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Kati Wilhelm : „Bond-Girl zu sein - das fand ich gut“

  • Aktualisiert am

„Bin froh, wenn ich in Turin eine Medaille habe” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Kati Wilhelm fährt als Favoritin zu den Olympischen Winterspielen nach Turin. Vor dem Druck ist ihr nicht bange. Im Interview spricht sie über ihre sportliche Glückssträhne, die Zukunft des Biathlons und rote Haare.

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          Kati Wilhelm fährt als Favoritin zu den Olympischen Winterspielen nach Turin. Vor dem Druck ist ihr nicht bange. Im Interview spricht sie über ihre sportliche Glückssträhne, die Zukunft des Biathlons und rote Haare.

          Sie sind in diesem Winter so erfolgreich wie keine andere Biathletin. Erstaunt Sie das selbst?

          Erstaunen eigentlich nicht, weil ich einen hohen Anspruch habe. Ich denke schon, wenn alles gut läuft, habe ich das Zeug, regelmäßig aufs Podest zu kommen. Ich bin eher froh, daß es endlich mal so gut klappt, und daß ich zeigen kann, was ich draufhabe.

          Strahlende Siegerin - immer wieder

          Wie fühlt es sich an, die Nummer eins in der deutschen Mannschaft zu sein?

          Ich weiß nicht, ob das bei uns so eine große Rolle spielt. Ich meine, es ist schön, für die Olympischen Spiele fest nominiert zu sein. Aber abgesehen davon es ist auch nicht anders als sonst. Wir Älteren in der Mannschaft haben sowieso ein größeres Mitspracherecht als die Jüngeren.

          Früher war immer von Uschi Disl die Rede, nun stehen Sie im Mittelpunkt. Führt das zu Konkurrenzverhalten?

          Uschi hat ja auch ihre Erfolge gefeiert, und sie hat uns andere bei der letzten WM ja alle abgehängt. Wir haben aber beide damit kein Problem, mal ist die eine besser, dann die andere. Und ich weiß, daß das nächste Woche wieder ganz anders aussehen kann.

          Nach Ihren Olympiasiegen 2002 ist es einige Jahre nicht so glatt gelaufen. Wie erklären Sie sich Ihre jetzigen Erfolge?

          Nach Salt Lake City hat jeder erwartet, daß es immer so weiter- geht, ich sicher auch. Obwohl das schon utopisch gewesen wäre. Heute bin ich fast froh, daß es nicht so gelaufen ist, man muß auch mal ein schlechteres Jahr verkraften, um daraus zu lernen. Mir ist das gut bekommen, weil ich gezwungen war, mich noch mehr auf die Technik und die Kleinigkeiten zu konzentrieren. Der wichtigste Schritt war aber natürlich, als ich vor zwei Jahren von Oberhof nach Ruhpolding gegangen bin.

          Was ist in Ruhpolding besser?

          Es ist nichts besser, denn in Oberhof hatte ich super Trainingsbedingungen. Da dachte jeder, die ist schön blöd, von dort wegzugehen. Aber für mich war es wichtig, etwas zu verändern, um einen anderen Rhythmus reinzukriegen. Ich habe dort mehr Eigenverantwortung, das tut mir gut.

          Nach den Erfolgen dieses Winters sind die Erwartungen für die Olympischen Spiele in Turin besonders hoch.

          Ich weiß gar nicht so genau, was die Leute alles von uns erwarten. Es hat jeder so seine Ziele, und meine sind sicherlich recht hoch. Aber nach den Ergebnissen der letzten Wochen sind sie auch realistisch. Deswegen verspüre ich keinen größeren Druck. Natürlich kann ich nicht sagen: Ich bin froh dabeizusein und werde sehen, was rauskommt. Ich möchte eine Medaille mit nach Hause nehmen, eine im Einzel und eine mit der Staffel.

          Welche Medaille es dann wird, ist Ihnen egal?

          Der Unterschied zwischen den Farben, das liegt an so viel Kleinigkeiten, das liegt nicht immer in der Hand des Athleten. Ich bin froh, wenn ich eine habe.

          Wo rechnen Sie sich die meisten Chancen aus?

          Sicherlich zuerst im Sprint und dann in der Verfolgung. Im Sprint habe ich meine besten Ergebnisse gebracht, also scheint mir das zu liegen.

          Bis Turin haben Sie eine rund dreiwöchige Wettkampfpause. Ist das gut oder schlecht?

          Ganz ehrlich: Ich bin froh, daß mal kurz Pause ist. Es ist nur wichtig, richtig zu trainieren, damit ich in Turin wieder fit bin.

          Wie sieht das Programm in den nächsten Wochen aus?

          Kraft, Ausdauer und Schießen unter hoher Belastung, darauf liegt jetzt mein Hauptaugenmerk. Aber nicht so, daß ich den Körper jeden Tag ermüde, sondern ihm kurze Sprints zumute, damit er weiß, wie er in Turin laufen muß.

          Sie haben kürzlich einen Fernseh-Werbespot mit Ihrem Biathlonkollegen Sven Fischer gedreht. Eine neue Erfahrung?

          Ja, das war mein erster Werbespot. Das hat viel Spaß gemacht. Ich fand es interessant zu sehen, wie aufwendig das ist, auch wenn es am Ende nur zwanzig, dreißig Sekunden sind.

          Auf Ihrer Homepage sind viele Bilder, die man bedenkenlos ins Familienalbum kleben kann. Aber extrovertiert sind Sie offenbar schon.

          Ich mag Fotoshootings, und wenn ich das mache, muß es schon etwas Besonderes sein. Etwas, bei dem man mich in einer anderen Rolle sieht.

          Als Bond-Girl zum Beispiel?

          Wir wollten was machen, das mich nicht in Sportklamotten zeigt und trotzdem eine Verbindung zum Biathlon hat. Und das fand ich gut.

          Sie sind sehr aktiv in Ihrer Vermarktung.

          Ich mache sicher nicht mehr als andere auch. Für mich ist wichtig, mit Erfolgen auf mich aufmerksam zu machen, und das will ich dann auch ausnutzen. Aber ich diskutiere mit meiner Agentur schon sehr genau, was ich mache und was zu mir paßt.

          Sind Sie bis zum Ende Ihrer Karriere auf rote Haare festgelegt?

          Vertraglich nicht, nein. Aber ich mach das ja nicht, weil mich sonst keiner mehr erkennen würde. Es gefällt mir halt. Es wird aber immer krasser, wenn ich wieder mal vom Friseur komme. Ich weiß auch nicht, wo das noch hinführen soll.

          Biathlon ist im Fernsehen extrem erfolgreich. Befürchten Sie, daß es Ihrer Sportart einmal wie den Skispringern gehen könnte?

          Bei uns haben die Öffentlich-Rechtlichen die Fernsehrechte, da spielt der Sport noch die Hauptrolle. Es wird natürlich viel Geld rein gesteckt und ab nächstem Jahr noch mehr. Dafür wollen die auch was geboten bekommen. Wenn wir den Erfolg nicht mehr haben, kann es ganz schnell nach unten gehen. Das ist mir bewußt.

          Wenn Sie einen Wunsch hätten...?

          Gesundheit und Glück.

          Keine Medaille?

          Wenn ich gesund bleibe und Glück habe, sollte das zu schaffen sein.

          Das Gespräch führte Frank Neumann.

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