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Maria Riesch und Felix Neureuther : „Wir sind nicht die großen Helden“

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Steil durch die Stangen: Felix Neureuther hofft auf den ersten Slalom-Sieg Bild: REUTERS

Er will einen Slalom gewinnen, sie gleich den Gesamt-Weltcup. Die alpinen Ski-Solisten Maria Riesch und Felix Neureuther sprechen im Doppel-Interview in der Sonntagszeitung über fehlende Abfahrer, gerissene Kreuzbänder und die Last der Erwartungen.

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          Die Ski-Solisten Maria Riesch und Felix Neureuther sprechen im Doppel-Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über fehlende Abfahrer, gerissene Kreuzbänder und die Last der Erwartungen.

          Wie gefällt Ihnen Biathlon?

          Maria Riesch: Gut. Ich schaue es gern an. Es ist um einiges spannender als nur Langlauf. Die Deutschen haben Erfolg, und es ist immer noch eine große Boom-Sportart.

          Stark in allen Disziplinen: Maria Riesch nimmt Kurs auf den Gesamt-Weltcup
          Stark in allen Disziplinen: Maria Riesch nimmt Kurs auf den Gesamt-Weltcup : Bild: AP

          Felix Neureuther: Biathlon ist eine Sportart, die relativ einfach zu verstehen ist. Wer alles abräumt und am ehesten im Ziel ist, hat gewonnen. Deshalb ist es auch bei Nicht-Wintersportlern populär.

          Können Sie verstehen, dass Biathlon den alpinen Skisport hierzulande in den Hintergrund gedrängt hat?

          Neureuther: Die Deutschen sind im Biathlon einfach die Weltbesten. Wenn man schaut, was in Österreich Skisport bedeutet oder in der Schweiz – da spielt Biathlon keine große Rolle.

          Riesch: Bei uns ist im Biathlon die Bandbreite extrem groß, bei den Damen, bei den Herren, es gibt so viele, die permanent vorn dabei sind. Dann gibt es noch Magdalena Neuner als Shootingstar – das ist halt alles, was eine Sportart braucht, um Erfolg im eigenen Land zu haben.

          Neureuther: Wenn bei uns der Erfolg mal wieder da ist, wird vieles ganz von selbst kommen, dann wollen die Leute auch wieder Skifahren sehen. Erst war Skispringen, dann ist Biathlon – der Biathlon-Boom wird sicherlich noch anhalten –, aber das ändert sich auch alles mit der Zeit und mit den Erfolgen.

          Riesch: Man hat beim Skispringen gesehen, wie schnell so ein Boom vorbei sein kann.

          Neureuther: Das Interesse wird wiederkommen, viele sehnen sich danach. Der Skisport hat großes Potential, auch weil ein sehr großer Markt dahintersteht.

          Ihnen beiden ist die Rolle zugedacht, den alpinen Skisport in Deutschland wieder nach vorn zu führen. Es ruht eine Menge Hoffnung auf Ihren Schultern.

          Riesch: Der Felix hat es bei den Herren besonders schwer, weil er der Einzige ist. Er hat kein Team hinter sich. Wenn er mal versagt, was jedem passiert, dann stehen nicht noch fünf andere da und halten die deutsche Flagge hoch. Bei den Damen ist es nicht ganz so dramatisch, aber wir beide haben es schon ein bissel schwer. Da reicht auch eine gute Saison nicht, um das Interesse gleich wieder in großem Maß zu wecken, das muss jetzt über mehrere Jahre gut laufen, dann wird es nach und nach wieder besser.

          Neureuther: Ich habe schon ein Team um mich, aber ich bin halt der Einzige, der in der Weltklasse angekommen ist. Ich mache mir letztlich aber keine großen Gedanken drüber.

          Riesch: Man fährt eh für sich selber.

          Ist es ein Nachteil, wenn man keine Konkurrenz im eigenen Team hat? Leidet darunter die Qualität des Trainings?

          Neureuther: Das kann auch ein Vorteil sein, weil man unabhängig ist von einer Mannschaft und auch bei anderen Nationen mittrainieren kann. Man sucht sich immer zusammen, mit Österreichern, Finnen, Amerikanern, Schweden. Alle profitieren davon, man hat schon im Training den internationalen Vergleich. Man pusht sich gegenseitig, jeder will jedem zeigen, dass er verdammt schnell ist.

          Wer hat mehr Druck? Felix, der auf seinen ersten Weltcupsieg wartet, oder Maria, von der alle hoffen, dass sie den Gesamt-Weltcup gewinnt?

          Neureuther: Schwer zu sagen. Bei mir wird nur noch über den ersten Weltcup-Sieg geredet. Aber den kann man nicht erzwingen. Der kommt einfach. Ich hätte letzte Saison schon einige Rennen gewinnen können, ich war da nur noch zu blöd einfach.

          Riesch: Ich empfinde die Erwartungen nicht so sehr als Belastung. Von jedem, der Rennen fährt, wird eine Leistung erwartet. Bei mir interessiert das vielleicht mehr Leute, aber das ist der einzige Unterschied.

          Warum schaffen es die Deutschen nicht, einen Abfahrer von Format herauszubringen?

          Riesch: Vor vier, fünf Jahren hat es ein richtiges Abfahrtsteam gegeben. Ich glaube, wir hatten mal acht oder neun Startplätze. Irgendwie ist dann alles weggebröselt. Martina Ertl, Hilde Gerg, Petra Haltmayr haben ihre Karrieren beendet. Und jetzt sind wir nur noch zu zweit. Woran das liegt? Ein wichtiger Grund ist, dass viele von denen, die es draufhätten, sich in jungen Jahren schon schlimm verletzen. Wenn sie nach schweren Verletzungen zurückkommen, haben sie oft zu großen Respekt und vielleicht auch Angst, sich wieder zu verletzen. Dann gerät die Abfahrt aus den Augen.

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