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Martin Schmitt : „Ganz ängstlich darf man nicht sein“

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Lächeln, immer lächeln: So manchen Knick in seiner langen Karriere hat Martin Schmitt einfach weggelächelt - vor allem die unablässigen Fragen nach seinem Karriereende. Bild: dapd

Martin Schmitt gibt sein Debüt bei der Vierschanzentournee – als TV-Experte. Der frühere Olympiasieger und Weltmeister spricht ein Jahr nach seinem Karriereende im Interview über Spitzenleistungen im hohen Alter, seine Trainerambitionen und deutsche Aussichten.

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          Bei der Vierschanzentournee vor einem Jahr beendet Martin Schmitt seine Skisprung-Karriere. Nun ist der Olympiasieger und Weltmeister als Experte für Eurosport dabei (der Sender überträgt wie die ARD von jedem Springen Qualifikation und Wettkampf, erstmals Samstag, 16 Uhr das Qualifikationsspringen aus Oberstdorf/ zudem gibt es einen F.A.Z.-Liveticker) . Im Interview spricht er über seine Karriere und den Start ins Leben danach, Spitzenleistungen im hohen Alter, seine Trainerambitionen und die deutschen Aussichten bei den Springen.

          Sie sind viermaliger Weltmeister gewesen, aber dann lange im hinteren Feld herumgesprungen. Hat Ihnen der richtige Moment für den Absprung gefehlt?

          Ich hatte schon noch Spaß an der Sache. Gerade in den vergangenen Jahren mit den neuen Bindungssystemen, da hat sich das Skispringen noch mal deutlich verändert. Das wollt ich kennenlernen. Und ich bin froh, dass ich so lange weitergemacht habe. Es waren interessante Erfahrungen, auch wenn es letztlich nicht mehr zu ganz großen Erfolgen gereicht hat. Aber ich habe 2011 noch eine Mannschaftsmedaille gewonnen. Und ich war 2013 Zehnter in der Tournee-Gesamtwertung. Was sicher nicht vergleichbar war mit meinen größten Erfolgen, aber es war doch noch mal eine ordentliche Leistung.

          Kamen Sie sich nicht komisch vor als älterer Mann bei den jungen Hüpfern?

          Es spricht nichts dagegen, auch mit Mitte 30 noch leistungsfähig zu sein. Noriaki Kasai ist sicher ein Ausnahmefall, und es ist nicht allgemeingültig, dass man mit Anfang 40 noch mal richtig in Fahrt kommt, aber es ist definitiv möglich, auch im hohen Alter noch Spitzenleistung zu bringen. Dann aber müssen alle Parameter passen. Das hab ich am Ende nicht mehr ganz hinbekommen.

          Sie hatten noch an den Olympischen Winterspielen im Februar in Sotschi teilnehmen wollen. Sind Sie Bundestrainer Schuster böse, dass er Sie vorher aus dem Kader genommen hat, oder erleichtert, dass er Ihnen die Entscheidung abnahm?

          Wenn Werner (Schuster, der Bundestrainer, d. Red.) mich bei der Tournee weiter mitgenommen hätte, hätte ich versucht, meine Chance zu nutzen. Die habe ich nicht mehr bekommen. Und das war dann auch okay. Er hat die Entscheidung für die Tournee getroffen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass er mir die Entscheidung für meine Karriere abgenommen hätte. Er stellte mir noch Weltcupstarts in Aussicht. Aber dann hab ich gedacht, lieber das letzte Springen in Garmisch als in Sapporo oder wo auch immer.

          Auf was kommt es in erster Linie an beim Skispringen?

          Es hängt alles am Absprung. Das ist die Basis.

          Dafür muss man körperlich fit sein.

          Ja, und eigentlich war ich auch immer noch gut drauf. Was es eher schwergemacht hat, war, den Zustand über die ganze Saison zu halten. Da hab ich das Alter schon ein bisschen gemerkt.

          Ist Skispringen körperlich anstrengend oder eher eine mentale Belastung?

          Wenn man rein den Sprung betrachtet, ist es nicht die Wahnsinnsleistung. Man fährt da runter, muss ein bisschen Radiusdruck aushalten, macht eine explosive Streckbewegung, hält die Körperspannung und landet wieder. Mit Absprung und Landung sind das zwei Belastungsspitzen und ansonsten ein bisschen statische Haltearbeit. Aber die Herzfrequenzen sind bei 160, 170, und das ist sicher nicht mit der körperlichen Belastung zu erklären. Da spielt schon die Psyche eine Rolle.

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