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Kurioses bei Biathlon-WM : „Göttin Doro“, Tortenschlachten und ein Goldauto

  • -Aktualisiert am

Hinterließ einen bleibenden Eindruck in Antholz: Biathletin Dorothea Wierer Bild: EPA

Die Weltmeisterschaft der Biathleten in Italien ist zu Ende. Zurück bleiben Erinnerungen an Glanzmomente und bitterste Enttäuschungen, Fragen nach einer Polizeirazzia im Morgengrauen – und jede Menge Anekdoten.

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          Für zehn Tage war die Gemeinde Antholz in Südtirol Mittelpunkt der Biathlon-Welt. Dabei gab es neben zahlreichen Medaillen in Einzel-, Staffel- und Mixed-Wettbewerben und einer Doping-Razzia gegen den Russen Alexander Loginow auch jede Menge Kuriositäten. FAZ.NET fasst die besten Geschichten zusammen:

          Die richtige Unterlage: Was ist das Wichtigste bei einer Biathlon-WM? Na klar, Schnee: Zumindest davon gab es oben auf 1600 Metern genug. Aber weiter unten im eher grau-braunen Antholzertal mauserte sich ein anderer Naturstoff zur fast ebenso wichtigen Unterlage: Hackschnitzel.  Die zerkleinerten Holzstückchen sind eigentlich ideal zum Heizen, aber in Antholz verhinderten Tonnen dieses Forst-Häcksels, dass die  Medal Plaza und die weitläufigen Wiesen-Parkplätze zu unpassierbaren Schlammwüsten wurden. Allein am Schlusswochenende verteilten Helfer 20 Lkw-Ladungen, damit Menschen und Autos nicht steckenblieben. Helle Hackschnitzel-Zufahrten zwischen dunklem Schlamm.  Manche Parkplätze sahen aus wie Streifenhörnchen. Zwar wird das Kleinholz nach der WM zu 100 Prozent entfernt und der beste Teil weiterverarbeitet, aber zum Heizen ist es nicht mehr zu gebrauchen. Und mancher Bauer wird eine ruinierte Wiese als Andenken an diese WM behalten.

          Goldauto: Was könnte Toni Klettenhammer für Geschichten erzählen. So nahe wie der ehemalige Fahrdienstleiter der italienischen Staatsbahnen ist wohl kaum einer den Biathlon-Stars gekommen. Wierer, Fourcade, Röiseland, alle sind bei ihm ein- und ausgestiegen. Der Mann ist der privilegierte Chauffeur des goldfarbenen Gefährts mit der Nummer eins:  dem Weltmeister-Auto. Reserviert für die Besten. Ein Novum bei der WM. Abholen, zur Medal Plaza bringen, und dann für den Rest der Nacht dem Titelträger und dessen Wünschen zur freien Verfügung stehen – als Chauffeur, versteht sich. Wenn man so ein Feierbiest in der Goldkutsche hat, kann es schon mal drei Uhr nachts werden. Denn die wertvolle menschliche Fracht wieder heil abzuliefern, ist Ehrensache. Stoff für ein spannendes Enthüllungsbuch: So feiern Weltmeister wirklich! Der Gold-Chauffeur verrät nur eines: „Die sind alle lieb und nett.“ Und wenn nicht, dann herrscht äußerste Diskretion.

          Hatten allen Grund zur Freude: Norwegische Fans bejubeln das erfolgreiche norwegische Team in Antholz.
          Hatten allen Grund zur Freude: Norwegische Fans bejubeln das erfolgreiche norwegische Team in Antholz. : Bild: EPA

          Feuerwerk und Tortenschlacht: Die Norweger und die Franzosen sind zwar sportlich die größten Rivalen, aber in Antholz machten sie gemeinsame Sache. Das ging schon mit der Unterkunft los: beide oben im Falkensteinerhof, quasi direkt vor den Toren der Südtirol Arena. Und das setzte sich fort beim Feiern, wozu es ja beinahe täglich Anlass gab: Da schnitt Marte Olsbu Röiseland die französische Siegertorte an und Emilien Jacquelin die norwegische. Und nach der gemeinsamen Schlacht am Kuchenbüffet und allerlei Blödeleien folgte der explosive Höhepunkt: Feuerwerk über den Dächern von Antholz. Pyrotechnik als leuchtendes Signal der Völkerverständigung. Mal was anderes als im Fußballstadion.

          Dorodea: Doro, die Biathlon-Göttin dieser WM. Ganz Südtirol liegt der aparten Schnellschützin zu Füßen und sogar die Italiener scheinen Frau Wierer zunehmend ins Herz zu schließen. Schön anzuschauen und auch sportlich eine Attraktion. Zweimal Gold, zweimal Silber. Da mag Frau Röiseland in Dahlmeier-Manier mit fünf goldenen und zwei bronzenen Medaillen daherkommen, über allem schwebt die Doro aus Niederrasen im Antholzertal. Die Kinder in der Grundschule, deren kleine Kunstwerke das verzweigte Tunnelsystem unter der Südtirol Arena schmücken,  hatten sie schon vorher zu ihrer Heldin auserkoren. Ganz oben auf dem Treppchen, sogar über den Südtiroler Männern. Eine emanzipierte Form von Höhlenmalerei.

          Schlossherren auf Zeit: Zugegeben, ihre Unterkunft war es nicht. Und das ist gut so. Die 3000 Euro Miete, die das kleine Schloss aus dem 16. Jahrhundert in Niederrasen  monatlich kostet, wären vom deutschen Skiverband ja noch zu stemmen gewesen, Zimmer hätte es auch genügend gegeben, aber wie das kalte Gemäuer, das einst Medienmogul Silvio Berlusconi gehört haben soll, warm kriegen? Ein großer Kamin im Erdgeschoss reicht da nicht, zumal sämtliches Holz aus der Umgebung schon anderweitig verplant war – als Hackschnitzel. Aber zum gemütlichen Raatschen waren die zwei rustikalen Stuben samt Bar und Catering schon eine stimmungsvolle Location. Und Anlass zum Feiern gab es ja schon für die deutschen Skijäger.

          Biathlon mit gestiegenen TV-Quoten

          Bei den Biathlon-Weltmeisterschaften gab es für Deutschland keine Gold-Medaillen, aber sehr gute Quoten für die TV-Sender. Die Zahlen der WM in Antholz waren trotz geringerer Erfolge sogar noch etwas besser als bei der WM in Östersund. „Mit einem Zuschauerdurchschnitt von 4,279 Millionen, bei einem Marktanteil von 29,7 Prozent, konnten sich die diesjährigen Übertragungen im Ersten, im Vergleich zu den Übertragungen von der Biathlon-WM 2019 in Östersund, steigern“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky am Montag. Vor einem Jahr sahen durchschnittlich 4,191 Millionen zu und sorgten für einen Marktanteil von 25,7 Prozent. „Diese Zahlen unterstreichen den hohen Stellenwert des Biathlonsports“, kommentierte der ARD-Mann.

          Am Abschluss-Wochenende schauten 4,97 Millionen Menschen am Samstag die Herren-Staffel und sorgten für den Topwert. Bei der Silbermedaille des deutschen Damen-Quartetts gab es mit 37 Prozent den höchsten Marktanteil der WM. Am Wochenende zuvor hatten sogar mehr als fünf Millionen Zuschauer im ZDF bei den Sprint- und Verfolgungsrennen vor den Fernsehschirmen gesessen. (dpa)

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