeiten geschaut habe. Ansonsten mache es „Riesenspaß, den Jungs mein Wissen weiterzugeben“, sagt Ackermann. „Sie haben Feuer und saugen regelrecht auf, was man ihnen sagt.“

          An der Trainerakademie in Köln wird Ackermann demnächst seine Sportlehrer-Lizenz machen, um seiner Erfahrung ein theoretisches Fundament zu geben. Wobei er so oder so sein Motto als Trainer-Novize bewahren wolle: „Die Leute sollen Spaß am Springen und Laufen haben, der Rest geht von allein.“ Für Prognosen, wo dies in den nächsten Wochen hinführe, sei es „obwohl die Richtung stimmt, derzeit noch zu früh“. Es folgen weitere 14 Weltcups. Der Winter hat ja gerade erst richtig angefangen.

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