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Skispringen : Unglückliches Österreich

Himmelsstürmer? Severin Freund soll der erste Tourneesieger seit 2002 werden Bild: dpa

Viel spricht dafür, dass die Vierschanzentournee 2016 nicht von einem Österreicher gewonnen werden wird. Das macht es für die Deutschen nicht leichter – denn keiner springt feiner als ein slowenisches Brüderpaar.

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          Nichts wie weg! Die deutsche Reisegruppe hatte es eilig, ihre Siebensachen im Materialbus zu verstauen. Kaum waren beim Weltcup in Engelberg die Hymnen der Siegerehrung verklungen, machte sich Severin Freund im gecharterten Hubschrauber auf den Weg in die Heimat. Am Sonntagabend bei der Prämierung der „Sportler des Jahres“ gehörte der Skispringer, der am Nachmittag im dünnen Kunststoffoverall eine passable Figur abgegeben hatte, im schmucken Smoking zu den Ehrengästen der Gala im Kurhaus von Baden-Baden.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Nach der Feierstunde, bei der er trotz seiner Erfolge im vergangenen Winter – in dem ihm der Weltmeistertitel von der Großschanze und der Gewinn des Gesamt-Weltcups gelungen war – keine weitere Auszeichnung einheimste, wird der 27-Jährige kurz in den Ruhemodus schalten, wie er es bezeichnete. Daheim in Bayern bereitet sich Freund nun über die Feiertage im Kreis der Familie, mit der er beim gemeinsamen Kochen des Weihnachts-Menüs auf ein paar beschauliche Stunden der Entspannung hofft, auf das erste Highlight dieser Saison vor - bei dem er abermals zu den Favoriten gezählt wird.

          Nicht überragend, aber respektabel

          Am Dienstag nächster Woche beginnt in Oberstdorf die 64. Auflage der Vierschanzentournee. Für Freund lief die Generalprobe in dem Schweizer Bergdorf nicht überragend, aber respektabel: Am Samstag, beim Sieg von Peter Prevc, belegte er den achten Platz, tags darauf, als der Slowene abermals überlegen vorne landete, wurde er Sechster. Chancen darf sich der Münchner dennoch ausrechnen, endlich auch einmal bei der Traditionsveranstaltung rund um Silvester die hohen Erwartungen zu erfüllen; seine eigenen und die der deutschen Skisprung-Fans, die in den vergangenen Jahren mit ansehen mussten, dass die eigenen Idole reihenweise abstürzten, während sich Athleten aus Österreich sieben Mal in Folge den „Goldenen Adler“ verdienten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Zeitenwende komme, sei groß, glaubt Werner Schuster.

          Nun, so sagt der aus dem Kleinwalsertal stammende deutsche Bundestrainer, deute sich die Möglichkeit an, dass die Glückssträhne seiner Landsleute ein Ende finde - und er mit seinen Truppe sei bereit wie selten zuvor, um die Chance zu ergreifen, wenn sie sich biete. „Wir fahren optimistisch da hin“, sagte der Trainer.

          Vor allem Freund habe sein „Gesamtpaket zusammen“, sei „handlungsfähig“, und an seinem Formaufbau gebe es „nichts zu mäkeln. Das, was wir tun konnten, haben wir getan.“ Wobei es wohl speziell darauf ankommen werde, Peter Prevc in Schach zu halten. Der 23-Jährige, der sich im Frühling im Kampf um den Gesamtweltcup Freund knapp geschlagen geben musste, ist in einer Verfassung, die ihn aus der Masse der Konkurrenz abhebt. Sechs Wochen nach dem Saisonauftakt beträgt sein Vorsprung im Klassement schon hundert Punkte.

          „Er und sein Umfeld sind bis in die Haarspitzen motiviert“, urteilt Schuster, der es als „fast schon beängstigend“ einschätzte, wie sich der kleine Prevc, Domen, am Samstag ebenfalls in Rampenlicht katapultierte. Der 16-Jährige wurde Zweiter und strahlte anschließend auf dem Podium neben dem drittplazierten Noriaki Kasai, der das erste Mal in Engelberg antrat (1999), als Domen Prevc sechs Monate alt war. „Zwischen den beiden liegt eine ganze Generation“, sagte Schuster und schüttelte ungläubig den Kopf, „wir haben hier etwas Historisches erlebt.“

          Domen Prevc ist der neue Überflieger bei den Skispringern
          Domen Prevc ist der neue Überflieger bei den Skispringern : Bild: AP

          Die Prevc-Geschwister schätzt er als besonders ernst zu nehmende Konkurrenten auf dem Weg zum ersehnten ersten deutschen Tournee-Triumph seit 2001 (Sven Hannawald) ein. Fliegerisch böte gerade der Jüngere „das Beste, was es je gegeben hat“. Die Art und Weise, wie Domen Prevc den Kopf fast auf die Skispitzen drücke und dem Tal entgegengleite, sei „technisch herausragend“. Auch sei das Momentum auf seiner Seite, er habe gerade „eine Welle an Leichtigkeit“ erwischt, die ihn weit tragen könne. Doch im Hinblick auf die Tournee sei genauso wichtig, „was im Sommer geleistet wurde, denn da werden die Grundlagen gelegt“. Von ihm und seiner Crew in ausreichendem Maße, wie Schuster glaubt: „Der Nährboden ist ausgebreitet, um darauf erfolgreich zu sein.“

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