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Slopestyle : Achterbahnfahrt zu Gold

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Kopfüber zum Favoritensieg: Lisa Zimmermann gewinnt Gold Bild: dpa

Ski-Freestylerin Lisa Zimmermann lernt aus ihrer verpatzten Olympia-Vorstellung. Bei der WM gewinnt die deutsche Favoritin souverän Gold im Slopestyle. „Beim Runterfahren habe ich einfach gechillt.“

          2 Min.

          Schon vor dem letzten der drei Durchgänge durfte die neue Slopestyle-Weltmeisterin Gratulationen entgegennehmen. Österreichs Freestyle-Skifahrer Luca Tribondeau war der Erste, der Lisa Zimmermann zum größten Triumph ihrer Karriere beglückwünschte. Die Trainer der Alpenrepublik zückten sogar ihre Kameras und setzten die 18-jährige Deutsche in Szene, noch während der Wettbewerb am Mittwoch in St. Georgen ob Murau lief.

          „Ich wohne ja in Innsbruck, trainiere mit dem österreichischen Team. 99 Prozent meiner Freunde kommen von dort. Daher war das so etwas wie meine Heim-WM“, sagte Zimmermann am Fuße des Kreischbergs. „Hier zu gewinnen - etwas Schöneres kann ich mir gar nicht vorstellen.“

          Lisa Zimmermann: „Das fühlt sich super an!“ Bilderstrecke
          Lisa Zimmermann: „Das fühlt sich super an!“ :

          Dabei glich ihr Auftritt bei den Titelkämpfen einer Achterbahnfahrt. Im ersten Lauf stürzte die Qualifikationssiegerin beim letzten Sprung. Ein Ski, der sich in der Luft löste, machte eine sichere Landung unmöglich. Doch Zimmermann ließ sich nicht verunsichern. „Im zweiten Durchgang hab’ ich dann einfach nur gehofft, dass der Ski zubleibt.“ Er blieb es. „Der Lauf war aber nicht perfekt. Ich kann meine Tricks noch besser machen. Dass es trotzdem für Gold gereicht hat, macht mich super glücklich“, sagte Zimmermann.

          Silber in Österreich ging an Katie Summerhayes aus Großbritannien, die Slowakin Zuzana Stromkova wurde Dritte. Den WM-Titel bei den Herren holte sich Fabian Bösch aus der Schweiz vor Russell Henshaw aus Australien. Bronze ging an den Amerikaner Noah Wallace.

          Die Slopestyle-Weltmeisterin hat einfach nur gechillt

          Zimmermann hatte bereits im Vorfeld eine Medaille angepeilt. Schon bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi galt sie als Gold-Anwärterin. Doch durch eine verpatzte Qualifikation vergab die Siegerin der Weltcup-Wertung des vergangenen Jahres alle Chancen. „Daraus habe ich gelernt“, sagte Zimmermann vor ihrem Auftritt am Kreischberg. Sie hielt Wort: „Beim Runterfahren habe ich mich nur entspannt und einfach gechillt“, verriet sie nach ihrem Sieg.

          Auch im Weltcup hatte sie immer wieder ihre Klasse angedeutet. Bei fünf Starts in ihrer noch jungen Karriere schaffte sie es bereits dreimal aufs Podest, zweimal gewann sie. Zimmermanns bis zum WM-Titel letzter Sieg datierte vom 22. März 2014 im Schweizer Silvaplana.

          Zuvor hatten Miyabi Onitsuka aus Japan und der Amerikaner Ryan Stassel die Goldmedaillen im Slopestyle der Snowboarder gewonnen. Die 16 Jahre alte Onitsuka setzte sich  überraschend im Finale der besten sechs Fahrerinnen durch. Rang zwei ging an Lokalmatadorin Anna Gasser aus Österreich. Die Slowakin Klaudia Medlova holte Bronze. Die einzige deutsche Starterin Silvia Mittermüller war bereits am Montag in der Qualifikation gescheitert.

          Bei den Herren siegte Stassel mit einer Gesamtpunktezahl von 97,50 und verwies Titelverteidiger Roope Tonteri aus Finnland auf Platz zwei. Dritter wurde Stassels Landsmann Kyle Mack.

          Was ist Slopestyle?

          Slopestyle ist eine Wettkampfform für Snowboarder und Freestyle-Skifahrer. Dabei wird ein Hindernisparcours mit unterschiedlichen Hindernissen wie Schnazen und Rails in einem zusammenhängenden Lauf durchfahren.

          Die Ausführung der einzelnen Sprünge und Tricks wird von Kampfrichtern bewertet. Sie vergeben 1 bis 100 Punkte für den Lauf des jeweiligen Athleten, wobei der höchste und niedrigste Wert aus der Wertung fällt. Der beste von zwei Läufen wird gewertet.

          Slopestyle-Tricks können grob in vier Kategorien eingeteilt werden:
          - Spins (Drehungen um die vertikale Körperachse)
          - Grabs (Griff an das Board)
          - Grinds (Trick auf dem Rail)
          - Flips (Drehungen um die horizontale Achse wie z. B. Salti).

          Ziel beim Slopestyle ist es, möglichst viele Elemente in seinen Lauf einzubauen oder unterschiedliche Elemente zu kombinieren, schwierige Tricks sowie hohe und weite Sprünge zu zeigen und dabei gleichzeitig spielerisch und stylisch zu wirken.

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