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Ester Ledecká : Ausnahmetalent auf drei Brettern

Ohne Angst: Ester Ledecká Bild: Picture-Alliance

Ein bisschen mehr Spaß muss sein: Nach der Ski-WM startet Ester Ledecká nun auch bei der Snowboard-WM – und zählt zu den Favoritinnen. Die Tschechin ist eine außergewöhnliche Erscheinung mit vielseitigen Talenten.

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          Mit Bedenkenträgern hält sich Ester Ledecká nicht lange auf. Leute, die ihr sagen, sie müsse sich auf eine Sache konzentrieren. Die warnen, das passe nicht zusammen, das funktioniere nicht. Die Frage „Ski oder Snowboard?“ kontert die 21-Jährige locker: „Ski und Snowboard!“ Und sagt es nicht nur, sondern beweist es auch. Auf hohem und höchstem Niveau.

          Das Abenteuer der Tschechin strebt in dieser Woche seinem Höhepunkt entgegen. Die junge Frau startet bei den Snowboard-Weltmeisterschaften in der Sierra Nevada, nachdem sie erst vor Monatsfrist bei den Ski-Titelkämpfen in St. Moritz mitgefahren ist. Und während die Multibegabte auf zwei Brettern schon eine gute Figur machte, mit den Plätzen 20 in der Kombination, 21 in der Abfahrt, 29 im Super-G und 37 im Riesenslalom, gehört sie auf einem Brett zur absoluten Weltelite: Im Parallel-Riesenslalom, der wegen schlechten Wetters von diesem Dienstag auf Donnerstag verschoben werden musste, zählt die blonde Pragerin zu den Medaillenkandidatinnen. Im Parallel-Slalom am Mittwoch tritt sie sogar als Titelverteidigerin an – 2015 wurde sie Weltmeisterin.

          Seit Jahren schon wechselt Ester Ledecká zwischen den Welten. Im Februar 2016 gab die erfolgreiche Snowboarderin ihr Debüt im Ski-Weltcup. Warum? „Weil es mir Spaß macht.“ Sie fuhr gleich in die Punkteränge. Was diese Umstellung bedeutet, kann sich jeder Hobbyläufer vorstellen, der schon mal von Ski auf Snowboard und wieder zurück gewechselt ist. Es sind zwei völlig unterschiedliche Sportarten, auch wenn beide auf Schnee betrieben werden. Ester Ledecká muss beim Skifahren nach einer Snowboardeinheit vor allem darauf achten, keine Innenskifehler zu begehen, nicht die falsche Kante zu belasten. Doch sie betont, aus beiden Disziplinen das jeweils Beste auch für die andere herausholen zu können. Das Tempo der Ski-Speedrennen helfe ihr, beim Boarden jegliche Angst zu verlieren. Ihr auf einem Brett bestens geschulter Gleichgewichtssinn wiederum kommt ihren Schwüngen auf zwei Brettern zugute.

          Größtes Talent auf dem Snowboard

          Das Ausnahmetalent bewegte sich schon immer vielseitig. Mit zweieinhalb, drei Jahren lernte sie Skifahren, mit fünf kam das Snowboarden dazu. Ihr Gefühl fürs Gleiten lag in den Genen: ihr Opa Jan Klapáč, mittlerweile 76, spielte zwischen 1964 und 1973 in der Eishockey-Nationalmannschaft der Tschechoslowakei, gewann zwei Olympia-Medaillen und wurde 1972 Weltmeister. Ein gewisses Showtalent hat Ester von ihrem Vater geerbt: Janek Ledecky, 54, ist in Tschechien ein bekannter Sänger und Komponist. Und während sie über ihren Papa sagt, er fahre auch ganz gut Ski, singt sie selbst nur unter der Dusche. Dafür spielt sie Bass – in der Band ihres Bruders. Und weil das alles noch nicht reicht, studiert sie Wirtschaftswissenschaften und lernt gerade Griechisch. Als Ergänzung zu den vier Sprachen, die sie schon spricht.

          Ihr größtes Talent beweist sie freilich auf dem Snowboard: 2013 war sie Doppel-Weltmeisterin bei den Junioren, nach ihrem WM-Titel 2015 gewann sie im darauffolgenden Winter den Gesamt-Weltcup. Und auch in dieser Saison liegt sie in der Parallel-Wertung auf Rang drei – und das, obwohl sie wegen ihrer Doppelbeschäftigung einige Snowboard-Events ausfallen lassen musste. Beim jüngsten Parallel-Riesenslalom in Kayseri (Türkei), dem letzten vor der Snowboard-WM, gewann sie prompt wieder.

          Der tschechische Skiverband würde es dennoch lieber sehen, wenn sie sich auf eine Sportart konzentrieren würde. Doch der Appell verhallte wirkungslos. Stattdessen unterhält Ester Ledecká mittlerweile ihr eigenes Alpin-Team, mit Ski-Trainer, Snowboard-Coach und Servicemann für drei Bretter, die ihre Welt bedeuten. Dass das Ganze auch Probleme nach sich zieht, bekannte sie während der Ski-WM. Sie komme mit ihrem Etat gerade so hin, sagte sie dem österreichischen „Standard“. Die Preisgelder aus dem Snowboard investiert sie ins Skifahren, von der slowakischen Spitzen-Skiläuferin Veronika Velez-Zuzulova bekam sie einen getragenen Rennanzug geschenkt.

          Trotz aller Detailfragen: So lange es ihr Spaß macht, will sie beide Sportarten weiter betreiben. Erfolg definiert sie sowieso auf eigene Weise: Ihr Saisonziel hat sie diesen Winter schon erreicht, weil sie bei beiden Weltmeisterschaften starten kann. Ihr Ziel für die kommende Saison ist ähnlich definiert: bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang mit Ski und Board gut dabei sein. Ihr Karriereziel: in beiden Sportarten top sein. Dass ihr Außenstehende angesichts solch hochfliegender Pläne sagen, sie sei verrückt, konterte Ledecká im Schweizer „Blick“ ziemlich lässig: „Dann bin ich halt verrückt.“

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