https://www.faz.net/-gtl-9l54m

Eiskunstlauf : Mal wieder Gold für Carmen

  • -Aktualisiert am

Weltmeisterin: Die Russin Alina Sagitowa läuft am geschmeidigsten. Bild: dpa

Olympiasiegerin Sagitowa siegt bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft auf eine einst schon von Katarina Witt gewählte Musik. Deren Landsfrau Nicole Schott bleibt hinter den Erwartungen zurück.

          Sie hat ein schweres Jahr nach dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang hinter sich: Fünfte bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft 2018, Zweite beim Grand-Prix-Finale des vorigen Jahres, Fünfte bei der russischen Meisterschaft und Vierte bei der Europameisterschaft Mitte Januar. Die Aura der Kam-sah-und-siegte-Siegerin büßte die 16 Jahre alte Alina Sagitowa nach ihrem Triumph in Südkorea rasch ein. Am Freitagabend (Ortszeit) aber hat die Russin, abermals in Ostasien, einen neuen Triumph in der Super Arena von Saitama vor knapp 19.000 Zuschauern vollbracht.

          Schon Erste nach dem Kurzprogramm, eroberte sie mit der besten Kür im Finale der Damenkonkurrenz ihren ersten Weltmeistertitel – nach 13 Monaten, in denen sie vom Gipfel vertrieben schien. Eine schöne Comeback-Geschichte für eine Läuferin der Extraklasse, die in der Zeit ihrer Frustration und Verwunderung über sich selbst vom Mädchen zur Frau wurde und, um sieben Zentimeter gewachsen, mit dem neuen Körpergefühl und den veränderten Proportionen erst einmal umzugehen lernen musste.

          Was sie dieses Jahres zu bieten hatte, war deutlich besser als die ebenfalls sehr guten Küren der zweitplazierten Kasachin Elisabet Tursinbajewa, die als erste Frau bei einer WM einen Vierfachsalchow aufs Eis zauberte, und der First Lady des Eiskunstlaufs, der auch erst 19 Jahre alten Russin Jewgenija Medewedewa, die bis zum kometenhaften olympischen Aufstieg der Alina Sagitowa als unschlagbar galt. Nur Sechzehnte wurde die deutsche Meisterin Nicole Schott mit einer Kür ohne große Momente.

          Unter den Erwartungen: Nicole Schott fällt in der Kür zurück.

          Mit der verführerischen Kraft der wieder einmal in einer spektakulären Kür reanimierten Carmen aus George Bizets Oper zog die Gewinnerin ihre unantastbaren Kreise. Den jugendlichen Vierfachspringerinnen, die in der russischen Heimat nachwachsen und demnächst die Europa- und Weltmeisterschaften der „erwachsenen“ Läuferinnen stürmen wollen, hat die frühreife Weltmeisterin ein fast fehlerfreies, ansehnlich austariertes Programm aus tänzerischer Grazie und sportlichen Highlights entgegengesetzt, das ohne vierfach rotierte Artistennummern auskam.

          Auch, weil sie in den vergangenen Wochen wieder zur früheren mentalen Stärke im Wettkampf zurückfand. Nachdem sie 2018 vor ihrem olympischen Auftritt noch gesagt hatte, „ich habe kein Recht, Fehler zu machen“, mutet die Olympiasiegerin und neue Weltmeisterin Sagitowa unter der Obhut ihrer harten Trainerin Eteri Tutberidse selbständiger und selbstbewusster als vor einem Jahr an. „Ich vergesse meine guten und schlechten Tage ziemlich schnell und sage mir, dass ich in jedem Jahr wieder bei null anfange“, erklärte sie ihr Comeback an die Spitze.

          Alina Sagitowa flogen in Japan, wo die Fans enttäuscht waren, dass keine ihrer hochgewetteten Läuferinnen mit einer Medaille ausgezeichnet wurde, trotzdem die Herzen zu. Deshalb bedankte sich die nicht nur körperlich gewachsene Weltmeisterin bei allen, die ihr am Freitag zujubelten, mit den Worten, „ohne eure Unterstützung hätte ich meine Programme und Sprünge nicht so zeigen können wie hier“. Auch deshalb genoss sie den Schlussapplaus mit einem Hauch von Rührung.

          Weitere Themen

          Keine direkten Zahlungen an Athleten

          IOC-Präsident Bach : Keine direkten Zahlungen an Athleten

          Die Vereinigung „Athleten Deutschland“ hatte vom IOC gefordert, den Sportlern einen „fairen Anteil“ aus den Werbeeinnahmen zukommen zu lassen. Präsident Bach erteilt dem Ansinnen eine Absage.

          Topmeldungen

          Abstimmung bei einer Landesmitgliederversammlung der Grünen in Hamburg im April 2019

          An der Grenze der Möglichkeiten : So viele Grüne wie nie

          Die Grünen stehen derzeit weit oben in der Wählergunst – und das schlägt sich auch in der Mitgliederzahl nieder. Immer mehr Menschen wollen Mitglieder der Partei werden. Doch das bringt die Organisation an ihre Grenzen.

          Nach Eurofighter-Absturz : CDU verteidigt Luftkampfübungen

          Die Bundeswehr müsse dort üben, wo sie im Ernstfall auch eingesetzt wird, sagt CDU-Verteidigungsfachmann Henning Otte. Ein AfD-Abgeordneter macht sich derweil über die Bundeswehr lustig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.