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Lindsey Vonn : Auf Augenhöhe mit Katja Seizinger

  • -Aktualisiert am

Das große Ziel vor Augen: Lindsey Vonn rast unbeirrt durch den Olympia-Winter Richtung Vancouver Bild: REUTERS

Als erste Skifahrerin seit 1997 schaffte die Amerikanerin Lindsey Vonn in Haus ein besonderes alpines Kunststück: drei Siege in drei Tagen. Bei Olympia scheint viel möglich. Hinter dem Erfolg steckt nicht nur viel Talent, sondern System.

          Als Maria Riesch die große Konkurrentin lobte, klang sie fast ein bisschen resignierend. Vermutlich stimmte die beste deutsche Skirennläuferin vor allem die Erkenntnis traurig, dass Lindsey Vonn für sie derzeit in den schnellen Disziplinen unerreichbar ist. „Sie ist in einer eigenen Liga gefahren“, gab Maria Riesch am Ende des alpinen Weltcup-Wochenendes in Haus zu.

          Die Gesamt-Weltcupsiegerin aus den Vereinigten Staaten hat geschafft, was vor ihr zuletzt Katja Seizinger im Dezember 1997 in Lake Louise gelungen war: drei Siege an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Nach ihrem Erfolg am Freitag gewann sie am Samstag auch die zweite Abfahrt auf der Krummholzpiste und dominierte am Sonntag den Superriesenslalom vor der Schwedin Anja Pärson. Maria Riesch konnte auf ihrer Lieblingspiste nur am ersten Tag halbwegs mithalten, da wurde sie Dritte.

          Bei der zweiten Abfahrt, die wegen schlechter Sichtbedingungen stark verkürzt worden war, landete sie auf Rang sieben, und am Sonntag unterlief ihr nach hervorragender Zwischenzeit ein schwerer Fehler im Zielhang. Sie war fast zum Stehen gekommen und hatte deshalb im Ziel 2,64 Sekunden Rückstand auf Lindsay Vonn, die nun im Gesamtweltcup mit 192 Punkten Vorsprung vor ihrer deutschen Konkurrentin in Führung liegt.

          Dritter Lauf, dritter Sieg: Lindesy Vonn hat einen Lauf

          „Er gibt mir so viel, ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin“

          „Das war ein unglaubliches Wochenende für mich“, sagte selbst die Amerikanerin „ich bin perfekt gefahren, das gibt mir Selbstvertrauen. Und wenn ich Selbstvertrauen habe, ist bei Olympia alles möglich.“ Ihre Erfolgsquote ist ohnehin beachtlich: In ihren bisher 60 Weltcup-Abfahrten landete sie 28 Mal auf dem Podest, nur dreimal klassierte sie sich in den vergangenen 21 Rennen nicht unter den ersten drei. Und insgesamt hat es Lindsey Vonn bisher auf 28 Siege im Weltcup gebracht.

          Hinter dem Erfolg steckt aber nicht nur viel Talent, sondern auch System. Als Kind hatte ihr Vater die Karriereplanung übernommen, aber irgendwann überwarf sie sich mit ihm. Sie nahm die Angelegenheit zunächst selbst in die Hand. Mittlerweile ist ihr Ehemann Thomas Vonn, früher selbst im Weltcup unterwegs, die treibende Kraft. Er begleitet sie im Winter, ist ihr Trainer und Berater. „Er gibt mir so viel, ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin“, sagt die 25 Jahre alte Doppelweltmeisterin von Val d’Isère.

          Sie ist zwar Mitglied des amerikanischen Teams, genießt aber Sonderrechte. So darf sie sich nicht nur von ihrem Ehemann während der Rennen betreuen lassen, sondern in sportlichen Fragen auch von ihrem Sponsor. Der Partydrinkhersteller aus Salzburg stellt ihr einen eigenen Fitnesstrainer zur Verfügung und organisiert Trainingscamps. Als sich Lindsey Vonn nach ihrem ersten Gesamt-Weltcupsieg 2008 im Slalom verbessern wollte, trainierte sie so mit dem früheren amerikanischen Weltklassefahrer Erik Schlopy – und gewann im vergangenen Winter prompt zwei Slaloms.

          „Als Allrounderin hat man nicht viel Zeit, Neues auszuprobieren“

          Der ehemalige Slalomfahrer Vonn galt während seiner aktiven Zeit als Tüftler am Material. Er hatte im vergangenen Sommer die Idee, seiner Frau in der Abfahrt Männerski anzuschnallen. Sie kam gut zurecht und erhielt von ihrer neuen Skifirma nicht nur den ehemaligen Servicemann von Bode Miller, sondern auch dessen Bretter. Dass die Amerikanerin in Abfahrt, Superriesenslalom und Slalom mit Männerski unterwegs ist, hatte zu Beginn des Winters für Diskussionen gesorgt – und in einigen Teams für Verunsicherung.

          Allerdings wären nicht viele Läuferinnen im Weltcup in der Lage, diese Ski zu fahren. Die Bretter der Männer laufen zwar bei hohem Tempo oder ruppiger Piste ruhiger, sie sind aber schwerer und steifer, und deshalb ist mehr Kraftaufwand erforderlich, sie zu steuern. Die in Größe und Statur ähnlich wie Lindsay Vonn gebaute Maria Riesch könnte sich vermutlich daran gewöhnen, dennoch hat die Slalom-Weltmeisterin auf einen Wechsel bisher verzichtet. „Als Allrounderin hat man nicht viel Zeit, während der Saison etwas Neues auszuprobieren“, behauptet sie.

          „Da ist es besser, locker zu bleiben und positiv zu denken“

          Doch auch der deutsche Skistar will in der Woche vor der Abreise zu den Olympischen Spielen ein paar Fahrten mit Männerski absolvieren. Sie sieht den Grund für die Überlegenheit ihrer Freundin allerdings nicht nur im Material. „Lindsey ist im Moment einfach unschlagbar, egal, auf welchem Ski, egal, bei welchen Verhältnissen.“

          Am Samstag war der Schneefall am dichtesten, als die in der Weltrangliste am besten plazierten Abfahrerinnen an die Reihe kamen. Aber Lindsey Vonn ließ sich von ein paar Schneeflocken nicht bremsen. „Vor allem bei widrigen Bedingungen macht es sich bemerkbar, dass sie einfach das beste Selbstvertrauen hat, die besten Fähigkeiten besitzt und den besten Schwung fährt“, sagte Maria Riesch.

          Während andere Athletinnen am Samstag mit dem Wetter und der damit verbundenen Verschiebung von eineinhalb Stunden haderten, setzte sich Lindsey Vonn oben am Start in eine Ecke und verfolgte zunächst den später abgebrochenen Riesenslalom der Herren von Adelboden. „Da ist es besser, locker zu bleiben und positiv zu denken“, meinte sie. Später widmete sie sich dann einem Spiel namens Gehirnjogging auf dem Nintendo. Auf der Piste bleibt allerdings der Eindruck, dass sie derzeit nicht mehr über das nachdenken muss, was zu tun ist.

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