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Nodar Kumaritaschwili : Ein sinnloses Opfer?

  • Aktualisiert am

Ein Denkmal in Kumaritaschwilis Heimatort Bakuriani im Kaukasus Bild: dpa

Der Unfall von Nodar Kumaritaschwili in Whistler erschüttert die Olympischen Winterspiele. Am ersten Todestag an diesem Samstag stellt sich vor allem die Frage: Was hat sich in den Eisröhren für die Rennrodler verändert? Eine Bestandsaufnahme von Anno Hecker.

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          Die Welt des Rennrodelsports hat sich nicht verändert. An diesem Samstag stürzen sich die Besten wieder in einen Eiskanal. Es geht um den Weltcup-Sieg auf der neuen Bahn von Paramonowo in der Nähe von Moskau. Sie ist schwierig. Beim Training stürzte Olympiasiegerin Tatjana Hüfner. Der Kanadier Brendan Hauptmann erlitt bei einem Crash eine Gehirnerschütterung. Er wird während der Schweigeminute wohl nicht sein Haupt senken können. Hauptmann liegt im Krankenhaus, während die Kollegen draußen an der Bahn für 60 Sekunden Nodar Kumaritaschwilis gedenken wollen.

          Freitag, 12. Februar 2010: Es ist der Eröffnungstag der Olympischen Winterspiele in Vancouver und in Whistler. Am Vormittag schießen die Rennrodler beim letzten Trainingslauf durch die Bahn des Whistler Sliding-Centers. Es ist relativ warm für einen Wintertag, der Himmel wolkenverhangen. Die deutschen Trainer sind zufrieden. Sie packen ihre Videokameras ein, nehmen die kommenden Läufer anderer Nationen nur noch aus den Augenwinkeln war. Das Geräusch eines mächtigen Aufschlags in der Zielkurve, nach der die Strecke mächtig ansteigt, beunruhigt sie nicht besonders. „Ich dachte, da wäre ein Schlitten rausgeflogen“, berichtete ein deutscher Trainer. „Aber dann sah ich ihn zurückkommen und wusste sofort: Der Knall kam nicht vom Schlitten.“

          Bilder, Videosequenzen der Bahnkamera und die Unfallanalyse der Untersuchungskommission dokumentieren den Abflug des Georgiers Nodar Kumaritaschwili über die Bande rücklings mit dem Kopf gegen einen der Stahlpfosten, die die Überdachung der Bahn tragen. Nodar hatte keine Chance. Kurz bevor er die Kontrolle über sein Sportgerät verloren hatte, war ein Tempo von 144 Kilometern pro Stunde gemessen worden. Das war zu viel für den vergleichsweise unerfahrenen Kumaritaschwili, zu viel aber auch für den Rennrodelsport. „Die Bahn ist zu schnell“, hatte Thomas Schwab, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland, schon lange vor dem tödlichen Unfall erklärt.

          Trauer in Whistler: Fans und Kollegen legten Blumen nieder und zündeten Kerzen an

          „Das Bewusstsein für eine Verbesserung der Sicherheit ist geschärft“

          Die Chronik dieses angekündigten Crashs ist aufgeschrieben worden. Deutsche Trainer und Athleten, auch aus dem Bob-Lager, scheuten sich nicht, offen über ihre Sorgen zu berichten. Sie fürchteten vom Tag der Eröffnung dieser Eisschlange an um Leib und Leben. Denn der Speed der besten Rodler auf der Olympiabahn lag um 20 Kilometer pro Stunde über der geplanten Höchstgeschwindigkeit von 135. Trotzdem konnte Olympiasieger Felix Loch nicht ahnen, wie furchtbar Recht er in einem Interview der „Sportbild“ im Dezember 2009 hatte: „Wenn Rodler aus Brasilien oder anderen exotischen Ländern dort starten, drohen gefährliche Stürze. Dann kann es Tote geben.“

          Nodar Kumaritaschwili wurde 21, ihm ist nicht mehr zu helfen. Aber vielleicht seinen Kollegen. Was hat sich verändert?

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