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Vierschanzentournee : Eine Klasse für sich

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Der polnische Skispringer Kamil Stoch jubelt über seinen Tagessieg und den Gesamtsieg. Bild: dpa

Am Schluss strahlt Kamil Stoch: Der Pole komplettiert mit dem Sieg bei der Vierschanzentournee seine Titelsammlung. Einen ernüchternden Ausklang gab es für das deutsche Team.

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          Die Vierschanzentournee ist in ihrem Verlauf immer winterlicher geworden. Zum Auftakt in Oberstdorf war es fünf Grad Celsius warm und die Umgebung im Allgäu grün. Am Freitag in Bischofshofen bei der vierten und letzten Station mussten sich die 20.000 Zuschauer bei minus zehn Grad an der Paul-Außerleitner-Schanze warmhalten. Dazu war alles weiß. Auch die Wipfel der Bäume rings um die Anlage waren mit Schnee bedeckt, leicht segelten kleine Flöckchen herab.

          Doch so beschaulich die Atmosphäre in der österreichischen Kleinstadt war, umso spannender und dramatischer verlief der Wettbewerb: Der Gesamtsieger der 65. Vierschanzentournee wurde Ende des letzten Durchgangs entschieden, im Duell zwischen Daniel Andre Tande und Kamil Stoch – mit einem Happy End für den Polen.

          Als Gesamtführender war Tande in den Wettkampf gegangen. Lediglich 1,7 Punkte Vorsprung besaß der Norweger vor Beginn auf Stoch. Doch der Konkurrent flog bei schwierigen Bedingungen und Rückenwind im ersten Durchgang auf 134,5 Meter. Tande war zwar kurz zuvor bei 135 Metern gelandet, hatte aber bessere Bedingungen und fiel so hinter Stoch zurück. Vor dem zweiten Durchgang führte daher Stoch in der Gesamtwertung mit 2,8 Punkten. Nun war der 29-Jährige im Vorteil. Er lag im Wettkampf an Position zwei, direkt vor Tande. Der weiteste Sprung in Durchgang eins war dem Slowenen Jurij Tepes mit 141 Metern gelungen.

          Tande vermeidet knapp Sturz

          Tande musste im entscheidenden Zweikampf mit Stoch deswegen vorlegen. Der 22-Jährige rauschte den Anlauf herunter, sprang kraftvoll ab und war extrem hoch in der Luft. Aber dann löste sich der Bindungsstab seines rechten Skis. Abrupt kippte Tandes rechter Ski nach unten, dann schnellte der linke nach oben. Der Norweger wurde durch die Luft geschaukelt und vermied gerade noch so einen Sturz, landete aber nur bei 117 Metern. Vollkommen enttäuscht lehnte er mit dem Kopf an der Bande, als Stoch sofort danach dran war. Und der Pole nutzte seine große Chance.

          Daniel Andre Tande verpatzte seinen abschließenden Versuch. Bilderstrecke

          Er flog auf 138,5 Meter – und gewann damit nicht nur das Springen von Bischofshofen vor dem Österreicher Michael Hayböck und seinem drittplazierten Landsmann Piotr Zyla. Stoch triumphierte auch in der Gesamtwertung und verdiente sich den Goldenen Adler. Als zweiter Pole überhaupt, 16 Jahre nach Adam Malysz, ist er nun Vierschanzentournee-Sieger. Weil Tande so viele Punkte einbüßte, wurde er nur Dritter, Zyla zog ebenfalls vorbei „So viele Dinge gehen mir durch den Kopf. So viele Gefühle“, sagte der Sieger später, „das Finale war so schön, ich bin wirklich auf dem höchsten Niveau.“ Stoch gehört nun zum exklusiven Zirkel von fünf Skispringern, die bei Olympia gewannen, bei Weltmeisterschaften, der Tournee und im Gesamtweltcup siegten; das gelang zuvor nur Jens Weißflog, Thomas Morgenstern, Espen Bredesen und Matti Nykänen.

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          Zwiespältig verlief der abschließende Wettkampf für die deutschen Athleten: Richard Freitag wurde Sechster, Stefan Leyhe Achter und Karl Geiger Neunter. Markus Eisenbichler, der in der Gesamtwertung als bester Starter des Deutschen Skiverbands Siebter wurde, vergab die Chance auf eine besseres Abschneiden, da es in Bischofshofen nur für Rang 13 reichte.

          Andreas Wellinger war ebenfalls enttäuscht. Der 21-Jährige hatte die Qualifikation am Tag zuvor mit dem Schanzenrekord von 144,5 Metern gewonnen – doch im Wettkampf misslang ihm der Sprung völlig. Wellinger erreichte nur 123 Meter, verpasste den zweiten Durchgang und wurde lediglich 31. Im Fazit von Bundestrainer Werner Schuster klang denn auch Unzufriedenheit durch: „Plazierungsmäßig ist es nicht das, was man sich als deutscher Zuschauer von der Tournee erhofft“, sagte er, „wir gehören leider zu den Geschlagenen.“ Für ihn und sein Team war es eine Tournee der verpassten Chancen, die Polen genossen ihren Triumph und das abschließende Feuerwerk umso mehr.

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