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Maria Höfl-Riesch : Angeschlagen, ausgerutscht

  • -Aktualisiert am

Sturz im zweiten Lauf: Maria Höfl-Riesch in Courchevel Bild: dpa

Sorgen am Saisonbeginn: Für Maria Höfl-Riesch kommt beim Slalom in Courchevel im zweiten Lauf abrupt das Ende - dazu plagen sie Knieschmerzen.

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          Bei Maria Höfl-Riesch weiß man vorläufig nicht Bescheid. Zum Beispiel darüber, wie schwer ihre aktuelle Knieverletzung ist. Darüber sollen nun Untersuchungen Aufschluss geben. Bei Marlies Schild ist das anders. Da sind die Meinungen einhellig. Über ihre sportliche Stellung vor allem. Sie sei irgendwie wie Lindsey Vonn, eine Ausnahmeathletin eben. „Außerirdisch“, sagen die einen, als „Überfliegerin“ bezeichnen sie andere. Wie die Amerikanerin in der Abfahrt (und in etwas geringerem Maß auch im Super-G) ist die Österreicherin im Slalom eine Klasse für sich.

          Das drückt sich auch in Zahlen aus. Lindsey Vonn gewann in Lake Louise die erste Abfahrt mit mehr als zwei Sekunden Vorsprung, am Sonntag setzte sich Marlies Schild, die langjährige Freundin von Benjamin Raich, beim Weltcup-Slalom in Courchevel fast ebenso deutlich durch. 1,87 Sekunden trennten sie von der 31 Jahre alten Finnin Tanja Poutiainen, die wie im Vorjahr den zweiten Platz erkämpfte. Und Maria Höfl-Riesch? Sie hatte Pech, nicht nur mit der Blessur - sie schied im zweiten Lauf von Courchevel aus.

          Von den vergangenen zehn Slaloms, die sie auf höchstem Niveau bestritt, hat die Österreicherin Marlies Schild deren acht - darunter auch den WM-Slalom von Garmisch-Partenkirchen - gewonnen. Einmal wurde sie Zweite, einmal schied sie aus. Im Weltcup steht sie bei 29 Weltcupsiegen - nur noch fünf fehlen ihr zum Rekord der Schweizerin Vreni Schneider.

          Zwicken im Knie: Die Probleme häufen sich bei Maria Höfl-Riesch
          Zwicken im Knie: Die Probleme häufen sich bei Maria Höfl-Riesch : Bild: REUTERS

          Bei den Überseerennen war Lindsey Vonn für Maria Höfl-Riesch in unerreichbare Sphären entschwunden. Um mehr als sieben Sekunden war die Erzrivalin, die einst ihre beste Freundin war und mit der sie sich seit einer Aussprache in Lake Louise wieder verträgt, in den vier Rennen in Kanada und den Vereinigten Staaten schneller gewesen.

          Im Weltcup, in dem sich die beiden vor einem Jahr bis zum letzten Rennen einen erbitterten Kampf geliefert hatten, hatte die deutsche Vorjahressiegerin bereits 331 Punkte eingebüßt. So viel, dass der Gesamtweltcup für die Deutsche vorerst nicht einmal am Rande ein Thema ist.

          Zwicken im linken Knie

          So weit wie von Lindsey Vonn in der Abfahrt ist Maria Höfl-Riesch im Slalom von Marlies Schild nicht entfernt. Am Sonntag, im tief verschneiten Courchevel, dem auch von russischen Oligarchen geschätzten Skigebiet in den französischen Alpen, war Maria Höfl-Riesch die einzige, die im ersten Lauf mit der „Dominatorin“ mithielt. Als Zweite war sie zudem auf bestem Weg, etwas von ihrem Rückstand auf Lindsey Vonn wettzumachen. Die Amerikanerin war im ersten Lauf nach guter Fahrt ausgeschieden: Auf der schwierigen, zum Teil vereisten Piste hatte es für sie eine Falle zu viel gegeben.

          Die Zeit, die Maria Höfl-Riesch im ersten Lauf auf die Österreicherin einbüßte, war erklärbar - durch einen Fehler in der „Bananenkurve“ bei der Einfahrt in den Steilhang. Um 49 Hundertstelsekunden lag sie danach zurück. Bis ins Ziel machte sie davon noch elf Hundertstel wett. Doch Freude über den geglückten Lauf wollte nicht aufkommen. „Ein Zwicken im linken Knie“ hatte sie beim Fehler gespürt. Sie ließ sich dadurch zwar nicht beirren, doch im Ziel spürte sie Schmerzen.

          Hinkend verließ Maria Höfl-Riesch den Zielraum. Nach einer ersten Behandlung beim Physiotherapeuten und mit Hilfe eines Schmerzmittels trat sie zum zweiten Lauf an. Es war ein hoffnungsloses Unterfangen: Schon auf den ersten 20 Sekunden verlor sie acht Zehntelsekunden auf Marlies Schild, wenig später schied sie aus. Die Partenkirchenerin, in Sorge um ihre Gesundheit, unterzieht sich jetzt einer Kernspintomographie.

          Tag der besonderen Gefühle

          So war es an einer anderen Deutschen, es mit der „Außerirdischen“ aufzunehmen: Lena Dürr, 20 Jahre alt, die jüngere Schwester von Katharina, die im Weltcup bereits zu den Etablierten zählt. In ihrem vierten Weltcupslalom kämpfte sich die talentierte Tochter des ehemaligen Weltcup-Abfahrers Peter Dürr mit Startnummer 54 über die havarierte Piste des ersten Laufes. Sie ließ sich dabei auch nicht durch den immer stärker werdenden Schneefall beirren und schuf sich mit dem 25. Rang eine gute Ausgangslage.

          Im zweiten Lauf profitierte sie von den wesentlich besseren Bedingungen und legte eine Gesamtzeit vor, die lange standhielt und schließlich nur von sieben Fahrerinnen unterboten wurde - Achte also, ein bemerkenswertes Resultat. Nicht einmal die überlegene Siegerin war im zweiten Lauf schneller als die junge Deutsche, die Kathrin Zettel, die Drittschnellste des zweiten Laufes, um 67 Hundertstelsekunden hinter sich ließ. Ein starkes Zeichen, das die jüngste Deutsche im Weltcup setzte. Im Schwestern-Duell verlor Katharina Dürr im zweiten Lauf 1,68 Sekunden, sie wurde Fünfzehnte an einem Tag der besonderen Gefühle für die Deutschen.

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