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Claus Dieterle

Biathlon-Kommentar : Dahlmeier ist ganz nahe am Ideal

  • -Aktualisiert am

Glamour liegt ihr fern: Laura Dahlmeier bestimmt sportlich die Biathlon-WM Bild: EPA

Nach dem Rücktritt von Magdalena Neuner 2012 stehen die deutschen Biathletinnen wieder glänzend da. Laura Dahlmeier hat das Rüstzeug, für ein paar Jahre sportlich die Hauptrolle zu spielen – aber will sie das überhaupt?

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          Es war 2012 bei der Biathlon-WM in Ruhpolding, da brach im Deutschen Skiverband die Panik aus. Der frühzeitige Rücktritt von Rekord-Weltmeisterin Magdalena Neuner zum Saisonende traf den Verband ins Mark: keine Nachfolgerin in Sicht, außer vielleicht Miriam Gössner. Doch die konnte die Erwartungen nie erfüllen. Fünf Jahre später steht der DSV wieder glänzend da: der nächste Glücksfall.

          Laura Dahlmeier, die ihren Durchbruch schon vor einem Jahr in Oslo mit fünf Medaillen hatte, dominiert bei der WM in Hochfilzen wie einst Frau Neuner, und viele stellen schon Vergleiche an. Die beide stets ablehnen, weil sie ganz eigenständige Persönlichkeiten sind und auch sein wollen. Aber was alle drei Genannten verbindet, ist eines: Sie kommen – wie Martina Glagow, später verheiratete Beck, auch – aus der kleinen, aber feinen Kaderschmiede von Trainer Bernhard Kröll im Werdenfelser Land. Laura Dahlmeier ist früh in die richtigen Hände gekommen.

          Was Laura Dahlmeier schon mit 23 Jahren auszeichnet, ist vor allem ihre innere Balance, ihre Unerschütterlichkeit, ihre Ruhe, die sie auch vor 20000 lärmenden Zuschauern nie die Nerven oder gar die Kontrolle verlieren lässt, samt einer hohen Flexibilität, sich in Sekundenschnelle auf neue Situationen einzustellen, ohne zu resignieren oder die Konzentration zu verlieren. Das beschert ihr vor allem am Schießstand einen unschätzbaren Vorteil. Ein Stück weit mag das Veranlagung sein, aber es ist auch eine Folge ihrer Leidenschaft: des Kletterns.

          Weil es in der Wand, wie beim Schießen, auf höchste Präzision und Konzentration, aber auch auf das richtige Einschätzen von Situationen ankommt. Mit einem gewaltigen Unterschied: Fehler am Schießstand können nicht das Leben kosten. Und noch eines kommt ihr zugute, auch dank ihres sportlichen Elternhauses. Klettern erfordert ein hohes Maß an Koordination, Athletik und Körperbeherrschung. Mitunter auch an Leidensfähigkeit. Auch das kann sie in der Loipe als Zusatzpunkte für sich verbuchen. Alles zusammen ergibt ein ausgewogenes, ausbalanciertes Paket, das dem Ideal der perfekten Biathletin ziemlich nahekommt. So wie damals die Schwedin Magdalena Forsberg.

          Bild: AFP

          Laura Dahlmeier hat zweifellos das Rüstzeug, für ein paar Jahre sportlich die Hauptrolle im Biathlonzirkus zu spielen, sofern sie das überhaupt will. Und sofern man ihr ihre Freiheiten und ihre Freiräume lässt. Sie weiß genau, was sie will und was sie braucht. Die Heimat, die Berge als Refugium, als Energiequelle. Und sie hat auch den Mut, das durchzusetzen. Zum Star im klassischen Sinne taugt sie nicht, weil ihr der Glamourfaktor fehlt. Und weil ihr die Glitzerwelt samt Imageberater ohnehin abgeht. Sie ist mit Sicherheit nicht so gut zu vermarkten und nicht so massenkompatibel wie Magdalena Neuner. Laura Dahlmeier dürfte das nicht weiter stören. Wenn man sie vor die Wahl stellen würde, Biathlon oder Bergsteigen, müsste sie nicht lange zögern. Das weiß man beim Verband nur zu genau.

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