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Felix Neureuther : Wieder ist die Kugel weg

  • -Aktualisiert am

„Marcel hat es absolut verdient“: Felix Neureuther erkennt die Leistung von Konkurrent Hirscher an Bild: dpa

Im letzten Slalom der Saison verpasst Felix Neureuther den großen Triumph über seinen ewigen Gegner Marcel Hirscher. Nach einem schweren Fehler bekommt der Deutsche wieder keine Kristallkugel.

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          Die Entscheidung war gerade gefallen, daran gab es kaum mehr einen Zweifel – obwohl noch zwei Slalomläufer am Start standen. In der ersten Reihe applaudierte der Präsident des Österreichischen Skiverbandes, Peter Schröcksnadel, deshalb siegesgewiss. In seinem Rücken machte sich derweil Felix Neureuther auf den Weg zum ewigen Konkurrenten. Marcel Hirscher hatte einen fulminanten zweiten Durchgang im letzten Weltcup-Slalom hingelegt und mit gut acht Zehntelsekunden Vorsprung im Ziel abgeschwungen.

          Noch ehe Stefano Gross aus Italien, der Führende nach dem ersten Lauf, und der knapp dahinter liegende Norweger Hendrik Kristoffersen an der Zeit des Österreichers scheiterten, tat der Deutsche, was die sportliche Fairness gebot: Er gratulierte dem alten und neuen Gewinner der Slalom-Wertung. Aus 55 Punkten Vorsprung vor dem Rennen sind beim Weltcup-Finale in Meribel am Sonntag 23 Punkte Rückstand für Neureuther geworden.

          „Wenn man in dieser Situation das Rennen in derart souveräner Art und Weise gewinnt, und ich die Leistung nicht bringe, muss man das absolut anerkennen. Marcel hat es absolut verdient“, sagte der 30 Jahre alte Garmisch-Partenkirchner. Er versuchte, sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Schon kurz nach der Entscheidung erschien auf „Twitter“ ein Foto, auf dem er zusammen Hirscher scheinbar gut gelaunt posierte.

          Zum zweiten Mal nacheinander hatte Neureuther im Kampf um die Slalomkugel das Nachsehen gegenüber Hirscher. Im vergangenen Jahr war er allerdings nur fünf Punkte voraus, und der zweite Platz hinter Hirscher deshalb nicht gut genug gewesen. Dieses Mal hätte er sogar Vierter werden können, aber er landete nur auf dem zwölften Platz – so weit hinten wie seit November 2013 nicht mehr in einem Torlauf. Neureuther hatte es bereits vor der Fahrt von Hirscher geahnt, dass er wieder unterliegen würde.

          In letzter Sekunde geschlagen: Felix Neureuther

          Im ersten Lauf war ihm im letzten Abschnitt ein schwerer Fehler unterlaufen, weshalb er mit knapp 1,7 Sekunden Rückstand auf Hirscher ins Ziel gekommen war. „Er ist einfach gnadenlos. Wenn einer Fehler macht, den bestraft der Marcel sofort“, sagte Neureuther. Sein Finaldurchgang war dann solide, aber nicht gut genug, um sich noch entscheidend nach vorne zu arbeiten. Neureuther hatte zuvor noch versucht, die Bedeutung des Rennens und des Triumphes herunterzuspielen. „Ein Riesending“, sagte er, „wird aus dieser Kugel gemacht. Dabei gibt es doch sehr viel wichtigere Dinge im Leben.“

          Weder die Nerven noch das Leistungsvermögen waren am Ende in diesem Duell ausschlaggebend, sondern vor allem die bessere körperliche Fitness am Ende eines kräftezehrenden Winters sprach für das Muskelpaket Hirscher. Seit der WM in Vail, gab Neureuther zu, „bin ich ziemlich platt.“ Die fehlenden Trainingstage vor der Saison, als er wegen seines lädierten Rückens fast zwei Monate komplett pausieren musste, machten sich am Ende bemerkbar. Behauptungen, er habe sich jüngst einen Nerv eingeklemmt, wollte er nicht kommentieren. Aber schon vor einer Woche in Kranjska Gora war Neureuther ohne großen Fehler mit Rückstand auf die Besten ins Ziel gekommen.

          „Das hätte auch in die Hosen gehen können“

          Bis dahin hatte er in acht der neun Slalom-Rennen der Saison das Ziel erreicht und war jeweils auf dem Podest gelandet. Aber am Ende habe er das Gefühl gehabt, sagte Alpinchef Wolfgang Maier, „dass Felix nicht mehr ans Limit gehen kann“. Hirscher hingegen wirkte auch im 23. Weltcuprennen noch erstaunlich frisch. Er wusste am Sonntag, dass er alles riskieren musste. „Das hätte auch in die Hosen gehen können“, gibt er zu. So wie bei der WM, als Hirscher als Führender nach dem ersten Durchgang eingefädelt hatte – und Neureuther dadurch Bronze gewann.

          Hirscher hatte in der Vorbereitung auf diese Saison sein Krafttraining noch einmal intensiviert und Muskelmasse aufgebaut. Die Taktik ging auf: Er gewann nicht nur den Slalom-Weltcup, sondern die Wertung im Riesenslalom und als erster Skirennläufer zum vierten Mal nacheinander den Gesamtweltcup. „Felix hat zwar mehr Skigefühl und mehr Talent, aber Marcel dafür eine extrem starke Psyche und Physis“, sagt Maier. „Unterm Strich war er einfach der Bessere.“

          Im Eiltempo zum Sieg: Marcel Hirscher

          Hirscher weiß, dass auch er demnächst an seine Grenzen kommen wird. Es könne keine Dauerlösung sein, jede Saison „mit der Konsequenz und dem Einsatz“ zu bestreiten, sagte der 26 Jahre alte Kombinationsweltmeister. „Ich glaube nicht, dass ich das so lange durchhalte.“

          Für Maier war es trotz der verpassten Kristallkugel „tipptopp“, was Neureuther und seine Kollegen aus der Techniktabteilung in diesem Winter gezeigt hätten. Mit 13 Podestplätzen im Slalom und Riesenslalom haben Neureuther, Fritz Dopfer und Stefan Luitz nur einen weniger erreicht als die Österreicher. Im Gesamtweltcup belegte Neureuther den vierten Platz vor Dopfer – zwei Deutsche so weit vorne im Klassement hat es schon lange nicht mehr gegeben. „Wir waren das Techniker-Team schlechthin“, sagt der Alpinchef. „Da brauchen wir jetzt nicht mit langen Gesichtern rumzurennen.“ Neureuther dürfte das allerdings ein bisschen schwer fallen.

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