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Lindsey Vonn : Ein perfektes Comeback

  • -Aktualisiert am

Das Strahlen ist zurück: Lindsey Vonn gewinnt die Abfahrt von „Lake Lindsey“ Bild: dpa

Nur zwei Rennen braucht Lindsey Vonn, um nach langer Pause wieder ganz oben zu stehen. Nach dem Sieg in Lake Louise spricht die Amerikanerin vom „glücklichsten Tag meines Lebens“.

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          Lindsey Vonn ist es ja gewohnt, dass sich alles um sie dreht. Wo immer sie auftaucht, steht die Ski-Ikone aus Minnesota im Mittelpunkt. Zu Beginn der Woche, weil sie nach langer Pause zurückgekehrt ist in den Ski-Weltcup. Und nun, weil die Amerikanerin schon im zweiten Anlauf wieder gewonnen hat. Der erste Platz in der Abfahrt von Lake Louise am Samstag war ihr 60. Weltcup-Sieg – ein ganz besonderer für die 30 Jahre alte Olympiasiegerin von Vancouver 2010. „Ich denke schon, dass es der glücklichste Tag meines Lebens ist“, sagte sie.

          Aber nicht wegen des Jubiläums und weil sie jetzt nur noch zwei Erfolge von der Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll aus Österreich entfernt ist, sondern weil die Rückkehr auf das Podest bereits im zweiten Rennen nach zwei Kreuzbandrissen gelang. „Unglaublich, sehr emotional“, beschrieb sie ihre Gefühle und verdrückte ein paar Tränen. Zuvor hatte sie sich im Zielraum bereits in den Schnee des kanadischen Skiresorts fallen lassen und die geballten Fäuste in den Himmel gestreckt. Für Lindsey Vonn war es „ein perfektes Comeback.“ Am Sonntag legte sie noch mal nach, wurde Zweite im Super G, 0,37 Sekunden hinter der Siegerin Lara Gut aus der Schweiz.

          Immer unter Beobachtung: Lindsey Vonn im Zielraum des Skirennens
          Immer unter Beobachtung: Lindsey Vonn im Zielraum des Skirennens : Bild: AFP

          Sie weiß noch immer, Siege zu zelebrieren. Das hat sie nicht verlernt, obwohl ihr letzter Weltcup-Triumph, Nummer 59, fast zwei Jahre zurückliegt. Ende Januar 2013 gewann Vonn den Riesenslalom von Maribor. Zwei Wochen später stürzte sie bei den Weltmeisterschaften in Schladming im Super-G schwer, und das ärztliche Bulletin war niederschmetternd: Kreuzbandriss, Innenbandriss, Bruch des Schienbeinkopfes.

          Sie arbeitete anschließend hart, ja verbissen an ihrem Comeback, denn sie wollte bei den Olympischen Spielen in Sotschi unbedingt dabei sein – sie wollte dort gewinnen. Dann aber landete sie vor einem Jahr im Training abermals unsanft im Schnee, und wieder riss das Kreuzband. Aber Vonn, die Kämpferin, gab nicht auf. Nach vier Rennen musste sie allerdings einsehen, dass es keinen Sinn hatte.

          Am Ziel: Bestzeit!
          Am Ziel: Bestzeit! : Bild: AFP

          Beinahe zwei Jahre Pause sind für eine Athletin eine kleine Ewigkeit. Das Skigefühl geht zwar nicht verloren, aber der Mut, das Limit auszureizen. „Sie wird wieder ganz nach vorne kommen“, hatte ihr neuer Abfahrtstrainer Stefan Abplanalp gesagt. „Aber sie muss sich an hohe Tempo erst gewöhnen.“ Bis zur ihrer Verletzung, der ersten richtig schweren ihrer Karriere, ging Lindsey Vonn stets volles Risiko, und genau das unterschied sie auf Abfahrtsstrecken von ihrer großen Konkurrentin Maria Höfl-Riesch. Die nach der Olympiasaison zurückgetretene Deutsche hatte bereits zwei Kreuzbandrisse hinter sich und musste sich die Bereitschaft, an Grenzen oder darüber hinaus zu gehen, erst wieder erarbeiten.

          Auch bei Vonn hat die Verletzung nun Spuren hinterlassen. Sie nahm sich vor, „mit mehr Respekt“ an die Aufgabe heranzugehen. Aber schon der achte Platz am Freitag bei ihrem Comeback-Rennen war beachtlich. „Sicher kann ich die Linie noch ein bisschen mehr pushen und ein bisschen aggressiver sein“, sagte sie. 24 Stunden später ließ Vonn ihren Worten Taten folgen – und das verblüffte auch die Konkurrenz. „Dass es nach so langer Zeit wieder funktioniert und passt, da muss man allergrößten Respekt zollen“, sagte Viktoria Rebensburg, die am Samstag Fünfte und am Sonntag Vierte wurde.

          Am Boden: Diesmal liegt sie vor Glück im Schnee
          Am Boden: Diesmal liegt sie vor Glück im Schnee : Bild: dpa

          Während Vonn ein perfekter Lauf gelang, unterlief der Vortagessiegerin Tina Maze ein schwerer Fehler. Auch Anna Fenniner und Tina Weirather, die neben der Slowenin am Freitag auf dem Podest gestanden hatten, erwischten dieses Mal nicht die optimale Linie. „Ich hatte schon das Vertrauen gehabt, dass ich gut fahren kann, aber es bis jetzt nicht hundertprozentig gewusst“, sagt die Amerikanerin. „Jetzt weiß ich, dass ich wieder gewinnen kann.“ Wolfgang Maier, der Alpindirektor des Deutschen Skiverbandes, rechnet damit, dass Vonn die Abfahrten bald wieder ähnlich dominieren könnte wie vor ihrer Verletzung. „Wenn sie in Vollform ist, kommt da keiner ran“, sagte er.

          Lake Louise, der Weltcup-Ort in den kanadischen Rocky Mountains, der schon einmal spaßeshalber in „Lake Lindsey“ umbenannt worden war, ist Vonns Terrain. 14 Siege waren ihr bis Samstag auf dem „Men‘s Olympic Downhill Run“ bereits gelungen, da war es fast logisch, dass sie dort in den Weltcup zurückkehrte. Allerdings hatten die Trainer sie bremsen müssen, denn wenn es nach Vonn gegangen wäre, hätte sie wohl gerne schon eine Woche zuvor in Aspen im Starthäuschen gestanden. Lake Louise war schon für andere Skirennläuferin ein guter Neustart. Auch Maria Höfl-Riesch fuhr dort, nur ein paar Rennen nach ihrem Comeback nach den beiden Kreuzbandrissen, ihren ersten Sieg ein. Aber die dreimalige Olympiasiegerin hatte damals nicht nur von Fehlern der Konkurrenz wie Vonn profitiert, sondern auch von besseren Bedingungen. Bis zu ihrem nächsten Sieg dauerte es mehr als ein Jahr. Bei Lindsey Vonn geht es vermutlich deutlich schneller.

          All American Ski-Girl: Lindsey Vonn
          All American Ski-Girl: Lindsey Vonn : Bild: AFP

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