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Nordischer Kombinierer Rydzek : Heiraten, büffeln, trainieren

Am Ziel: Olympiasieger Johannes Rydzek. Bild: dpa

Kombinierer Rydzek brennt auf die neue Saison. Dabei musste der zweifache Olympiasieger darauf achten, die Balance nicht zu verlieren – weil es ein anstrengender Sommer war.

          Er ist wieder hungrig, voller Tatendrang. Und deshalb froh, dass er nicht mehr länger warten muss. „Es ist Zeit, dass wir endlich ins Geschehen eingreifen“, sagt Johannes Rydzek. An diesem Freitag, bei der traditionellen Saisoneröffnung in Kuusamo/Finnland, werden sie wieder losgelassen, die Nordischen Kombinierer. Und auf ihn, den zweifachen Olympiasieger von Pyeongchang, wird man besonders schauen. „Ja, in Südkorea ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, und deswegen war ich wunschlos glücklich“, sagt Rydzek und schränkt gleich ein: „Zumindest kurzfristig.“

          Aber im Spätsommer ist noch ein Wunsch in Erfüllung gegangen, und wenn man den 26 Jahre alten Allgäuer so reden hört, dann spürt man förmlich, dass die Hochzeit Anfang September im königlichen Jagdhaus in Oberstdorf das wahre Highlight in diesem Jahr gewesen sein muss. Da haben sich Johannes und seine Freundin Lissi – im kleinen Kreis – das „Ja-Wort“ gegeben. „Unglaublich schön“, sagt Rydzek mit leuchtenden Augen, sei es gewesen. Aber auch ein recht kurzes Vergnügen. Große Party? Flitterwochen? Von wegen. Samstags geheiratet, montags schon wieder beim Trainingslehrgang – der Job geht vor, und da muss man eben flexibel sein. Und Flitterwochen kann man zur Not auch vor der Hochzeit machen. „Wir hatten wunderschöne Tage in der Toskana“, schwärmt Rydzek. Seine Frau weiß ja, worauf sie sich eingelassen hat. Die beiden sind schon lange ein Paar. Und die 26 Jahre alte Lehrerin hat ihm schon aus so manchem Tief heraus geholfen.

          Was diesmal nicht nötig war. Wer als zweifacher Olympiasieger nach Hause kommt, muss sich auf einige Turbulenzen gefasst machen: Empfänge, Ehrungen, Sponsorentermine, TV-Auftritte. Erfolg macht begehrt, und da muss man schon ein wenig aufpassen, dass die Balance nicht verlorengeht. „Natürlich ist die öffentliche Wahrnehmung gestiegen, und im Frühling gab es ein, zwei Termine mehr, aber wenn man mitbekommt, wie viele Menschen es unglaublich wertschätzen, was ich geleistet habe, dann ist das ein tolles Feedback. Und wenn man sieht, was den Kids ein Autogramm von mir bedeutet, dann gibt das einem ganz viel.“ Was aber nicht heißt, „dass ich zu jedem Termin ja und amen sage“.

          Erfolg macht begehrt

          Rydzek weiß nur zu gut, dass die Erfolge vom Vorjahr nichts mehr zählen, wenn es um die Saisonvorbereitung geht. Und dass olympisches Gold auf die Dauer satt macht, steht bei ihm nicht zu befürchten. „Natürlich sind Erfolge unheimlich schön, aber die eigentliche Motivation ist, dass ich diesen Sport unheimlich gerne mache. Das ist der Kern“, sagt er. Aber diesmal sei es schon ein wenig schwieriger gewesen, wieder in den Trott zu kommen.

          Was auch daran liegt, dass Rydzek eine Menge in diesen nacholympischen Sommer gepackt hat. Er studiert parallel zum Hochleistungssport in Kempten Wirtschaftsingenieurwesen. Im Winter bleibt dazu keine Zeit, also muss er alles ins Sommersemester pressen. „Außer Büffeln und Training bleibt da nicht mehr viel“, sagt Rydzek, der im Sommer 2019 seinen Bachelor machen will. Auch ein Olympiasieger muss auf das Leben nach dem Sport vorbereitet sein.

          Es war ja ohnehin eine Punktlandung im Februar in Pyeongchang. Perfektes Timing, aber vor allem eine Riesenerleichterung, weil man auf der Schanze in letzter Minute noch die Kurve gekriegt hatte. Nach all den Problemen zuvor, als die Norweger wieder das Maß der Dinge waren – und nicht die erfolgsverwöhnten Männer von Bundestrainer Herrmann Weinbuch. Aber als es galt, schlugen Rydzek, Frenzel und Kollegen bei Olympia mit geballter Macht zurück. Erst im eisigen Südkorea entdeckte der Oberstdorfer seinen Killerinstinkt wieder. Es hätte auch schiefgehen können.

          Eine der Lehren aus der vergangenen Saison ist, „dass wir den Fokus in der Vorbereitung auf das Springen gelegt haben“, sagt Bundestrainer Weinbuch. Der internationale Trend, das hat auch der Sommer-Grand-Prix gezeigt, geht dahin, dass Wettkämpfe in erster Linie über das Springen entschieden werden. Auf den Mattenschanzen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck hat Rydzek versucht, das Gefühl für Luft und Ski wieder zu erlangen. „Ich bin noch nicht ganz da, wo ich gerne wäre“, sagt er.

          Wohin das alles führt in dieser Saison, vermag er nicht zu sagen. Der Gesamt-Weltcup, die einzige Trophäe, die ihm noch fehlt, gehört jedenfalls nicht zu seinen erklärten Zielen, „weil es zu viele Unwägbarkeiten gibt“. Bei einer WM sieht das anders aus. Vor zwei Jahren in Lahti hat Rydzek alles abgeräumt: vier Rennen, vier Titel. Allerdings verbindet er mit Seefeld, wo die WM im Februar 2019 stattfindet, „nicht die schönsten Erinnerungen“. In Tirol hat er vor zehn Monaten die Olympia-Generalprobe total in den Schnee gesetzt. Worüber er heute mit einem Lächeln sagen kann: „Vielleicht war das auch nötig, um den Erfolg in Pyeongchang möglich zu machen.“

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