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Maria Riesch : Immer Nummer zwei - das nervt

  • -Aktualisiert am

Auf dem Weg nach oben: Maria Riesch will am Ende des Winters an erster Stelle stehen Bild: REUTERS

Maria Riesch hat einen guten Start in die Saison erwischt. Im Rennen um den Gesamtweltcup muss die Deutsche aber besonders in der Abfahrt schneller werden. Die Amerikanerin Lindsey Vonn hat noch einen Vorsprung.

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          Maria Riesch sagt, sie schaue gar nicht auf den Gesamtweltcup-Stand. Im Moment klingt das noch glaubhaft, denn nach erst vier Saisonrennen hat das Klassement keine große Aussagekraft. Die Momentaufnahme mit drei deutschen Skirennläuferinnen unter den besten vier und Maria Riesch ganz vorne gibt vor den alpinen Weltcup-Rennen in Lake Louise, wo am Freitag und Samstag jeweils eine Abfahrt und am Sonntag zum Abschluss der Überseetournee ein Superriesenslalom ausgetragen wird, höchstens ein gutes Gefühl. Andererseits ist der bisherige Saisonverlauf schon ein kleiner Fingerzeig.

          Maria Riesch fährt im Slalom und Riesenslalom ähnlich gut wie im vergangenen Winter, und ihre wohl größte Konkurrentin im Kampf um die große Kristallkugel, die Amerikanerin Lindsey Vonn, hinkt in diesen beiden Disziplinen wieder hinterher. Sie muss Maria Riesch deshalb auch in diesem Jahr in Abfahrt und Superriesenslalom auf Distanz halten. „Wenn es wieder so kommt, dass die Lindsey im Speed so stark ist, ist jeder Punkt, den ich jetzt schon herausgeholt habe, wichtig“, sagt die Deutsche. Im letzten Abfahrstraining vor dem Rennen belegte Riesch den zweiten Platz, Vonn wurde Siebte.

          Der Gesamtweltcup beherrscht ihre Gedanken, auch wenn sie das verständlicherweise nicht zugibt, genaugenommen beherrschte der Gewinn der Trophäe für die beste Skifahrerin des Winters ihre Gedanken schon im Sommer. Zusammen mit dem neuen Cheftrainer Thomas Stauffer hat sie eine Strategie entwickelt, wie sie in Abfahrt und vor allem Superriesenslalom näher herankommen könnte an Vonn. Die Amerikanerin gewann in der vergangenen Saison sechs von acht Abfahrten. Dass Maria Riesch die anderen beiden für sich entschied und damit die einzige Skirennläuferin war, die die Dominanz der Olympiasiegerin aufbrechen konnte, ist ein schwacher Trost.

          Die Amerikanerin Lindsey Vonn ist die größte Konkurrentin der Deutschen

          Kein Wechsel auf Männerski

          Es nervt langsam, immer nur die Nummer zwei zu sein - obwohl sie im Superriesenslalom schon froh wäre, diese Position einnehmen zu können. Da hat Maria Riesch, 2008 noch Weltcupsiegerin in dieser Disziplin, den Anschluss an die Weltspitze etwas aus den Augen verloren. Die Sechsundzwanzigjährige aus Garmisch-Partenkirchen betrieb einen enormen Aufwand, um die Kluft zu verkleinern. Sie begnügte sich nicht wie bisher mit nur einem Sommertrainingslager, sondern reiste zunächst Ende August mit der Technikgruppe nach Neuseeland und anschließend mit dem Abfahrtsteam nach Chile.

          Dort gibt es im Gegensatz zu Neuseeland eine anspruchsvolle Abfahrtspiste. Sie habe perfekte Bedingungen vorgefunden, erzählte sie, und hatte deshalb vor der Reise nach Übersee Mitte November schon mehr als doppelt so viele Trainingstage auf den längeren Ski absolviert als zum gleichen Zeitpunkt des vergangenen Winters.

          Aber es ist nicht nur das verstärkte Training in den Geschwindigkeitsdisziplinen, das Maria Riesch optimistisch stimmt, sondern auch die Gewissheit, auf dem richtigen Material unterwegs zu sein. Im Olympia-Winter hatte es wegen der auf Männerski enteilenden Vonn im Frauen-Zirkus immer wieder Diskussionen gegeben. Die Ski, für die sich die Amerikanerin entschieden hatte, sind schwerer und steifer. Es ist deshalb zwar mehr Kraftaufwand erforderlich, die Bretter zu steuern, aber auf ruppiger Piste laufen sie ruhiger. Riesch testete im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt in Kanada kurzfristig Männerski, verzichtete dann aber auf einen Wechsel, weil sie in den wenigen Trainingsläufen nicht schneller war.

          „Ich habe mich nicht getraut“

          Es blieben nach der Vernunftentscheidung jedoch kleine Zweifel, selbst am Ende des Winters, als sie die letzte Abfahrt der Saison in Garmisch gewann, auf jener Strecke, auf der im kommenden Februar die WM-Medaillen vergeben werden. In Chile hatte sie deshalb neues Material dabei. Mit 2,14 Meter für die Abfahrt und 2,07 Meter für den Superriesenslalom sind die Ski ein paar Zentimeter länger als bisher, aber immer noch kürzer als die von Lindsey Vonn. „Das ist so ein Zwischending, das für mich ganz gut passt“, hat sie festgestellt.

          Eine andere Option hat sie dagegen nicht genutzt. Ihr Vertrag mit dem Skischuhhersteller lief aus. Ihr Skiausrüster hätte es gerne gesehen, wenn er künftig auch die Stiefel hätte liefern dürfen. Aber vor der Heim-WM „habe ich mich nicht getraut, zu wechseln“. Außerdem sei es sehr aufwendig, als Starterin in vier Disziplinen die optimale Abstimmung zwischen Ski und neuem Schuh zu finden. Es wäre zu Lasten des Trainings gegangen. Und das hätte in ihre Abfahrts- und Superriesenslalom-Strategie nicht gepasst.

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