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Maria Höfl-Riesch : Für die Königin beginnt das Après-Ski

„Servus“ und „Auf Wiedersehen“: Maria Höfl-Riesch beendet ihre Karriere Bild: dpa

Die dreimalige Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch beendet ihre Laufbahn als Skirennfahrerin. Höfl-Riesch gab ihren Rücktritt bei der Ehrung für den Sieg im Abfahrts-Weltcup bekannt.

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          Mehr als zehn Jahre ist das jetzt her. Weltcup-Abfahrt in Haus im Ennstal, Freitag, der 30. Januar 2004: Die 19 Jahre alte Maria Riesch gewinnt zum ersten Mal ein Weltcup-Rennen. Tags darauf steht gleich die nächste Abfahrt an, gleicher Ort, gleiche Strecke - und Maria Riesch, die Siegerin des Vortags, stürzt ziemlich wild. Sie kommt mit dem Schrecken davon, und ein paar schmerzhaften Prellungen, und so steht sie am Sonntag im Super-G schon wieder am Start. Und fährt da zum zweiten Mal in ihrer Weltcup-Karriere auf Platz eins.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          So war das immer wieder in der aufsehenerregenden Laufbahn der alpinen Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch. Verletzungen, Rückschläge, Niederlagen - es kam viel zusammen in dieser Laufbahn, wie das eben so ist im Skirennsport, in einer Branche, die brutal sein kann. Das bekam auch Maria Höfl-Riesch oft zu spüren, bei den zwei Kreuzbandrissen innerhalb eines Jahres etwa, die sie erlitt. Aber auch die steckte sie weg, dank einer Qualität, die sie als Sportlerin über Jahre immer auszeichnete, die ihre Trainer an ihr so schätzten, und von der auch ihre Gegnerinnen mit größtem Respekt sprachen: Maria Höfl-Riesch kam immer wieder zurück.

          Nun wird sie nicht mehr zurückkommen. Am Donnerstag erhielt Maria Höfl-Riesch in München die Kristallkugel für die beste Abfahrerin der vergangenen Weltcup-Saison, aber die Auszeichnung wurde zur Nebensache. Denn bei gleicher Gelegenheit gab die 29 Jahre alte Partenkirchnerin bekannt, dass sie aufhören wird mit dem Skirennsport. „Meine Entscheidung ist so gefallen, dass ich meine Karriere beende“, sagte sie mit brüchiger Stimme. Auch wenn ihr diese Entscheidung „wahnsinnig schwergefallen ist“.

          Nicht unerwartet

          Der Entschluss kam nicht unerwartet. Maria Höfl-Riesch hatte in den vergangenen Jahren immer wieder beschrieben, wie viel Kraft sie die Jahre als Allrounderin im Weltcup gekostet haben, körperlich wie mental. Wie schwer es zuletzt für sie war, jedes Jahr aufs Neue nicht nur im Winter über Monate von einem Rennort zum nächsten zu ziehen, sondern auch den Sommer immer wieder dem Konditions- und Krafttraining zu opfern, den Trainingslagern in Neuseeland oder in Südamerika. So wurde die Olympia-Saison für sie zu einem letzten Anlauf, einem letzten Aufbäumen, mit einer intensiven Vorbereitung beim als „Schinderheini“ bekannten Trainer Heinrich Bergmüller. „Ich habe nochmal alles, was ich hatte, in dieses Jahr reingesteckt“, sagte die beste deutsche Skirennläuferin. „Ich habe alles gegeben, mit allerletzter Konsequenz, um dieses höchste Ziel nochmal zu erreichen“ - das Ziel Olympia-Gold in Sotschi. Und sie erreichte es, in der Super-Kombination, zum dritten Mal nach ihren beiden Olympiasiegen 2010 in Vancouver. „Das war wie eine Befreiung, der größte Traum hat sich nochmal erfüllt“, sagte sie.

          So tendierte ihr Bauchgefühl schon nach den Spielen schwer in Richtung Karriereende. Trotzdem wollte sie sich nach Saisonende alles nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Doch auch der schwere Sturz beim Saisonfinale in Lenzerheide, der sie um alle Chancen im Kampf um den Sieg im Gesamtweltcup brachte, änderte am Bauchgefühl nichts mehr. Einzig ein Gedanke habe die Entscheidung noch ins Wanken gebracht, sagte Maria Höfl-Riesch - der Gedanke an das Team. Sie wusste, wie groß der Wunsch des Deutschen Skiverbands war, dass sie ein Jahr dranhängen, die WM 2015 in Vail noch mitnehmen möge. Nach Sotschi saß sie lange mit Alpindirektor Wolfgang Maier zusammen, es sei ein tiefgründiges Gespräch gewesen, sagte sie. Maier bot an, was er anbieten konnte, ein Jahr mit Betreuung auf Top-Niveau, einen eigenen Trainer. „Das hat mich schon wahnsinnig ins Nachdenken gebracht“, sagte Maria Höfl-Riesch. Ändern aber konnte auch das nichts mehr. Sie sprach dem Team großen Dank aus, allen voran Techniktrainer Christian Schwaiger, für sie sportlich „der wichtigste Mann in den letzten Jahren“.

          Die Frontfrau ist weg

          Der Rücktritt von Maria Höfl-Riesch ist „für den gesamten deutschen Sport ein einschneidendes Erlebnis“, sagte Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Besonders ist er das für den alpinen Skirennsport. Weil sie laut Hörmann „eines der wenigen herausragenden Gesichter für das Image und die Wahrnehmung des Alpinsports und des deutschen Sports“ ist - und weil eine Nachfolgerin auf ihrem Niveau nicht in Sicht ist. Dreimal Olympiasiegerin, zweimal Weltmeisterin, einmal Gesamtweltcupsiegerin, in den vergangenen sieben Jahren landete sie immer unter den ersten Drei im Gesamtweltcup.

          Maria Höfl-Riesch hat mit ihren Top-Resultaten lange jüngeren Fahrerinnen Windschatten gegeben. Jetzt ist die Frontfigur weg, endgültig. „Maria hinterlässt sportlich und menschlich eine große Lücke in der Damenmannschaft“, sagte Maier. „Es kommt schon wieder was nach“, sagte Maria Höfl-Riesch dazu am Donnerstag. „Man muss nur Geduld haben.“ Sehr viel Geduld womöglich.

          Maria Höfl-Riesch

          Geboren: 24. November 1984 in Garmisch-Partenkirchen
          Olympia-Teilnahmen: 2 (2010, 2014)
          WM-Teilnahmen: 5 (2003, 2007, 2009, 2011, 2013)
          Größte Erfolge bei Olympia: Gold in der Super-Kombination 2010 und 2014, Gold im Slalom 2010, Silber im Super-G 2014
          Größte Erfolge bei Weltmeisterschaften: Weltmeisterin Slalom 2009 und Super-Kombination 2013, WM-Dritte Abfahrt 2009 und 2011, WM-Dritte Super-G 2011, WM-Dritte Team 2013
          Größte Erfolge im Weltcup: 27-malige Weltcup-Siegerin, einmalige Gesamtweltcupsiegerin (2011), Disziplin-Weltcup-Siegerin im Slalom (2009, 2010), Abfahrt (2014), Super-G (2008) und Kombination (2008)
          Weltcup-Starts: 356
          Weltcup-Podestplätze: 81
          Weltcupsiege: 27
          Erstes Weltcuprennen: 16.02.2001, Super-G in Garmisch-Partenkirchen
          Letztes Weltcuprennen: 12.03.2014, Abfahrt in Lenzerheide Sportlerin des Jahres 2010

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