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Magdalena Neuner : Lehrzeit im Eilverfahren

  • -Aktualisiert am

Juniorsportlerin 2007: Magdalena Neuner Bild: picture-alliance/ dpa

Magdalena Neuner, als Dreifach-Weltmeisterin im Biathlon der Shootingstar des letzten Winters, ist von der Stiftung Deutsche Sporthilfe als „Juniorsportlerin des Jahres“ 2007 ausgezeichnet worden.

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          Auf diesen Titel hat sie drei Jahre gewartet. Immerhin war sie ja schon zweimal zuvor nominiert. Und ausgerechnet jetzt, da Magdalena Neuner längst bei den „Großen“ für Furore gesorgt hat, wird sie Juniorsportlerin des Jahres 2007. Mit einer Leistung, mit der sie ihrem Alter tatsächlich um Jahre voraus ist.

          Dabei wären die fünf WM-Titel, die die Biathletin aus dem Örtchen Wallgau im Werdenfelser Land bei den Juniorinnen gesammelt hat, schon eindrucksvoll genug gewesen. Aber wer mit 20 Jahren daherkommt, die Zunft der etablierten Skijägerinnen aufmischt und gleich bei erster Gelegenheit von der Weltmeisterschaft in Antholz drei Titel mit nach Hause bringt, der hat schon etwas ganz Besonderes vorzuweisen. Im Biathlon hat es das jedenfalls noch nicht gegeben.

          Dazu kommen noch fünf Weltcup-Siege und der vierte Platz im Gesamt-Weltcup – in einem Alter, das normalerweise als hochsensible Phase gilt. So manch hochdekoriertem Talent ist bei den „Großen“ klargeworden, dass die Meriten einer erfolgreichen Jugendkarriere nicht viel wert sind. Es dauert meist drei bis vier Jahre, bis man sich an die ungleich höheren Anforderungen gewöhnt hat.

          Entspannung im „Club der Champions”
          Entspannung im „Club der Champions” : Bild: dpa

          Laufstark

          Magdalena Neuner hat eher die Routiniers frustriert. Die ein oder andere junge Himmelsstürmerin hat es auch schon vorher gegeben, aber die bestachen vor allem durch ihre Treffsicherheit. Gerade am Schießstand hat die Zollhauptwachtmeisterin den größten Spielraum nach oben. Ihre Stärke – und das ist ungewöhnlich in diesem Alter – liegt eindeutig im Laufen. Wenn selbst erfahrene Athletinnen wie die ehemalige Skilangläuferin Anna Carin Olofsson Probleme haben, in der Spur mitzuhalten, will das schon etwas heißen.

          Dass da ein ungewöhnliches Talent heranreift, war den Insidern längst klar, aber dass die Hochbegabte die lästige Lehrzeit im Eilverfahren hinter sich bringen würde, hätte selbst Bundestrainer Uwe Müssiggang nicht erwartet. Denn der Biathlon-Zirkus beansprucht mehr als nur die reine Physis. Wer Erfolg hat, muss auch mit den Begleiterscheinungen zurechtkommen. Ohne entsprechende Stressresistenz bleibt niemand auf Dauer oben.

          Nervenstark

          Und hier liegt wohl die größte Stärke des Phänomens Neuner. Es ist eine gewisse Unerschütterlichkeit, eine Gelassenheit, der weder Siege noch Niederlagen etwas anzuhaben scheinen. Vielleicht liegt die innere Balance in ihrer Bodenständigkeit begründet. Die – und ihr Elternhaus – scheinen die hübsche Frau, die gerne strickt und Harfe spielt, vor den Risiken und Nebenwirkungen des Erfolgs zu bewahren – vorerst.

          Auch in der Vermarktung scheint Magdalena Neuner neue Maßstäbe zu setzen. Nicht nur, was die finanzielle Dimension angeht. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, nur für Produkte zu werben, mit denen sie persönlich etwas anfangen kann. Also wirbt sie unter anderem für hochwertige Strickgarne und bringt demnächst eine eigene Schuhkollektion auf den Markt. Aber sie achtet vor allem darauf, dass der Sport nicht unter den Nebenbeschäftigungen leidet. Denn sie weiß nur zu gut: Eine gute Saison macht noch längst keine Karriere.

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