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Kinofilm „Aksel“ : Wie man lernt, wieder aufzustehen

Mit ungebrochener Freude dabei: der Skirennfahrer Aksel Lund Svindal auf den Brettern, die seine Welt bedeuten Bild: Pandafilm

Der Kinostreifen „Aksel“ zeigt die absolut filmreife Karriere des norwegischen Skirennfahrers Aksel Lund Svindal. Was ihm auch widerfuhr, dieser Sportler machte weiter.

          3 Min.

          Es ist dunkel, es schneit, Oslo im Januar 2017. Kein Ort zum Wohlfühlen, und die wacklige Kamera, die dem Protagonisten folgt, verbreitet eine angespannte Atmosphäre. Ein Mann auf dem Weg ins Krankenhaus zu einer Knieoperation. „Bist du bereit?“, fragt der Arzt. Ist er – wie immer in seiner Karriere. „Ich versuche es, bis ich weiß, dass es unmöglich ist“, wird er später in der Reha sagen: Aksel Lund Svindal, einer der besten Skifahrer der jüngeren Vergangenheit, zweimaliger Olympiasieger, fünffacher Weltmeister und Gesamt-Weltcupsieger. Svindals Leben als Skifahrer und Mensch läuft seit vergangenem Donnerstag in Süddeutschland in den Kinos: München, Nürnberg, Erlangen, Günzburg heißen die ersten Standorte, an denen dieser besondere Film läuft. In Österreich, wo alpine Sportler einen Stellenwert haben wie andernorts Fußballprofis, lief „Aksel“ bereits vor Wochen an. Der Zuschauerzuspruch wurde dann aber vom Lockdown gestoppt. In Svindals Heimat Norwegen sahen in der ersten Woche etwa 50 000 Menschen zu, eine solide Quote für ein Land, in dem kaum mehr als fünf Millionen Menschen leben.

          „A pretty cool movie“

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Eigentlich hatte Aksel, wie der stets freundlich auftretende Sportsmann von allen genannt wird, nicht vor, sein Leben auf der Kinoleinwand auszubreiten. Doch die Filmschaffenden Filip Christensen und Even Sigstad waren 2015 auf den Gedanken gekommen, ihn und das norwegische Skiteam beim Ski-Weltcup zu begleiten. Sie blieben über vier Jahre dran. Nach „Streif – One Hell of a Ride“ (Regie Gerald Salmina), dem 2014 produzierten Film über die Rennstrecke „Streif“ in Kitzbühel, ist „Aksel“ der bisher wohl ambitionierteste Film über den alpinen Ski-Rennsport. Aus mehr als 500 Stunden Material destillierten Christensen und Sigstad 110 Minuten Spielfilm – angereichert mit wackligen Videos aus Aksels Kindheit und Archivmaterial bedeutender Skirennen. Svindal selbst findet: „A pretty cool movie about downhill skiing“.

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          Vor allem aber ist die Dokumentation das Porträt eines Mannes, der bei all seinen Erfolgen stets souverän und bescheiden geblieben ist. Einer, der verheerende Stürze zu verarbeiten hatte, die ihn Demut lehrten. Es ist ein Film, der Triumphe mitnimmt und Tragödien aushält. Das geschieht auf eine Weise, auf die auch weniger Skibegeisterte vom Kampf- und Teamgeist des Profis inspiriert werden. Im Film vermittelt der Sportler Svindal, dass Spaß am Tun und die notwendigen freundschaftlichen Bande ebenso wichtig für den Erfolg sind wie starker Wille, Ehrgeiz und Talent: Als der heute Achtunddreißigjährige einst in den Weltcup einstieg, nahmen ihn die Norweger Lasse Kjus und Kjetil André Aamodt in ihr Team auf. Und obwohl sie Svindals große Vorbilder waren, musste er sich nicht hochdienen, sondern agierte von Beginn an auf Augenhöhe. So verhielt sich Svindal später auch zu seinem kongenialen Speed-Partner Kjetil Jansrud und dem talentierten Aleksander Aamodt Kilde. Wer diesem Team zusieht, der bekommt eine Ahnung davon, warum die Norweger immer wieder die alpine Großmacht Österreich ärgern konnten.

          Zwar hatte Svindal, der seine aktive Laufbahn 2019 beendete, schon während seiner Karriere in diverse Start-ups investiert und sich längst eine Existenz neben dem Skirennsport aufgebaut. Doch war die Art, wie er seinen Sport betrieb, stets ein Balanceakt auf der Kante, der mehr als einmal ein tödliches Ende hätte finden können. Der Film spart diese Momente nicht aus. All die Szenen in Krankenhäusern, die Svindal im OP-Kittelchen zeigen, vollgepumpt mit Medikamenten, „waren definitiv hart zu sehen“. Das bekennt der Sportler selbst: „Aber wenn man etwas macht, dann muss man es richtig machen“ – deshalb lässt auch dieser Film wenig aus.

          In Kitzbühel flog er 2016 bei einem wetterbedingt schwierigen Abfahrtsrennen auf der „Streif“ nach der Hausbergkante aus der Kurve und landete erst im Fangzaun, dann in der Notaufnahme. Diagnose: Kreuzbandriss. Sein Karriereende aber gab er erst drei Jahre später, ebenfalls in Kitzbühel, bekannt. Dabei hatte ihm das schon 2007 nach einem Sturz in Beaver Creek, Colorado bevorgestanden. Damals hatte er aufgrund einer tiefen Schnittwunde nach einem Sturz viel Blut verloren; und weil er mit voller Wucht auf den Rücken gefallen war, befürchteten die Ärzte auch innere Verletzungen. Ein Jahr später gab Svindal auf ebenjener Piste eines seiner vielen erfolgreichen Comebacks. Leichtgefallen ist ihm das nicht: „Mein ganzer Körper hat geschrien: ‚Halt! Mach das nicht!‘“, sagt er im Film. Allerdings habe er eine zweite Stimme gehört, die ihm zuflüsterte: „Das ist ein Test, den du bestehen musst.“ Svindal gewann das Rennen.

          Und genau ein Jahr nachdem er dem Arzt in Oslo bestätigte, „bereit“ zu sein – für die Operation und somit für eine weitere Verlängerung seiner Skikarriere –, startete Svindal bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang. Er gewann Gold als Abfahrts-Olympiasieger vor seinem Freund und Konkurrenten Kjetil Jansrud. Es war die Krönung seiner Karriere – und absolut filmreif.

          Aksel läuft seit Donnerstag im Kino.

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