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Skispringen : Geiger, der große Stilist

In der Winterwunderlandschaft: Skispringer Karl Geiger Bild: AP

Der virtuose Schanzenkünstler Karl Geiger hat seine Weltcupführung verteidigt. Wie kein Zweiter versteht er es, auf den Punkt fixiert zu sein. Eisenbichler ist in Ruka zweimal Dritter.

          3 Min.

          Die Farbe steht ihm. Karl Geiger gefällt das Gelbe Trikot. In Finnland durfte er es behalten und schon wieder überstreifen. Geholt hatte es sich der weltmeisterliche Skispringer in der Vorwoche beim Weltcup-Start in der russischen Kälte von Nischni Tagil. In Ruka, im Land der tausend Seen, hat es der virtuose Schanzenkünstler aus Oberstdorf verteidigt. Platz fünf am Samstag, Platz zwei am Sonntag.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Fair und anerkennend klopfte der 28 Jahre alte Allgäuer am Samstag  nach dem Wettkampf seinem Freund und Zimmernachbarn Markus Eisenbichler bei klirrender Kälte auf den Helm.

          Da war es sein bayerischer Spezi gewesen, der nach zwei Sprüngen von der finnischen Schanze als Dritter den Sprung auf das Podest schaffte. Am Sonntag landeten Geiger und Eisenbichler dann beim ersten  Karrieresieg  des Slowenen Anze Lanisek  auf den Rängen zwei und drei.

          Geiger hatte am Samstag bei klirrender Kälte von minus 15 Grad zwar nicht seine besten Sprünge gezeigt.  Doch der große Stilist, der es wie kaum ein Zweiter versteht, auf den Punkt fokussiert und fixiert zu sein, war nicht unzufrieden mit seiner Leistung im hohen Norden. 

          „Zufrieden“

          „Eigentlich bin ich schon zufrieden. Bei den Sprüngen habe ich mich etwas schwergetan. Wenn ich mich über einen fünften Platz beschwere, weiß ich auch nicht mehr. Ich bin happy“, sagte Geiger nach Sprüngen auf 132,5 und 129 Meter im ZDF. Eisenbichler war an diesem Tag besser als Geiger gewesen und musste sich nach seinen beiden Sprüngen auf 136,5 und 132 Meter lediglich dem wiedererstarkten Japaner Ryoyu Kobayashi und dem Slowenen Anze Lanisek geschlagen geben.

          „Ich bin echt sehr happy“, sagte Eisenbichler. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es fürs Podest langen würde. Aber ich bin raufgehupft.“ Dass Geiger seine Spitzenposition im Feld der für die jeweiligen Weltcup-Springen startberechtigten 50 besten Sportler behaupten konnte, lag nicht nur an seiner stabilen Form.

          Ihm spielte auch in die Karten, dass Halvor Egner Granerud, der beste Norweger des vergangenen Winters, ein Debakel erlebte.  Der bisherige Zweite im Gesamtweltcup erwischte in der Qualifikation einen rabenschwarzen Tag und musste sich als 53. mit der Rolle des unbeteiligten Zuschauers begnügen. Und am Sonntag hatte Geiger die richtigen Schlüsse aus dem Vortag gezogen: „Das hat Laune gemacht. Der zweite Sprung war mein bester des gesamten Wochenendes“, sagte er.

          Mit 305 Punkten verteidigte er seine Führung im Gesamtweltcup vor Lanisek (252), Während Graneruds Abschneiden das norwegische Team um den österreichischen Cheftrainer Alexander Stöckl schmerzte, herrschte in der Mannschaft Nippons große Freude. Kobayashi ist wieder da. Der Mann, der die traditionsreiche Vierschanzentournee 2018/2019 als Grand-Slam-Sieger mit vier Siegen in allen vier Einzelspringen für sich entschied, danach aber in ein Leistungsloch fiel, scheint in der sensiblen Freiluftsport Skispringen wieder die perfekte Abstimmung zwischen Absprung, Flug und Landung gefunden zu haben.

          Wunderbarer Sprung

          Im zweiten Durchgang knüpfte Kobayashi am Samstag mit einem  wunderbaren Sprung auf 143 Meter an seine großen Zeiten an. Stefan Horngacher zeigte sich vom Comeback des Japaners zwar durchaus angetan, lenkte  den Fokus aber auf seine Springer.  Der Bundestrainer  sagte in seiner Analyse: „Markus hat zwei gute Sprünge gemacht, auch der Karl hat sich verbessert. Wir sind sehr zufrieden, wir haben das Podest noch geschafft.“

          Der Österreicher, der  im Hochschwarzwald lebt und es gewohnt ist, als Globetrotter des Skispringens von November bis März fern der Heimat von Schanze zu Schanze zu reisen, sieht seine Mannschaft – neben Geiger und Eisenbichler schafften es auch Pius Paschke (7.), Constantin Schmid (13.) und Stephan Leyhe (25.) unter die besten 30 –  auf Kurs.

          Für die Skispringer steht schließlich ein Winter der Extraklasse mit drei Höhepunkten auf dem Programm: Vierschanzentournee in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen, Olympische Spiele in Peking sowie Skiflug-WM in Vikersund. Auf der größten Skiflugschanze der Welt sind Flüge jenseits der 250 Meter möglich. Den Weltrekord von 253,5 Meter hält der Österreicher Stefan Kraft. Flieger Eisenbichler hat es bislang auf 248 Meter gebracht. Und Geiger? Der Oberstdorfer ist der Mann, den es nicht nur im Weltcup, sondern auch auf der Skiflugschanze zu schlagen gilt. Der Mann in Gelb ist Titelverteidiger.

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