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Vierschanzentournee : Bei Eisenbichler ist noch Luft nach oben

  • -Aktualisiert am

Auch in Garmisch ist Markus Eisenbichler wieder bester Deutscher. Bild: dpa

Ein Norweger gewinnt das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee. Markus Eisenbichler springt in Garmisch auf Rang vier – und sucht nach seinen starken Versuchen das Haar in der Suppe.

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          Direkt nach der Landung schüttelte Markus Eisenbichler leicht mit dem Kopf. Er haderte, weil er die Ski nicht ganz so perfekt aufgesetzt hatte, nachdem er im zweiten Durchgang doch eigentlich auf imposante 139,5 Meter geflogen war. Doch nur wenige Sekunden danach riss er den rechten Arm mit geballter Faust nach oben. Erst einmal, dann noch einmal. Er jubelte mit den 20.000 Fans an der Olympiaschanze von Garmisch-Partenkirchen. Eisenbichler wurde beim Neujahrsspringen am Sonntag Vierter, mit zwei konstant starken Sprüngen auf 136,5 und 139,5 Meter.

          Besser als der 25-Jährige waren nur der norwegische Sieger Daniel Andre Tande, der Pole Kamil Stoch und der drittplatzierte Österreicher Stefan Kraft. In Lillehammer war Eisenbichler Anfang Dezember Dritter geworden, sein bestes Ergebnis bisher. Und dass er nun bei der Vierschanzentournee, dem alljährlichen Höhepunkt des Skispringens, so überzeugte, verschafft ihm so viel Genugtuung, dass er sich über den vierten Platz gar nicht erst ärgern wollte. „Nee, das ist nicht bitter“, sagte er. „Ich hab es leider nicht ganz geschafft auf das Podest. Aber es ist noch Luft nach oben. Das kommt noch.“

          Es ist derzeit ein ganz neues Gefühl für Eisenbichler. Auf einmal steht er im Fokus. Das Interesse der deutschen Zuschauer ist seit seinen bemerkenswerten Leistungen bei dieser Vierschanzentournee allein auf ihn gerichtet. Das war auch am Sonntag so. Immer wenn sich Eisenbichler für einen seiner Sprünge bereit machte, wurde es richtig laut im Skisprungstadion. Die deutschen Fans an der Olympiaschanze schwenkten ihre schwarz-rot-goldenen Fahnen. Wenn er abhob, riefen sie: „Ziiiiiiiiieh!“ Und er ließ sich davon tragen, durch den klaren, blauen Himmel. Über das von der Sonne beschienene Werdenfelser Land, das allerdings sehr grün ausschaut in diesen Tagen – an der Schanze und am benachbarten Gudiberg gibt es nur Kunstschnee.

          „Markus hat es gut gemeistert in einer total neuen Situation für ihn“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Denn als Gewinner der Qualifikation am Tag zuvor startete er als Letzter im ersten Durchgang. Das bedeutete zusätzlichen Druck. „Er kann sich nichts vorwerfen. Die ersten drei waren heute auf einem unfassbaren Niveau. Markus muss einfach geduldig bleiben“, betonte Schuster.

          Auch beim Neujahrsspringen ist Eisenbichler vorne dabei. Bilderstrecke

          Nach dem ersten Durchgang lag Eisenbichler auf Rang vier, auch danach hatte er etwas auszusetzen an seinem guten Sprung. „Ich habe ihn ein bisschen vermurkst“, sagte der ständig kritische Oberbayer. Dass er beide Sprünge dennoch so gut herunterbrachte, spricht für seine derzeit starke Form. Generell liegt ihm die Olympiaschanze eben, seine außergewöhnlichen fliegerischen Fähigkeiten konnte er dort voll ausspielen.

          Mit dem starken Auftritt hat sich auch die zusätzliche Trainingseinheit der Deutschen in Garmisch am vergangenen Dienstag gelohnt. Mit der Begründung, für all seine Athleten, die gerade einen Lauf hätten, wäre die Pause vor der Vierschanzentournee schlecht, hatte Schuster den Trainingstag angesetzt – und neben Eisenbichler hat auch Stephan Leyhe davon profitiert. Der 24-Jährige wurde als zweitbester Deutscher Achter. Andreas Wellinger kam auf Platz 13, Richard Freitag auf Rang 15 und Severin Freund wurde 21.

          Bei Eisenbichler steht Bundestrainer Schuster nun auch vor einer weiteren neuen Aufgabe. Der 25-Jährige war bisher noch nie so im Rampenlicht wie jetzt. Er, der sonst immer im Schatten der anderen sonst so erfolgreichen deutschen Skispringer wie Freund oder Freitag stand, ist nun allein im Mittelpunkt. So strebt der Bundestrainer beim grüblerischen und sich stets hinterfragenden Eisenbichler nun vor allem danach, dass er sich nicht von außen ablenken lässt – aber auch nicht von seinen eigenen extrem hohen Erwartungen. „Wir versuchen, ihn fokussiert zu halten. Jeder Tag ist eine Herausforderung, dass er nicht bei jedem Sprung das Haar in der Suppe sucht“, sagte Schuster.

          Eisenbichler selbst gibt sich abgeklärt. „Das ändert nichts“, sagt er zu der neuen Situation und der neuen Aufmerksamkeit. In der Gesamtwertung der Tournee liegt er nun auf Rang vier. Auch für das dritte Springen am Mittwoch in Innsbruck setzt er sich nur ein Ziel: „Ich habe mir vorgenommen, alles einfach laufen zu lassen.“

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