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Lara Gut : Die widerspenstige Prinzessin

  • -Aktualisiert am

Lara Gut 2009: Ein solches Allround-Talent hatte man noch nicht gesehen Bild: AFP

Lara Gut hat sich nach einer schweren Verletzung zurück in die Weltspitze gekämpft. Sie zählt zu den Favoriten im Super-G (11 Uhr) und beansprucht eine Sonderrolle im Schweizer Team - die muss sie nun mit Medaillen untermauern.

          Die Schöne ist das Biest? Mancher im Schweizer Verband würde das so unterschreiben. Aber laut sagen würde es keiner, denn das blonde Mädchen, das so wundervoll und schnell Ski fahren kann, soll Medaillen gewinnen für Swiss Ski, und deshalb hat man es auch wieder ins Team geholt. Aber pflegeleicht, nein, pflegeleicht ist die 20 Jahre alte Lara Gut nun wirklich nicht.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Wunderkind, Sternchen, Zicke, Superstar - es gibt viele Etiketten, die dieser Twen aus dem Tessin in den vergangenen vier Jahren weggelächelt hat. Mit 16 hatte sie überlegen den Europacup gewonnen, mit 17 den ersten Weltcupsieg gefeiert, mit 18 bei der WM in Val d'Isère zweimal Silber geholt. Die Schweiz feierte einen kommenden Superstar; ein solches Allround-Talent hatte man noch nicht gesehen, denn Lara Guts Fähigkeiten erschöpfen sich nicht im Skifahren. Auch über die öffentliche Bühne sauste sie vom ersten Tag an mit eindrucksvoller Leichtigkeit.

          Zurück in der Weltspitze

          Bei der Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen saß sie am Montag, einen Tag vor dem Super-G, in dem sie zu den Favoriten zählt, im Schweizer Haus und gab Auskunft in fünf Sprachen. Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch - alles kein Problem für die Zwanzigjährige, die nebenbei ein Fernstudium vorantreibt und Sätze sagt wie den, dass sie nicht vorhabe, nach ihrer Skikarriere Rennen im Fernsehen zu kommentieren, da gäbe es doch wohl sinnvollere Beschäftigungen. Das klingt ein wenig von oben herab, doch Lara Gut meint das nicht so. Sie findet, dass es einfach die Wahrheit ist.

          Lara Gut will hoch hinaus: „Es ist jetzt alles klar”

          Ein Jahr war sie weg vom Fenster. Im September 2009 hatte es ihr beim Gletschertraining in Zermatt den Ski verschnitten, sie war in eine Eismauer geknallt und hatte sich die Hüfte ausgekugelt. Sie hat Olympia verpasst, aber nun, in der WM-Saison, ist sie zurück. Sie begann in den Speedrennen des Oktobers mit den Plätzen 25, 28 und 26 und zwei Stürzen im Slalom. Aber schon Anfang Januar gewann sie wieder, den Super-G in Zauchensee. Willkommen zurück in der Weltspitze.

          Sperre für zwei Rennen wegen Kritik am Cheftrainer

          Willkommen zurück auch im Schweizer Team? Das ist ein schwieriges Thema, denn Lara Gut setzt ihre Kanten nicht nur auf der Piste ein, sondern auch im Verhältnis mit Swiss Ski. Schon immer hat sie den Verband bei jeder Gelegenheit umfahren. Von klein auf trainierte sie nicht in dessen Kadern, sondern mit Vater Pauli. Der Tessiner Berufsschullehrer und der Trainer Mauro Pini gründeten das privat finanzierte „Team Gut“, und dessen so fleißige wie talentierte Schülerin war bald so stark, dass sich der Verband mit dem Privatteam arrangieren musste. Das war kompliziert genug, doch dann, während Lara Guts Verletzungspause, wechselte Pini als Cheftrainer zum Schweizer Verband, was sein Verhältnis zu ihr und ihrem Vater, um es vorsichtig zu sagen, belastete.

          Nach Lara Guts Rückkehr war die erste Übung eine Kraftprobe. Sie forderte vom Verband die gewohnte Sonderrolle und ging noch weiter, bestand auf weiteren eigenen Sponsoren für ihr Team, das, so heißt es, etwa 350.000 Euro pro Saison kosten soll. Sie wollte die Schweizer Verbandskluft nur noch bei Rennen tragen. Swiss Ski sperrte sie daraufhin im Dezember für zwei Rennen - „wegen Kritik an Cheftrainer Pini und der Missachtung von Kleidervorschriften“. Vater Gut drohte mit dem Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof.

          Schließlich raufte man sich zusammen. „In guten Gesprächen“, hieß es, seien alle Differenzen ausgeräumt worden. Ob dies bloß ein Garmischer Friedensschluss ist, wird sich nach der WM herausstellen. An Lara Guts Sonderstellung hat sich jedenfalls nichts geändert. Sie wird auch in Zukunft vor allem im Sommer mit ihrem Privatteam trainieren. „Es ist jetzt alles klar“, sagt sie. „Ich habe mein privates Team, und ab und zu trainiere ich mit der Schweizer Mannschaft.“ Die Kröte, die Swiss Ski schlucken muss: Wenn Lara Gut mit dem Schweizer Team unterwegs ist, wird Vater Pauli eingebunden. Auch in Garmisch wird er in offizieller Verbandsmission an der Strecke stehen.

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