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Maria Riesch : In der Form ihres Lebens

Keine normale WM: Maria Riesch ist das Gesicht der Wettbewerbe von Garmisch-Partenkirchen Bild: dapd

Die Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen könnten zu Festspielen für Maria Riesch werden. Sie kann in allen Disziplinen Medaillen holen und endgültig zum Topstar werden. An diesem Dienstag (11 Uhr) startet sie zum ersten Rennen.

          Es ist keine normale Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen. Nicht für Maria Riesch. Sie ist in Partenkirchen geboren, hat hier Skilaufen gelernt. Sie kennt jeden Hang und jede Kurve, und wenn es nicht ein wenig schwülstig klänge, könnte man sagen, dass die Hoffnungen der Nation auf ihren Schultern ruhten, jedenfalls erwartet man Siege von ihr, einen, zwei, drei, vielleicht vier, fünf, warum nicht sechs, wenn man den Teamwettbewerb mitzählt? Maria Riesch startet in allen Disziplinen, und in jeder kann sie vorn dabei sein. „Sie kann überall eine Medaille holen“, sagt Kathrin Hölzl.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Spätestens seit Maria Riesch vor einem Jahr bei den Olympischen Spielen in Vancouver zweimal Gold gewann (in der Kombination und im Slalom), verkörpert sie die Hoffnung auf eine Renaissance des alpinen Skisports in Deutschland, der in den vergangenen Jahren erst vom Skispringen, dann vom Biathlon in den Hintergrund gedrängt worden war. Was fehlte über all die Jahre, waren Stars und Siege, Medaillen und Titel, Gesichter und Geschichten. Wolfgang Maier, der Alpin-Direktor des Deutschen Skiverbandes, spricht von der Vision, „dass Skifahren wieder zu den Top-Sportarten in Deutschland zählt. Mit der WM vor zwei Jahren, als Maria im Slalom und Kathrin im Riesenslalom Weltmeisterinnen wurden, und mit Olympia vor einem Jahr haben wir gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“ Und nun ist sie da, die große Chance: eine Weltmeisterschaft zur rechten Zeit, am rechten Ort. „Ich freue mich seit Jahren darauf“, sagt Maria Riesch. „Sich bei einer WM in seinem Heimatort vor Freunden und der Familie präsentieren zu können, das ist ein Traum.“

          Doch es geht nicht nur um Medaillen und um den alpinen Skisport hierzulande, es geht auch um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018, wenn sich am 6. Juli in Südafrika entscheidet, ob sich die Münchner Bewerbung gegen Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich) durchsetzen kann. Die Garmischer WM soll beim IOC Eindruck machen, soll zeigen, dass die olympischen Skiwettbewerbe in Garmisch gut aufgehoben wären. Gleichzeitig hofft man, dass die Proteste der Olympiagegner im Glanz der Großveranstaltung kaum sichtbar werden.

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          Die Chance, dass Garmisch tatsächlich Riesch-Festspiele erlebt, stehen nicht schlecht, die Partenkirchenerin fährt bislang eine glänzende Saison. In den technischen Disziplinen ohnehin eine Klasse für sich, hat sie es in diesem Winter geschafft, auch in der Abfahrt auf Augenhöhe mit der Amerikanerin Lindsey Vonn, ihrer ewigen Konkurrentin um den Gesamt-Weltcup, unterwegs zu sein. Und mit diesem Gefühl der Stärke kommt sie nach Garmisch: „Die Erfolge haben mir viel Selbstvertrauen gegeben.“ Daran hat auch das Ausscheiden beim Slalom am Freitag in Zwiesel nichts geändert.

          Spezialistin für Happy Ends

          Im Weltcup führt Maria Riesch mit 145 Punkten Vorsprung vor Lindsey Vonn, niemals waren ihre Chancen besser, zum ersten Mal nach 1998 die große Kristallkugel wieder nach Deutschland zu holen. Sie wäre erst die dritte Deutsche, der dieses Kunststück gelänge. Außer Katja Seizinger, die 1996 und 1998 den Gesamt-Weltcup gewann, schaffte das nur Rosi Mittermaier 1976.

          Heim-Vorteil oder Heim-Nachteil. Trägt die Begeisterung mehr, als der Erwartungsdruck bremst? Maria Riesch spricht von einer „einmaligen Chance“, und sie vermittelt den Eindruck, dass sie entschlossen ist, sie zu nutzen. Besonderen Druck? Spüre sie nicht, sagt sie. Und wenn, kein Problem. Sie habe bewiesen, dass sie damit umgehen kann, als sie bei der WM in Val d'Isère 2009 nach einem Trainingssturz und Enttäuschungen in vier Wettbewerben im allerletzten Versuch den Slalom noch gewann. Damals ist der Knoten geplatzt. Maria Riesch war nicht mehr nur eine begnadete Skifahrerin mit flatternden Nerven, sie war eine Siegläuferin geworden, eine Spezialistin für Happy Ends, auch bei Olympia.

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