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Eishockeyspieler Dylan Wruck : Der Mann mit der tiefen Urgelassenheit

  • -Aktualisiert am

Dylan Wruck zeigt derzeit für die Löwen Frankfurt, wofür er geholt wurde. Bild: Picture-Alliance

Die Löwen Frankfurt beenden ihre kleine Negativserie mit zwei Siegen. Dylan Wruck und die Offensivabteilung haben einen maßgeblichen Anteil am Aufschwung.

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          Auf dem Eis gibt es solche und solche Typen. Der engagierte Typ kann übereifrig sein und manchmal ungestüm. Das bringt bisweilen Erfolg mit sich, ohne Frage, denn Einsatz und Wille können in engen Spielen den Unterschied ausmachen. Ästhetisch sieht es aber nur dann aus, wenn der Spieler mit seinem gesamten Körper im Einklang über die Eisfläche gleitet. Lässig und unangestrengt, stets im „Flow“. Ein solcher Spieler ist Dylan Wruck. Cool, präzise im Abschluss und aus einer tiefen Urgelassenheit heraus wirkend.

          Im Interview bestätigt sich der Eindruck aus dem Eishockey-Heimspiel der Löwen Frankfurt gegen den EHC Freiburg (3:2-Sieg nach Overtime): klare Aussagen, ruhige Aussprache – fast zurückhaltend. Er sei „glücklich über unser Spiel als Team“. Zudem habe die Mannschaft viel Offensive generiert. Dabei hat der Spieler, der erst seit dieser Saison bei den Löwen in der DEL2 spielt, auch eine andere Seite.

          Als er noch in Kanada für die Edmonton Oil Kings (2008 bis 2013) spielte, geriet er einige Male während einer Partie mit Gegenspielern aneinander. Die Fäuste flogen, er glich einem Vulkan – aus der Stille heraus scheint Wruck eine Wut generieren zu können, die ihm das Plus an Aggression verleiht, das zum Vorteil über den Gegner führt.

          Befreiung aus dem Negativtrend

          Ein Vorteil, der ihm in dieser Saison den Goldhelm verschafft hat. Der steht in der DEL2 für den Topscorer einer Mannschaft – den Spieler also, der am meisten Tore und Vorlagen hat. Auf dem Eis sind diese Spieler so leichter zu erkennen – im unübersichtlichen Eishockey für die Augen ein willkommener Anker. Nach den zwei vergangenen Spielen steht Wruck bei 18 Scorerpunkten, Platz sieben in der Ligastatistik. Gegen Freiburg gelang ihm der wichtige Ausgleichstreffer zum 1:1, in Heilbronn (5:3-Sieg) erzielte er am Sonntag im letzten Spieldrittel das entscheidende 4:3.

          Die Löwen haben sich mit den zwei Siegen am Wochenende aus einem Negativtrend befreien können. Drei der vergangenen vier Spiele hatte die Mannschaft von Coach Bohuslav Subr vor der Partie gegen Freiburg verloren, es sah fast schon nach Krise aus. Die leichte Schwächephase hat auf die Stimmung im Team kaum Auswirkungen gehabt, es habe laut Wruck „unter den Niederlagen nicht gelitten“. Ein paar Spiele zu verlieren könne „mal passieren“, aber das Team habe bislang eine „super Saison gespielt. Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt er.

          Entwicklung in Iserlohn

          Der persönliche Weg von Dylan Wruck war kein leichter. Im Herbst 2013 unterschrieb er den ersten Profivertrag seiner Karriere in der East Coast Hockey League (ECHL) bei Ontario Reign. Doch gleich zu Beginn der Saison verletzte er sich schwer. „Ich hatte ein paar Schulteroperationen und brauchte sechs bis neun Monate, um mich davon zu erholen. Dadurch habe ich ein paar Saisons verpasst, aber das passiert nun mal im Eishockey“, erzählt er von seiner Leidenszeit.

          Der Wechsel vom nordamerikanischen zum europäischen Eishockey erfolgte 2014/2015, als ihn die Iserlohn Roosters in die DEL lockten. Dort wurde er auf Anhieb zum DEL-Rookie des Jahres (2015) gewählt. Als Spieler, so Wruck, habe er sich bei Iserlohn am meisten entwickelt. „Von meinen bisherigen Stationen waren die Roosters die eine Mannschaft, die mir am meisten Spielzeit gegeben hat“, sagt der 1992 in der kanadischen Stadt Saskatoon geborene Spieler.

          In Iserlohn erzielte er in 51 Spielen 37 Tore. Es folgten Stationen bei den Kölner Haien, Straubing Tigers und Heilbronner Falken. Seine internationale Klasse bringt er ein. Wenn er fit ist, ist der Kanadier für die Löwen unverzichtbar. Wruck hat sich an das taktisch geprägte deutsche Eishockey schon lange gewöhnt. „In Kanada auf dem kleineren Eis fühlt sich das Spiel im Vergleich eher wie eine Schlacht an“, sagt er.

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