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Premiere bei Bob-WM : Heftige Debatte um das Solo im Eiskanal

  • -Aktualisiert am

Laura Nolte hat bereits Erfahrungen gesammelt allein im Bob: Sie gewann 2016 Gold bei den Olympischen Jugendspielen. Bild: dpa

Der Monobob soll Pilotinnen die Chance auf eine weitere WM-Medaille bieten. Doch der Vorstoß für mehr Gleichberechtigung ist umstritten. Für die Athletinnen bedeutet der neue Schlitten eine große Umstellung.

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          Für die Bobfahrerinnen ist es ein neues Erlebnis. Zum ersten Mal sind sie bei einer Weltmeisterschaft auch in der zweiten Woche mit dabei. Denn am Samstag gibt es im Eiskanal in Altenberg eine Premiere: Es wird die erste Weltmeisterin im Monobob gesucht.

          Aussichtsreiche Kandidatin ist Kaillie Humphries. Die Kanadierin hat am vergangenen Wochenende ihren vierten WM-Titel im Zweierbob gewonnen. Und sie startet mit der Empfehlung von zwei Siegen am Königssee und in St. Moritz in der Monobob World Series. „Kaillie hat gleich im ersten Training gezeigt, wer die beste Bobpilotin ist“, sagt Bundestrainer René Spies.

          Auf seiner Mission zu mehr Geschlechtergleichberechtigung wollte das Internationale Olympische Komitee (IOC) einen zweiten Wettbewerb neben dem Zweier für die Frauen anbieten. Der internationale Bobverband (IBSF) schlug daraufhin 2018 den Monobob vor. Was noch immer für heftige Diskussionen sorgt. „Ich bin gegen den Monobob“, sagt Mariama Jamanka. Weil für die Olympiasiegerin Bobfahren ein Mannschaftssport ist, wäre nicht nur die Berlinerin gerne Vierer gefahren.

          „Vierer wäre besser gewesen“

          „Der Vierer wäre besser gewesen“, sagt auch Kaillie Humphries, die im großen Schlitten schon im Wettkampf gegen Männer angetreten war. Doch damit hätte sich die Anzahl der Teilnehmerinnen erhöht, was das IOC nicht wollte. Deshalb werden bei den Spielen in Peking im kommenden Jahr nur Pilotinnen im Mono antreten dürfen, die auch im Zweier-Wettbewerb starten.

          Allein unterwegs: Kim Kalicki sucht die Ideallinie.
          Allein unterwegs: Kim Kalicki sucht die Ideallinie. : Bild: dpa

          Anschieben, steuern und bremsen – Laura Nolte hat bereits Erfahrungen gesammelt allein im Bob. Die 22 Jahre alte Winterbergerin gewann 2016 Gold bei den Olympischen Jugendspielen. Doch Vergleiche mit dem Sportgerät, das eigentlich zur Ausbildung eingesetzt wird, schlössen sich aus. „Damals sind wir einen einteiligen Bob gefahren“, sagt die WM-Dritte vom vergangenen Wochenende. Mittlerweile besteht der Schlitten aus zwei Teilen, kann sich besser verwringen. „Das Vorderboot ist praktisch mit dem des Zweiers identisch“, sagt Konstrukteur Thomas Hahn von der Firma Ixent.

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          Deren Expertise besteht darin, dass sie unter anderem am Gold-Bob von Rekordweltmeister Francesco Friedrich mitgearbeitet hat. Trotzdem sind die Fahreigenschaften von Mono und Zweier unterschiedlich, weil der Schlitten mit 162 Kilogramm zwar etwa gleich schwer, aber 20 Zentimeter kürzer ist und auf der Hinterachse das Gewicht der Anschieberin fehlt. „Der Bob bricht leichter aus“, beschreibt es Laura Nolte. Deswegen brauche der Schlitten mehr Feingefühl. „An Stellen, wo man den Zweier schon wieder laufen lassen kann, muss man den Mono noch kontrollieren“, sagt sie.

          Chance auf eine zusätzliche Medaille

          „Dieser neue Wettbewerb gibt nicht nur unseren Athletinnen die Möglichkeit, eine zusätzliche Medaille zu gewinnen“, sagt IBSF-Präsident Ivo Ferriani, „sondern auch unseren Nationalverbänden, die Teilnahme weiblicher Athleten weiter zu fördern.“ Deshalb gibt es Einheits-Monobobs zum Preis von 22.500 Euro gegenüber den 100.000 Euro eines konkurrenzfähigen Zweiers.

          Damit stehen Athletinnen aus Ländern ganz oben auf dem Podium, die dort in der fast 100-jährigen Geschichte des Bobsports noch nie zu sehen waren. In Innsbruck-Igls gewann Breena Walker aus Australien. Deshalb bezeichnet auch IBSF-Generalsekretärin Heike Größwang diesen Wettbewerb als Meilenstein.

          Nicht ganz glücklich ist Bundestrainer Spies, wie einige seiner Pilotinnen dem neuen Bob gegenüberstehen. Auch für ihn überwiegt die Chance auf eine zusätzliche Medaille. Dem Einheitsbob allerdings steht er kritisch gegenüber. Was Konstrukteur Hahn durchaus verstehen kann. Die deutschen Pilotinnen seien den Bob des Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) gewohnt, sagt der Ingenieur.

          „Die FES-Lenkung reagiert feiner“, bestätigt auch die WM-Zweite Kim Kalicki. Ein wenig Abhilfe schafft, dass die Pilotinnen zumindest ihre gewohnten Lenkseile verwenden dürfen. So wie sich die Fahrlinien von Zweier und Vierer unterscheiden, so sind die vonn Mono und Zweier different. „Es ist interessant, dass sich die Pilotinnen eine neue Linie erarbeiten müssen“, freut sich Trainer Spies. Das ist eine neue Erfahrung. Und sorgt für ein komplett neues Fahrerlebnis.

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