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Deutsche Nationalmannschaft : Wie das Olympia-Spektakel das Eishockey veränderte

Sportler des Jahres: Die Eishockey-Mannschaft rahmt Angelique Kerber, Kristina Vogel und Patrick Lange ein. Bild: dpa

55,5 Sekunden fehlten zur Sensation. Doch auch mit Silber kehrten die deutschen Eishockey-Spieler von Olympia nicht als Verlierer, sondern zweiter Sieger zurück. Es war ein Erfolg mit Folgen.

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          Irgendwann müssen auch die härtesten Männer weinen. Es gab kaum einen deutschen Spieler, der keine feuchten Augen hatte. Sie waren so nahe dran. Es fehlten 55,5 Sekunden zur Sensation, und in ihren Gesichtern spiegelte sich die ganze Zwiespältigkeit des Moments, in dem sich Stolz und Enttäuschung vermischten. Ihre Blicke huschten an den tanzenden Champions vorbei, hinauf zu den vollbesetzten Rängen im Gangneung Hockey Center, in dem es einen Moment dauerte, ehe sich die Zuschauer erhoben, um allen, die da unten auf dem Spielfeld Herausragendes geleistet hatten, Beifall zu spenden. Auch Patrick Reimer und Yannic Seidenberg stellten sich rund um den Bully-Kreis auf, damit die Siegerehrung beginnen möge. Als sie registrierten, dass der Applaus nicht nur dem neuen Eishockey-Olympiasieger galt, sondern eben auch ihnen, die bis zuletzt mit Hingabe um die Goldmedaille gekämpft hatten, wurde ihnen bewusst, dass sie nach diesem bemerkenswerten Finale nicht als Verlierer heimkehren würden – sondern als zweiter Gewinner, der erhobenen Hauptes auf seine Leistung blicken durfte.

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          „Im ersten Moment bist du natürlich nach so einem Ausgang nicht glücklich“, erinnert sich Reimer an seinen letzten Einsatz in der deutschen Nationalmannschaft am 25. Februar. Nach der Rückkehr aus Südkorea beendete der Nürnberger Stürmer seine internationale Karriere. In der Overtime des ultimativen Showdowns gegen die olympischen Athleten aus Russland wurde der 36-Jährige auf die Sünderbank verbannt. Reimer hatte mit zu hohem Stock seinen Gegner behindert. Eine Strafzeit mit Folgen: Kaprisow besiegelte im Powerplay mit dem 4:3 den „plötzlichen Tod“ der Deutschen, nachdem der Außenseiter in der letzten Minute des dritten Drittels noch 3:2 in Führung gelegen hatte. Schon während sich Reimer mit den Kollegen in Reih und Glied aufstellte, um den silberglänzenden Lohn abzuholen, verflüchtigte sich ein Teil des Frusts: „Yannic Seidenberg stand neben mir, und wir haben uns darüber unterhalten, dass wir auf dieses Bild unser Leben lang zurückschauen werden“, erzählte er, „da wollten wir kein verkniffenes Gesicht zeigen und haben gelacht.“

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