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Vierschanzentournee : „Das ärgert mich extrem – fünf Minuten“

  • -Aktualisiert am

Beste Bedingungen beim Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf. Bild: AFP

Nur Markus Eisenbichler macht Hoffnung auf mehr, ansonsten sind die Deutschen zum Start der Vierschanzentournee unzufrieden. Bundestrainer Werner Schuster benennt Defizite – und äußert einen Wunsch.

          3 Min.

          Werner Schuster suchte eine ruhige Ecke in dem großen Raum und zog sich mit der Ergebnisliste in den Händen zurück. Im Festsaal des „Oberstdorf Hauses“, wo kurz darauf die drei Erstplazierten des Eröffnungsspringens der Vierschanzentournee ihre glückliche Sicht der Dinge darlegten, schlüpfte der Bundestrainer in die Rolle des Juroren, der die mittelprächtigen Resultate seiner Athleten einzuordnen versuchte: „Sie sind nicht befriedigend, aber auch nicht total enttäuschend, sondern irgendwo dazwischen“, lautete sein öffentliche Beurteilung.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Im Teamhotel dürften später dann deutlichere Worte gefallen sein, das ließ der 47 Jahre alte Chefausbilder des Deutschen Skiverbandes (DSV) in einem Nebensatz anklingen: „Wir sind nicht grandios gestartet. Die Jungs sind sehr selbstkritisch und ärgern sich über ihre Fehler, das muss dann auch mal raus.“

          Der Bayer Markus Eisenbichler, der als bester DSV-Starter Sechster wurde, und der Sachse Richard Freitag (14. Platz) hätten sich mit unsauberen Landungen, die jeweils Wertungspunkte kosteten, unnötigerweise um ein besseres Abschneiden gebracht; Eisenbichler, der auf 135 und 133,5 Meter flog, fehlten 3,1 Zähler zum dritten Rang. „Das ist bitter“, sagte Schuster. „Die Weite hat nicht gefehlt, aber ich muss besser landen. Das ärgert mich extrem – aber nur fünf Minuten“, meinte der Bundespolizist aus Siegsdorf.

          Er reiste mit der Mannschaft und dem Betreuerstab nach dem Abendessen im Allgäu noch in der Nacht nach Seefeld in Tirol weiter, wo die Gruppe nun bis einschließlich Mittwoch Quartier macht, um von dort aus zum Neujahrsspringen nach Garmisch-Partenkirchen an diesem Sonntag (14.00 Uhr / Live in der ARD, bei Eurosport1 und im Vierschanzentournee-Ticker bei FAZ.NET) und am Mittwoch an die Bergisel-Schanze in Innsbruck aufzubrechen. „Wir kommen langsam in Schuss“, sagte Schuster, „aber es liegt noch ein hartes Stück Arbeit vor uns, um das Podium zu erreichen.“

          Mit Blick auf den Rückstand, den Eisenbichler auf die „Top 3“ in Oberstdorf – den österreichischen Sieger Stefan Kraft (139, 134,5 Meter), dessen Landsmann Michael Hayböck (3. Platz, 135, 133) sowie den zwischen ihnen postierten Polen Kamil Stoch (137 und 135) – aufweist, bescheinigte Schuster nur noch ihm eine realistische Chance, aus der Verfolgerposition die Klassements-Führenden aufmischen zu können. Eisenbichlers Rückstand auf Kraft beträgt vorerst knapp 15 Punkte. „Garmisch ist eine Fliegerschanze, das liegt ihm“, äußerte sich der Bundestrainer optimistisch.

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          Neben dem 25 Jahre alten Routinier, der in diesem Winter seinen zweiten sportlichen Frühling erlebt, müssten fortan auch die übrigen Teammitglieder, so Schusters Wunsch, die Gunst der Stunde nutzen: „Wir hatten die Situation, dass sich die Mannschaft jahrelang hinter Severin Freund ein Stück weit verstecken konnte. Jetzt sollte mehr von ihnen kommen, wenn er mal nicht so glänzt.“ Im Training sei allen eine gute Vorbereitung geglückt, „doch da wird man nicht Weltmeister“.

          Freund, der in der Vergangenheit oft so zuverlässige deutsche Frontmann, musste ein weiteres Mal feststellen, dass sein Sieg beim Saisondebüt im November Kuusamo einen Eindruck vermittelte, der nicht realistisch war. Die Folgen seiner Hüftoperation im Sommer waren schwerwiegender, als es zunächst den Anschein hatte. In Oberstdorf wurde der Team-Leader lediglich Zwanzigster.

          Starkes Stück: Stefan Kraft gewinnt den Auftakt in Oberstdorf. Bilderstrecke
          Vierschanzentournee : Vierschanzentournee

          Fast wäre der Wettbewerb für ihn nach dem ersten Durchgang schon beendet gewesen; seine verwackelte Landung bei 129 Metern sorgte für eine Schrecksekunde. Im deutschen K.o.-Duell gegen Lokalmatador Karl Geiger lag er so nur um knappe 0,4 Zähler vorne. Im Finale reichte es dann sogar nur zu 127 Metern. „Es hatte sich abgezeichnet, dass Severin nicht die Kohlen aus dem Feuer holen kann“, sagte Schuster. „Er kämpft aufrichtig um den Anschluss, er nimmt es mannhaft hin und bleibt konstruktiv“, konstatierte der Coach seiner noch nicht hundertprozentig fitten Führungskraft.

          Schuster nannte die Stimmung, die von 25.000 Zuschauern veranstaltet wurde, „enthusiastisch. Und wir konnten zumindest einen Teil dazu beitragen“. Der strahlende Stefan Kraft, der die Tournee vor zwei Jahren schon einmal gewann, sprach von einer „Mega-Atmosphäre“ sowie „einem der schönsten Tage meines Lebens“. Er habe den Wettkampf genossen wie selten einen zuvor, noch sei aber nichts erreicht: „Es gibt noch einige, die mich stoppen können“, sagte Kraft und nannte namentlich Daniel-André Tande, Kamil Stoch sowie seinen Zimmergenossen Hayböck, den er ganz hoch einschätzte: „Die Liste der Konkurrenten ist noch lang.“ Bis auf Außenseiter Eisenbichler steht kein Deutscher mehr darauf.

          Ergebnis vom 1. Springen der Vierschanzentournee in Oberstdorf

          1. Stefan Kraft (Österreich) 308,0 Pkt. (139,0 m/134,5 m);
          2. Kamil Stoch (Polen) 305,2 (137,0/135,0);
          3. Michael Hayböck (Österreich) 296,2 (135,0/133,0);
          4. Daniel-André Tande (Norwegen) 295,4 (130,5/138,5);
          5. Manuel Fettner (Österreich) 294,9 (132,5/135,0);
          6. Markus Eisenbichler (Siegsdorf) 293,1 (135,0/133,5);
          7. Piotr Zyla (Polen) 291,9 (133,0/133,0);
          8. Cene Prevc (Slowenien) 284,4 (132,5/132,0);
          9. Jurij Tepes (Slowenien) 283,2 (133,5/131,0);
          10. Peter Prevc (Slowenien) 281,8 (130,0/135,0);

          ... 14. Richard Freitag (Aue) 277,2 (129,0/136,0);
          15. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 277,0 (127,0/134,5);
          17. Stephan Leyhe (Willingen) 269,4 (129,5/129,5);
          20. Severin Freund (Rastbüchl) 260,4 (129,0/127,5);
          Andreas Wank (Hinterzarten) 260,4 (125,0/130,0);
          27. Karl Geiger (Oberstdorf) 250,5 (127,0/124,0);
          Pius Paschke (Kiefersfelden) ausgeschieden (123,0);
          Constantin Schmid (Oberaudorf) ausgeschieden (112,5)

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