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Mikaela Shiffrin : Brutal cool, enorm jung

Skirennfahren wie aus dem Lehrbuch: Mikaela Shiffrin Bild: REUTERS

Die Aussichten des amerikanischen Frauen-Skiteams auf Sotschi wären düster - gäbe es nicht Mikaela Shiffrin. Wer sie fahren sieht, weiß, warum so viele Trainer ins Schwärmen geraten.

          Teenagerstars sind ziemlich rar im alpinen Skirennsport. Die Großen der Branche sind meist erfahrene Leute, sie haben viel erlebt. Wie zum Beispiel die Slowenin Tina Maze, der ihr Trainer einst ein fünfjähriges Aufbauprogramm verschrieben hatte, das dann im vergangenen Winter in der höchsten Punktzahl gipfelte, die je ein Athlet in der Geschichte des Ski-Weltcups erreicht hat. Mikaela Shiffrin ist schon deshalb ein Ausnahmetalent. Mit 17 war die Amerikanerin im vergangenen Winter die beste Slalomfahrerin der Welt, sie gewann WM-Gold in Schladming und die Gesamtwertung im Slalom-Weltcup.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Seit Sonntag ist nun klar: Mikaela Shiffrin zählt auch im Riesenslalom zu den Besten der Welt. Zum ersten Mal landete die Achtzehnjährige, die im Mai die High School abschloss, in Beaver Creek unter den besten drei im Riesenslalom, geschlagen nur von der Schwedin Jessica Lindell-Vikarby - um neun Hundertstelsekunden. „Ich habe viel gearbeitet im Riesenslalom“, sagte sie, „deshalb ist es eine große Erleichterung, auf dem Podium zu stehen.“

          Kommt die Rede auf Mikaela Shiffrin, geraten viele Trainer ins Schwärmen. Wer sie fahren sieht, weiß auch, warum: Weil sie mit einer verblüffenden Sicherheit und Souveränität auf dem Ski steht; weil sie meist extrem kontrolliert und in perfekter Position unterwegs ist; weil sie über ein unglaubliches Skigefühl verfügt; und weil sie persönlich so reif und so ausgeglichen wirkt, als sei sie ihrem wirklichen Alter weit voraus.

          Mikaela Shiffrin weiß, was sie kann, sie weiß, was sie will, und sie weiß, wie sie das erreichen kann. „Wenn ihr Innenski ein Problem wäre“, beschrieb das Roland Pfeifer mal, der Techniktrainer der Amerikanerinnen, „dann übt sie den Innenski so lange, bis sie dieses Problem nicht mehr hat.“

          „Mika hat sich enorm weiterentwickelt“

          Vor dieser Saison lautete ihr Projekt: Vorstoß in die Weltspitze im Riesenslalom. Die Zwischenbilanz: Beim ersten Rennen in Sölden schaffte sie als Sechste ihr bis dato bestes Weltcup-Resultat - beim zweiten in Beaver Creek übertraf sie es mit Rang zwei. Dazwischen gewann sie den Weltcup-Slalom in Levi. „Mika ist brutal cool und hat sich enorm weiterentwickelt“, so hatte es Patrick Riml, der Alpindirektor im amerikanischen Skiverband, schon vor der Saison angekündigt.

          Darüber sind sie auch heilfroh im US Ski Team. Denn das Heimwochenende in Beaver Creek verlief für die amerikanischen Frauen ansonsten ernüchternd - Platz 19 in der Abfahrt war das nächstbeste Resultat in den drei Weltcup-Rennen für das zuletzt hochgelobte Team. Dem fehlt offensichtlich die Frontfrau Lindsey Vonn an allen Ecken und Enden.

          Freunde des Wintersports unter sich: Mikaela Shiffrin mit einem Rentier, das sie als Preis gewann

          Die Abfahrts-Olympiasiegerin hat nach ihrem Trainingssturz, bei dem sie sich einen Teilriss des Kreuzbands im gerade von einer schweren Verletzung genesenen rechten Knie zuzog, inzwischen wieder trainiert. Ob sie aber bis Olympia in Sotschi wieder fit sein wird, ist noch unklar. Die fällige Knieoperation jedenfalls will sie bis zum Saisonende hinausschieben.

          Umso größere Hoffnungen ruhen auf Mikaela Shiffrin - auch in Sachen Gesamtweltcup. Der Teenager, der das Skifahren so leicht, so mühelos aussehen lässt, arbeitet längst am nächsten Schritt: dem Weg in den Super-G. Im vergangenen Februar war sie bei den russischen Meisterschaften in Sotschi in Abfahrt und Super-G angetreten.

          „Zum Teil wird das jetzt schon Routine“

          Doch ihre Trainer wollen sie behutsam aufbauen, deshalb sind für diese Saison höchstens Weltcup-Starts bei leichteren Super-G-Rennen vorgesehen. Wie weit allein das schon führen kann, zeigte bei den Männern der Österreicher Marcel Hirscher: Als Technikspezialist gewann er zuletzt zweimal den Gesamtweltcup. Die Situation bei den Frauen ist etwas anders, die Konkurrenz durch starke Allrounderinnen größer - siehe Tina Maze und Maria Höfl-Riesch.

          Trotzdem wird es in nächster Zeit wohl noch einigen so ergehen wie in Beaver Creek Mikaela Shiffrins Vater Jeff. Dieser zweite Platz sei großartig gewesen, sagte er, ein atemraubender Moment. Doch: „Ich sage das sehr ungern, aber zum Teil wird das jetzt schon Routine.“ Daran wird sich Jeff Shiffrin gewöhnen müssen.

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