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Eishockey : München verliert Champions-League-Finale

  • Aktualisiert am

Die Münchner um Mads Christensen (links) verloren das Finale in Göteborg. Bild: EPA

Die historische Europa-Reise von Red Bull München endet ohne Happy End. Die Bayern verpassen in der Eishockey-Königsklasse den Sieg als erste deutsche Mannschaft. In Unterzahl werden sie eiskalt bestraft.

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          Nach dem zerplatzten Traum vom Triumph in der Königsklasse klopfte der stolze Trainer Don Jackson seinen geschlagenen Münchnern tröstend auf die Schultern. Deprimiert musste der deutsche Serienmeister mitansehen, wie die Frölunda Indians aus Göteborg im goldenen Konfettiregen die Trophäe in der Champions Hockey League in die Höhe reckten. „Ich bin wirklich stolz auf meine Jungs“, sagte Jackson. „Sie waren wirklich phänomenal.“

          Der EHC Red Bull München verpasste den historischen Sprung auf Europas Eishockey-Thron. Der Serienmeister aus Bayern musste seine Hoffnungen auf den ersten deutschen Triumph in der CHL im Finale gegen Frölunda schmerzvoll begraben. Die Mannschaft von Trainer Jackson wurde von dem schwedischen Favoriten in Unterzahl eiskalt bestraft und unterlag dem Dauergast im Königsklassen-Endspiel am Dienstagabend mit 1:3 (0:1, 0:2, 1:0). „So wunderschön wie Eishockey ist, kann es auch schmerzhaft sein“, sagte Verteidiger Konrad Abeltshauser. „Jetzt überwiegt der Schmerz, wir können aber trotzdem stolz auf uns sein.“

          Samuel Fagemo (11. Minute), Ryan Lasch (25.) und Ponthus Westerholm (35.) beendeten die historischen Europa-Reise der Münchner und sicherten sich im mit 12.044 Zuschauern ausverkauften Scandinavium zum dritten Mal die Trophäe. Yasin Ehliz (52.) ließ in einem intensiven Kräftemessen mit zahlreichen Zeitstrafen zu spät die Hoffnung des EHC auf die Wende aufkommen. Rund 500 Münchner Fans hatten sich auf den Weg an die nasskalte Westküste Schwedens gemacht - der neue Bundestrainer Toni Söderholm übermittelte seinen Zuspruch in den Sozialen Medien. „Macht das deutsche Eishockey stolz“, schrieb der Nachfolger von Marco Sturm, der in Memmingen mit einem Olympia-Perspektivteam sein Debüt gab.

          In dem imposanten Oval musste München von Beginn an die erwartete Schwerstarbeit verrichten. Das Team aus Frölunda, einem Stadtteil von Göteborg, wurde von seinem Heimpublikum stimmungsvoll angetrieben und bot Eishockey mit Wucht und Tempo. Die Schweden nutzten ihr erstes Power Play, nachdem Stürmer Mark Voakes auf die Strafbank musste: Fagemo hatte Zeit und Raum, sich den Puck zurechtzulegen und überwand Nationalkeeper Danny aus den Birken mit einem Schuss über die linke Fanghand. Gleich zu Beginn und dann wieder am Ende des ersten Drittels hatten auch die Bayern ihre Chancen, den Schüssen fehlten aber Präzision und Druck.

          „Nun kann das deutsche Eishockey erneut Historisches schaffen. Dafür werden wir alles reinschmeißen“, hatte Angreifer Frank Mauer vor dem Finale gesagt und an das Sensationssilber bei den Olympischen Spielen 2018 erinnert. Und Yannic Seidenberg (22.) hatte zum Start des zweiten Abschnitts, kurz vor Ablauf der zweiten Zeitstrafe für Frölunda, auch sofort eine Einschusschance. Wie man ein Power Play aber konsequent ausspielt, demonstrierten die technisch starken Hausherren eindrucksvoll. Kapitän Joel Lundqvist und Simon Hjalmarsson spielten schnörkellos auf Lasch, der Topscorer tauchte frei vor dem Tor auf und tunnelte Aus den Birken zum 2:0.

          Die Münchner um Kapitän Michael Wolf, der am Ende dieser Saison seine Karriere als DEL-Rekordtorschütze beendet, wirkten ab und an etwas nervös, zumindest nicht so handlungsschnell wie Frölunda. Jacksons Team steckte nicht auf, hatte bei einem Lattenschuss von Pathrik Westerholm (32.) aber erhebliches Glück. Dessen Zwillingsbruder Ponthus machte es kurz darauf in Überzahl besser - vorausgegangen war wieder eine Zeitstrafe, diesmal gegen Seidenberg. Die Münchner ihrerseits schafften nicht mal mit zwischenzeitlich zwei Mann mehr auf dem Eis gegen abgezockt verteidigende Schweden ein Tor. Derek Joslin (42.) traf für die Münchner die Latte, ehe Ehliz dem deutschen Endspielneuling im Power Play mit seinem Tor nochmal etwas Hoffnung für eine Aufholjagd schenkte - am Ende aber zu spät.

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