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Sorgen im Eishockey : Wie der Kapitän nicht nur den Kölner Haien hilft

865 Mal im Einsatz für die Kölner Haie: Moritz Müller Bild: Imago

Moritz Müller spielt seit 2002 für die Kölner Haie. Inzwischen ist er Kapitän und wird angetrieben von der Überzeugung, dass einem mit Fleiß und Mut vor keiner Aufgabe bange sein muss. Das hilft auch in der Corona-Krise.

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          Sie hatten lange genug Zeit, sich auf diesen Abend vorzubereiten. Das verschaffte ihnen die Möglichkeit, nachzuahmen, was im Fußball an vielen Orten seit dem Frühjahr das Bild prägt: Die Betreiber der Arena in Köln ließen Pappkameraden mit dem Konterfei von Anhängern der Haie anfertigen, mit denen sie die leeren Stuhlreihen füllten und so zumindest optisch den Eindruck vermittelten, als ob der Auftakt der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vor gut besuchtem Haus über die Bühne gehen würde.

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          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Doch das Gegenteil war der Fall, als der achtmalige Meister zum Saisondebüt den Rivalen aus Düsseldorf zum Prestigeduell empfing und sich dabei ausgesprochen ansprechend präsentierte. Moritz Müller, der zuvor vermutet hatte, dass die Geisterspiel-Atmosphäre „gespenstisch“ werden würde, konnte hinterher zufrieden feststellen, dass sich sein Team zumindest ganz und gar nicht irritiert gezeigt hatte von den ungewohnten Rahmenbedingungen; mit der knappen 4:5-Niederlage nach Penaltyschießen konnte der 34-Jährige gut leben.

          „Das war ein tolles Comeback. Zuallererst bin ich froh, dass wir nach neun Monaten hier wieder Eishockey gespielt haben. Das ist das eigentliche Positive“, lautete sein Fazit nach einem abwechslungsreichen Derby, in dem er mit seiner Tatkraft als resoluter Verteidiger viel dazu beitrug, den favorisierten Gegner in die Verlängerung zu zwingen, wofür es als Belohnung immerhin einen Punkt gab. An diesem Montag (19.30 Uhr bei Magenta Sport) geht es in Bremerhaven weiter.

          Müllers Kampfgeist hat während der Zwangspause nicht gelitten. Seine Geduld wurde zwar auf eine harte Probe gestellt, doch für ihn war früh klar, dass er sich der schwierigen Situation so stellen würde, wie er es von klein auf bei der Jagd nach dem Puck verinnerlicht hat: Der gebürtige Frankfurter, der seit 2002 bei den Haien unter Vertrag steht und mit inzwischen 865 Einsätzen in der teaminternen Rangliste unangefochten an oberster Stelle steht, wird angetrieben von der Überzeugung, dass einem mit Fleiß und Mut vor keiner Aufgabe bange sein muss.

          Vor zwei Jahren, als er mit der Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen nach Pyeongchang aufbrach, hatte er die mannschaftsinterne Whatsapp-Gruppe initiiert, deren Titel seine Entschlossenheit charakterisierte: Mission Gold! Dass im Finale nur Sekunden fehlten, um die zuvor von allen Außenstehenden als undenkbar erachtete Sensation Wirklichkeit werden zu lassen, ist Müller bis heute ein Antrieb.

          Sein Arbeitgeber hat gegenwärtig unter dem Lockdown mehr als alle anderen Konkurrenten zu leiden. Die Heimspielstätte im rechtsrheinischen Deutz ist an guten Tagen mit 18.600 Besuchern gefüllt. Da die Etats der DEL-Vereine zu drei Vierteln von den Einnahmen aus Ticketverkäufen abhängig sind, war die Fallhöhe entsprechend hoch. Müller, der Kapitän des Teams, gehörte bei der Suche nach Lösungen zu den wichtigsten Ansprechpartnern des Kölner Managements.

          Als er und seine Nebenleute über die existenzbedrohende Wirtschaftslage informiert worden waren, stimmten sie einem Gehaltsverzicht von bis zu 60 Prozent zu. „Dieser Weg ist alternativlos“, sagte er, „ich habe mich weniger um meine Person gesorgt, weil ich mich im Herbst meiner Karriere befinde. Sorgen habe ich mir vor allem um meinen Klub und das deutsche Eishockey allgemein gemacht.“

          Müller gehörte daneben zu den treibenden Kräften einer Rettungsaktion, bei der Promis wie Lukas Podolski und Tausende Fans über eine Million Euro einsammelten. Zudem zählte er zu den Gründern der Spielervereinigung, die mit „einer gemeinsamen Stimme“ die Interessen aller DEL-Profis vertreten will. Müller, der weit mehr als nur die Haie im Herzen trägt, ist es zuzutrauen, dass sie auch dann gehört werden wird, wenn die Stadien wieder voller sind.

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