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Langlauf-Weltcup : Staffelsieg der Männer bestätigt Behle

  • Aktualisiert am

Einer für alle: Schlußläufer Angerer jubelt über den Sieg. Bild: dpa/dpaweb

Zurückhaltung oder gar Bescheidenheit ist bei Jochen Behle nicht zu erkennen gewesen. Der Bundestrainer der deutschen Skilangläufer hat vor dieser Saison hohe Ziele genannt und Selbstbewußtsein demonstriert. Seine Athleten haben Behles Zuversicht jetzt bestätigt.

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          Zurückhaltung oder gar Bescheidenheit ist bei Jochen Behle nicht zu erkennen gewesen. Der Bundestrainer der deutschen Skilangläufer hat vor dieser Saison hohe Ziele genannt und Selbstbewußtsein demonstriert. Seine Athleten haben sich davon nicht einschüchtern lassen - und Behles Zuversicht bestätigt. Vier Wochen nach dem vorgezogenen Weltcup-Auftakt mit den Sprintrennen am Düsseldorfer Rheinufer ist den Deutschen am Wochenende im norwegischen Ort Beitostölen ein Beweis ihrer Stärke gelungen. In den Einzelrennen wurden Claudia Künzel (10 Kilometer Freistil) und Axel Teichmann (15 Kilometer Freistil) jeweils Dritte. Tags darauf gab es sogar noch eine Steigerung: Zunächst belegte die Frauenstaffel Platz zwei, bevor den Männern der erste Staffelsieg überhaupt gelang. Manuela Henkel (Oberhof), Stefanie Böhler (Ibach), Evi Sachenbacher (Reit im Winkl) und Claudia Künzel (Oberwiesenthal) hatten gerade eine Zehntelsekunde Rückstand auf das norwegische Quartett. Claudia Künzel unterlag Marit Björgen ganz knapp im Sprint. Die drittplazierten Russinnen lagen schon 42 Sekunden dahinter. Jens Filbrich (Frankenhain), Axel Teichmann (Lobenstein), Rene Sommerfeldt (Oberwiesenthal) und Tobias Angerer (Vachendorf), der sich am letzten Anstieg eindrucksvoll absetzte, gewannen sicher vor Norwegen (zwei Sekunden zurück). Wie ausgeglichen gut die Auswahl von Behle besetzt ist, zeigte der Verzicht auf den erfahrenen Thüringer Andreas Schlütter, der bei Olympia 2002 (Bronze) und bei der WM 2003 (Silber) jeweils zum erfolgreichen deutschen Quartett gehörte. Teichmann war bei den Winterspielen Zuschauer gewesen, Angerer bei der WM. Behle hat die Qual der Wahl, und die Konkurrenz muß jeden Deutschen fürchten.

          "Die hervorragenden Ergebnisse des letzten Winters haben in der gesamten Truppe noch einmal für einen zusätzlichen Motivationsschub gesorgt", sagte Behle schon in Düsseldorf. "Von einem ,Zwischenjahr' ohne WM oder Olympische Spiele ist im Training jedenfalls nichts zu spüren gewesen. Auch wenn in diesem Winter kein sportliches Großereignis stattfindet, wollen wir grundsätzlich auf dem Niveau weitermachen, auf dem wir letzte Saison aufgehört haben." Das ist in Beitostölen voll und ganz gelungen. Kommendes Wochenende findet in Kuusamo am finnischen Polarkreis, wo dann auch Skispringer und Kombinierer in die Saison einsteigen, das nächste Kräftemessen statt. "Wer in solchen Übergangsjahren erst einmal den Anschluß verliert, hat es erfahrungsgemäß sehr schwer, wieder pünktlich in Form zu kommen", erläutert Behle. "Insofern ist die enorm hohe Leistungsbereitschaft, die wir derzeit in unserer Mannschaft feststellen, für uns als sehr positiv zu bewerten."

          In den vergangenen Wochen hat Behles Equipe sich in Skandinavien vorbereitet. Von Erkrankungen oder Verletzungen weitgehend verschont geblieben, können die Deutschen in allen Disziplinen, auf den langen wie den kurzen Distanzen, und in beiden Stilarten mit Erfolgen rechnen. Als Saisonhöhepunkt gilt die sogenannte Vor-WM kommenden Februar in Oberstdorf, Generalprobe für die Titelkämpfe 2005. Aber auch im Gesamtweltcup sollen die Frauen und die Männer um Spitzenpositionen kämpfen. Axel Teichmann, dem 24 Jahre alten Einzelweltmeister (15 Kilometer klassisch), traut Behle sogar als erstem Läufer des Deutschen Skiverbandes den Gewinn der Gesamtwertung zu. Der zuletzt im Training von einer Erkältung gebremste Thüringer verpaßte am Samstag um gerade 7,6 Sekunden den ersten Platz, den sich der Italiener Pietro Piller Cottrer sicherte. "Der Axel ist der beste Allrounder von allen", sagt Behle. "Bei den Damen wird es schwerer, da ist für mich Kristina Smigun (Siegerin am Samstag) die große Favoritin."

          Knapp daneben: Claudia Künzel geht unfreiwillig hinter der Norwegerin Marit Björgen in die Knie.
          Knapp daneben: Claudia Künzel geht unfreiwillig hinter der Norwegerin Marit Björgen in die Knie. : Bild: dpa/dpaweb

          F.A.Z.

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