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Deutsche Eishockey Liga : Kölner Haie auf dünnem Eis

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Nur das Maskottchen der Kölner Haie macht in dieser Saison noch eine halbwegs gute Figur Bild: Imago

Im vergangenen Jahr standen die Haie noch im Finale. Nun ist aus dem Titelkandidaten ein Kellerkind geworden. Die Kölner erleben in der Deutschen Eishockey Liga eine denkwürdige Saison.

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          Als die Kölner Eishockey-Profis zuletzt nach der Heimniederlage gegen Iserlohn vom Eis schlenderten, stand ihnen das Grauen ins Gesicht geschrieben. Der Verlauf und vor allem der Ausgang des Spiels, das gerade zu Ende gegangen war, ließ nicht nur die 14.000 Kölner Fans in der Arena erschaudern, auch an den Spielern ist diese Niederlage nicht spurlos vorübergegangen. Nach einer knappen halben Stunde hatten die Kölner gegen die Überraschungsmannschaft aus dem Sauerland mit drei Toren Vorsprung geführt.

          Und vieles hatte darauf hingedeutet, dass die Haie gerade noch die Kurve bekämen, bevor sich an diesem Freitag (19.30 Uhr) gegen Straubing und am Sonntag (14.30 Uhr) beim EHC München die letzte Chance bietet, wenigstens die Pre-Play-offs zu erreichen - jene Qualifikationsrunde also, in der die Mannschaften auf den Plätzen sieben bis zehn in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) die letzten beiden Teilnehmer für die Viertelfinalserie ermitteln. Doch es gelang den Haien tatsächlich, den Vorsprung zu verspielen. Am Ende unterlagen sie nach Penaltyschießen 3:4 und ergatterten nur einen Punkt.

          Das wäre schon Grund genug gewesen für die Kölner, sich unwohl zu fühlen. Spätestens nach dem jüngsten Misserfolg dürfte ihnen bewusst geworden sein, wie schwer es wird, das Minimalziel noch zu erreichen. „Jetzt haben wir es nicht mehr in der eigenen Hand und müssen für den Einzug in die Play-offs auf Schützenhilfe hoffen“, sagte Trainer Niklas Sundblad.

          Als seine Spieler, teils apathisch, teils vor sich hin schimpfend, in den Katakomben verschwanden, kannten sie noch nicht einmal das ganze Ausmaß des sportlichen Schreckens, der den Kölner Cracks und ihren Fans zuletzt in die Glieder fahren sollte. Ein paar Stunden später spitzte sich die Lage weiter zu. Ganz in der Nähe, in Krefeld, besiegten die Pinguine den Tabellenführer Adler Mannheim 5:2 und legten als Zehnter des Klassements einen Vorsprung von zwei Punkten zwischen sich und die Kölner.

          Im Angesicht der Krise: Niklas Sundblad wirkt zunehmend ratlos Bilderstrecke
          Im Angesicht der Krise: Niklas Sundblad wirkt zunehmend ratlos :

          Am Dienstag verschärfte sich die Situation der Haie abermals. Wieder blickten die Kölner mit bangem Blick Richtung Krefeld, wo die Pinguine ihr Nachholspiel gegen den Liga-Letzten Schwenningen bestritten. Mit einem weiteren Sieg bauten die Pinguine ihren Vorsprung auf fünf Punkte aus und führten die Chancen des rheinischen Rivalen, bei nun noch sechs zu vergebenden Punkten, auf ein Minimum zurück. Es klang fast schon ein wenig Resignation mit, als Moritz Müller nach dem Iserlohn-Spiel feststellte, dass der durchaus hohe Aufwand in keinem Verhältnis zum Ertrag stand. „Wir haben gekämpft, wir haben uns in die Schüsse geworfen. Aber es hat nicht gereicht“, sagte der KEC-Verteidiger.

          Den neuerlichen Rückschlag zu verkraften wird dadurch noch erschwert, dass der Iserlohner Ausgleichstreffer in letzter Minute fiel. Die Kölner gelten schon länger nicht als sonderlich gefestigtes Team. Es ist ihnen nie gelungen, Konstanz zu entwickeln, wenn gute Ansätze (und Ergebnisse) Zuversicht weckten. Vor knapp zwei Wochen erst hatten sie mit einem Sieg in Krefeld den Eindruck erweckt, sich im Schlussspurt doch gegen die Pinguine durchzusetzen. Doch statt den wertvollen Auswärtssieg in den beiden Heimspielen gegen Hamburg (1:4) und Iserlohn zu untermauern, ließen sie prompt wieder Rückschläge folgen.

          Köln verpasste DEL-Titel gegen Ingolstadt nur knapp

          Und es klang schon ein wenig nach Durchhalteparole, als Sundblad eine Trotzreaktion ankündigte. Der eine Punkt gegen Iserlohn könnte „noch sehr wichtig sein“, sagte er. „Wir geben nicht auf und kämpfen weiter.“ Es wird ein Kampf auf dünnem Eis. Besonders für eine Mannschaft wie die Kölner, die es nicht gewohnt ist, Kämpfe wie diesen auszutragen. Zuletzt hatten die Haie zweimal nacheinander bis zum Schluss um die deutsche Eishockeymeisterschaft mitgespielt. Vor einem Jahr war die Entscheidung erst im siebten Spiel der Finalserie zugunsten des ERC Ingolstadt gefallen, der zu jener Zeit von Sundblad gecoacht worden war.

          Wer den Titel so knapp verpasst, hat meist den Anspruch, es im dritten Anlauf besser zu machen, erst recht in Köln. Doch dieses Ziel ist in weite Ferne gerückt. Und das branchenübliche Instrumentarium für Korrekturversuche während der Saison ist ausgeschöpft. Im Oktober hatte die Geschäftsführung nach fünf aufeinanderfolgenden Niederlagen die Kölner Eishockey-Ikone Uwe Krupp durch Sundblad ersetzt und zugleich auch den erfahrenen Manager Lance Nethery freigestellt. Während der Saison verpflichtete der KEC Ryan Jones und Douglas Murray, zwei Profis, die über Erfahrung aus der nordamerikanischen Profiliga NHL verfügen.

          Sundblad versuchte es mal mit hartem Training, mal mit ein paar Tagen Urlaub während der Länderspielpause und vor zwei Wochen schließlich mit einem Familienfest, das den Teamgeist stärken sollte. Zudem soll den Spielern bei Bedarf ein Sportpsychologe zur Seite stehen. All diese Maßnahmen sind bisher ohne nennenswerten Erfolg geblieben. Dennoch scheint Sundblad nicht zur Disposition zu stehen. „Er bleibt unser Trainer, auch wenn wir nicht in die Play-offs kommen“, versicherte KEC-Geschäftsführer Peter Schönberger im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Die Haie werben mit dem Slogan: „Wir. Atmen. Eishockey.“ Play-off-Luft aber werden sie in dieser Saison wahrscheinlich nicht einmal schnuppern.

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