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Slalom-Gesamtweltcup : Neureuther will kein „Trottel“ sein

  • -Aktualisiert am

Volle Konzentration: Felix Neureuther will den Slalom-Gesamtweltcup gewinnen Bild: dpa

Felix Neureuther will an diesem Sonntag die kleine Kristallkugel für den besten Slalomfahrer des Winters. Dafür reicht beim finalen Torlauf in Meribel schon ein vierter Platz – und genau das ist das Problem.

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          Die Rechnung ist ganz einfach, rein mathematisch jedenfalls, und doch nicht leicht zu lösen. Es geht um 55 Punkte, so groß ist der Vorsprung von Felix Neureuther vor dem letzten Weltcup-Slalom des Winters. Ein beachtliches Polster, einerseits, denn für einen Sieg bekommt ein Skirennläufer 100 Punkte, für Platz zwei 80 und für Platz drei 60.

          Somit wäre dem WM-Dritten aus Garmisch-Partenkirchen die kleine Kristallkugel für den besten Slalomfahrer des Winters unabhängig vom Abschneiden seines Widersachers Marcel Hirscher nicht mehr zu nehmen, wenn er an diesem Sonntag (1. Lauf ab 9.00 Uhr / 2. Lauf ab 11.30 Uhr) beim finalen Torlauf des Winters in Meribel dort landen würde, wo er in den vergangenen 14 Monaten beinahe jedes Rennen in seiner Spezialdisziplin beendet hat: auf dem Podest. Selbst ein vierter Platz (50 Punkte) wäre noch ausreichend.

          „Der Trottel vom Berg“

          Aber damit beginnt die Schwierigkeit. Taktieren ist nicht Neureuthers Sache, das zeigte er schon öfter. Und dass so etwas ganz leicht schiefgehen kann, hat der frühere Schweizer Skirennläufer Didier Cuche erfahren, als er 2008 einen Vorsprung von 99 Punkten im Kampf um die Super-G-Wertung verspielte. Er hatte damals im finalen Rennen nicht mehr alles riskiert, sein Konkurrent Hannes Reichelt hingegen schon.

          Der Österreicher gewann den Super-G von Bormio, Cuche wurde nur 16., und weil beim Weltcup-Finale nur bis zum 15. Platz Punkte verteilt werden, glitt ihm die schon fast sichere Kugel noch aus den Händen. Cuche bezeichnete sich danach als „der Trottel vom Berg“.

          Es könnte sein, dass Neureuther so einen ähnlichen Spruch loslassen würde, sollte es am Sonntag nicht klappen. Der mit neun Weltcupsiegen erfolgreichste deutsche Skirennläufer lässt keinen Zweifel daran, dass diese Kugel die Krönung des Winters, vielleicht sogar seiner bisherigen Karriere wäre. „Über eine ganze Saison hinweg der Beste zu sein, das ist definitiv das Größte, was man als Sportler erreichen kann“, sagt Neureuther.

          Als letztem und bisher einzigem deutschen Slalomläufer war dies Armin Bittner gelungen, er hatte 1990 die kleine Kristallkugel zum zweiten Mal nacheinander gewonnen und findet, dass so ein Sieg „nur mit einer Goldmedaille bei der WM oder bei Olympia gleichzusetzen ist“.

          Die Spitze im Blick: Marcel Hirscher, Neureuthers Verfolger

          Für Alpindirektor Wolfgang Maier ist Hirscher trotz des beachtlichen Rückstands nicht in der schlechteren Position. „Selbst wenn der 99 Punkte Rückstand hätte, darfst du den nie abschreiben. Der knickt mental nicht ein“, sagt er über den Österreicher, der obendrein vor seinem vierten Gesamtweltcup-Sieg steht. Vor allem körperlich könnte Hirscher gegenüber seinem deutschen Konkurrenten am Ende eines kräftezehrenden Winters Vorteile haben.

          Neureuther hatte wegen seines lädierten Rückens sowohl in der Vorbereitung als auch während der Saison immer wieder Pausen einlegen müssen. „Unglaublich“ findet Maier deshalb die Leistung von Neureuther bisher, fürchtet aber, dass sich das fehlende Training jetzt am Ende der Saison bemerkbar machen könnte.

          Das Ziel aus den Augen verloren

          Vor einer Woche in Kranjska Gora war Neureuthers Serie gerissen. Bis dahin stand er seit Mitte Dezember 2013 im Slalom stets auf dem Podium, wenn er ein Rennen beendet hatte. „Es ist wichtig“, weiß er, „dass man jetzt auf den Punkt funktioniert und sich ganz aufs Skifahren konzentriert.“

          Beim vorletzten Slalom hat er aber nicht alles riskiert, vielleicht aus Gründen der Vorsicht, weil ein Ausfall womöglich den Verlust der Weltcup-Führung bedeutet hätte, vielleicht war er aber an diesem Tag körperlich oder mental einfach nicht in der Lage dazu. „Es ist am Ende immer eine reine Kopfsache“, weiß Bittner. Beim ersten seiner beiden Triumphe war die Entscheidung auch erst im letzten Rennen gefallen, er hatte sich damals gegen Alberto Tomba und Marc Girardelli durchgesetzt.

          „Das Größte, was man als Sportler erreichen kann“: Krönt Neureuther seinen Winter?

          Für Neureuther ist es bereits die zweite Chance. Im vergangenen Jahr war er ebenfalls mit einem Vorsprung zum Finale gefahren, allerdings nur mit fünf Punkten. In Lenzerheide ließ er sich dann von der Kurssetzung verunsichern. Der Trainer von Hirscher hatte im ersten Durchgang einen für seinen Schützling maßgeschneiderten Lauf gesteckt. Neureuther ärgerte dies derart, dass er sich ablenken ließ und das Ziel aus den Augen verlor. Der zweite Platz damals war zu wenig, weil Hirscher gewann. Dieses Mal würde er reichen.

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