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NHL-Profi Leon Draisaitl : Besser als Owetschkin und Crosby

  • -Aktualisiert am

Ein Lichtblick in Edmonton: Leon Draisaitl macht von sich reden. Bild: Picture-Alliance

20 Jahre ist Leon Draisaitl gerade alt. Doch der Deutsche trumpft in der amerikanischen Eishockey-Liga groß auf. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass Draisaitl eine harte Zeit durchmachte.

          Man merkt im schnellsten Mannschaftsspiel von allen ziemlich rasch, ob man das angeschlagene Tempo mitgehen kann oder nicht. Da fehlen einfach Bruchteile von Sekunden in allen Lagen. Auch im Kopf, wo ein klitzekleiner Zeitpuffer Luft schafft, um reflexartig klug zu reagieren. Allzu lange hat Leon Draisaitl nicht gebraucht, um das zu begreifen. Genaugenommen nur die enttäuschende erste Saison im vergangenen Winter, als er für einen unerfahrenen Debütanten zwar relativ häufig auf dem Eis stand, aber nur wenig Zählbares aufzuweisen hatte.

          Weshalb er im Sommer nach einem neuen Trainingsplan intensiv an seiner Fitness arbeitete und einen neuen Konditionstrainer anheuerte und ganz erstaunliche Resultate produzierte. „Ich habe so gut wie jeden Tag an meinen Beinen gearbeitet“, sagte er neulich. Was insbesondere Todd McLellan freut, der als Coach der Edmonton Oilers ein jahrelang enttäuschendes Team endlich nach oben bringen soll. „Seine Stärke und seine Bewegungsmechanik können nun mit seiner Körpergröße mithalten. Er nutzt das sehr gut.“ Und ja: „Er ist schneller.“

          Aber was noch wichtiger ist: Die Geschwindigkeit setzt er auch noch um: Draisaitl, auffallend gut im Forecheck, schießt Tore und gibt hervorragende Pässe. Weshalb er mit neun Treffern und 18 Assists schon eine bessere Statistik aufweist als so überragende Spielerfiguren wie Alexander Owetschkin von den Washington Capitals oder Sidney Crosby von den Pittsburgh Penguins. Und das, obwohl McLellan nach dem Trainingslager den 20 Jahre alten Kölner zunächst mal in die kalifornische Eishockey-Provinz nach Bakersfield verbannte, wo er den dumpfen Alltag eines Farm-Team-Profis kennenlernen durfte.

          Auch im deutschen Nationalteam ist Draisaitl (links) schon angekommen.

          Verletzungsprobleme zwangen den Oilers-Trainer im November jedoch zum Kurswechsel. Gut für McLellan, dass er einen jungen Spieler hatte, der sich rasch einbauen ließ. Aber noch besser für Draisaitl, der sofort nach seiner Rückkehr ins Oberhaus glänzte. Inzwischen gelten er und sein Partner Taylor Hall im Sturm als „eines der erstklassigen Torschützen-Duos“ in der NHL, wie das „Edmonton Journal“ vor ein paar Tagen feststellte. Das liegt nicht zuletzt an Hall, der auf Nummer vier der aktuellen Scorer-Tabelle der NHL steht und tatsächlich zum ersten Mal überhaupt die Erwartungen erfüllt, die der Klub vor fünf Jahren in ihn investiert hatte, als man ihn als Ersten der Draft nach Edmonton geholt hatte.

          Trotz der Lichtblicke im Angriff plagen die Oilers noch so manche Sorgen. Zu denen gehören vor allem die Torhüterleistungen. Weshalb die Mannschaft mit einer Zwischenbilanz von 14:17 Siegen und 30 Punkten zu den schlechteren in der Western Conference gehört und noch sehr viel besser spielen muss, um einen Platz in den Play-Offs der besten acht zu erreichen.

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          Das ist dem Klub, der einst mit Top-Stars wie Wayne Gretzky und Mark Messier die Liga dominierte, schon seit neun Jahren nicht mehr gelungen. Doch derzeit herrscht verhaltener Optimismus. Nicht nur, weil die Konkurrenz in der Western Conference in dieser Saison, abgesehen von den Los Angeles Kings, nicht besonders stark ist. Sondern auch, weil einer ihrer besten Stürmer, Connor McDavid, im Januar zurückkehren könnte. Er erlitt Anfang November einen Schlüsselbeinbruch.

          Auf den Kölner Draisaitl und seine Aussichten im neu heranreifenden Stamm in Edmonton sollte sich das nicht auswirken. „Es ist unwahrscheinlich, dass Draisaitl jemals wieder ins Farm Team geschickt wird“, glaubt die „Edmonton Sun“. Was das hochgelobte Talent gerne zur Kenntnis nimmt. „Ich bin selbstbewusst. Ich fühle mich gut. Und das hilft auf dem Eis. Ich weiß, ich bin schnell und kann für Gefahr sorgen. Und das ist genau das, was ich möchte.“

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