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Eisbären Berlin : „ Wir wollen jedes Jahr Meister werden“

Die Eisbären Berlin haben hohe Ansprüche Bild: dpa

Die Eisbären kämpfen um den Einzug ins Finale der DEL. Im F.A.Z.-Interview spricht Manager Peter John Lee über Ambitionen, die Kooperation mit den Los Angeles Kings, Ausfallzeiten der Spieler und das Fußball-Vorbild FC Southampton.

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          Die Eisbären kämpfen um den Einzug ins Finale der Deutschen Eishockey Liga (DEL). In der Halbfinalserie gegen Red Bull München steht es 1:2, an diesem Freitag Spiel vier in Berlin. Kaum zu glauben: Vor zwei Monaten, als das Team auf Tabellenplatz zehn sogar um den Einzug in die Play-offs bangte, wurde beschlossen, dass die Los Angeles Kings künftig noch enger mit den Eisbären zusammenarbeiten und auch Verantwortung übernehmen. Da fragte man sich, warum die Eisbären es nicht mehr aus eigener Kraft schafften, an ihre große Zeit mit sieben Meisterschaften von 2005 bis 2013 anzuknüpfen?

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Wir haben siebenmal in neun Jahren den Titel gewonnen. Aber den Titel wollen auch andere – und andere Klubs waren neun Jahre lang nicht zufrieden. Die haben in den letzten drei Jahren eine Menge bewegt. Diese Veränderung ist normal. Und das andere Phänomen gibt es ja auch im Fußball: Alle wollen die Bayern schlagen.

          Und jetzt schlagen die Eisbären wieder zurück?

          Wir hatten die direkte Verbindung zu LA verloren, die wir schon mal hatten. Wir haben daraufhin festgelegt, dass es keinen Sinn mehr macht, nur über drei Ecken in Verbindung zu stehen. Wir machen das jetzt direkt. Und die Kings verstehen das Geschäft. Sie verstehen, wenn du als Team ein Problem hast. Und sie wissen, was man tun muss, um an die Spitze zu kommen. Wir können jetzt gemeinsam direkt auf das Team bei den Planungen schauen, auf seine Stärken und Schwächen. Wir können die Budget-Planungen gemeinsam diskutieren und festlegen. Wir können durch die Verbindung zu den LA Kings auf eine starke Struktur zurückgreifen – und uns damit selbst eine Struktur schaffen, die uns den Erfolg auf dem Eis erleichtern wird. Wir können ihr Scouting und ihre Entwicklungsarbeit nutzen, ihre Ressourcen, die sie in der Analyse und Evaluierung haben. Dafür investieren sie viel Geld. Das Tagesgeschäft gehört uns hier nach wie vor. Auch die Entscheidung über Spieler gehört uns – aber wir haben die Möglichkeit, gemeinsam einen besseren Plan zu machen. Und dies Saison werden wir darüber natürlich nicht vergessen. Wenn es gut läuft, gibt es vielleicht noch eine schöne Überraschung.

          „Ja, wir wollen jedes Jahr Meister werden. Aber schaffen wir das auch?“, resümiert Peter Lee John, Manager der Eisbären Berlin.

          Von den LA Kings lernen, heißt, wieder siegen lernen?

          Die LA Kings beherrschen die Kunst, aus starken Strukturen Siege auf dem Eis werden zu lassen. Den Stanley Cup zu gewinnen, eine der begehrtesten Trophäen der Welt, ist nicht so einfach. Die LA Kings haben so große Ressourcen, das kann sich ein Klub wie die Eisbären nicht leisten – und auch kein anderer DEL-Klub. Das Ergebnis, das zählt, ist die Meisterschaft.

          Ist es eine Folge der zunehmenden Professionalisierung in der DEL mit Klubs wie Red Bull München, die die Eisbären zu diesem Schritt gezwungen hat?

          Jeder muss die Vorteile nutzen, die er hat. Mr. Anschutz’ (Mitbesitzer der Kings, d. Red.) Idee ist es nicht, sich nur mit Geld Vorteile zu schaffen. Er will einen Plan sehen. Einen Plan, in den es sich zu investieren lohnt. Und ich glaube, das ist der große Vorteil, dass wir mit LA zusammen planen und etwas aufbauen können. Das Tagesgeschäft gehört weiterhin uns. Die Entscheidung über Spieler auch. Die Verbindung schafft aber auch die Möglichkeit, für junge Spieler, die ihre Chance noch nicht bekommen in Nordamerika, über uns dann doch noch den Weg in die beste Liga der Welt zu finden. Oder dass wir ihre zweite Chance dorthin sind. Wir wollen in Berlin keine Leute, die hier in Rente gehen. Die Eisbären sollen für Spieler eine Möglichkeit sein, die in ihrer Karriere etwas bewegen wollen. Nach dem Motto: Wenn es schlecht läuft, dann gewinnst du mit uns. Und wenn es gut läuft, kriegst du eine zweite Chance in der NHL.

          Welche Besonderheiten soll diese Kooperation haben?

          Das ist absolut neues Terrain. Ich arbeite schon lange mit Luc (Robitaille, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Eisbären, Geschäftsführer der LA Kings und Eishockey-Legende, d. Red.). Er war die ganze Zeit bei den Kings und ich bei den Eisbären. Wir haben uns zwei-, dreimal im Jahr getroffen zum Austausch. Aber das ist jetzt ganz anders. Generell gibt es ja viele Kooperationen zwischen Vereinen. Wir haben auch eine mit Sparta Prag, das betrifft den Nachwuchs. Es ist eine freundschaftliche Verbindung, aber ohne gegenseitige Verantwortung. Ich bin nicht verantwortlich für den Erfolg von Sparta, und Sparta ist nicht verantwortlich für unseren Erfolg. Aber die Kings und die Eisbären gehören dem gleichen Eigentümer – und beide haben die gleichen Ziele. Die Kings haben dafür ihre Struktur, zum Beispiel mit einem Farmteam in Ontario, wo junge Spieler ausgebildet werden. Zwei Fragen leiten uns: Was kann LA helfen, den Stanley Cup zu gewinnen? Und welche Spieler können Berlin helfen, deutscher Meister zu werden?

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