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Super-G-Sieg auf der Streif : Endlich eine goldene Gams für Josef Ferstl

  • -Aktualisiert am

Nicht zu bremsen. Josef Ferstl gewinnt den Super-G in Kitzbühel. Bild: Reuters

40 Jahre nach dem zweiten Abfahrtssieg seines Vaters in Kitzbühel gewinnt Josef Ferstl an gleicher Stelle den Super-G. Der „Testpilot“ muss lange warten. Die Belohnung für den überraschenden Sieg ist eine ganz besondere.

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          „Der Chief bin ich noch lange nicht“, lautete die bescheidene Selbsteinschätzung von Josef Ferstl vor dem Kitzbühel-Wochenende. Und dabei ging es nur darum, ob er eine neue Rolle im deutschen Team einnehme, weil seine Abfahrtkollegen Thomas Dreßen und Andreas Sander den ganzen Winter verletzt ausfallen. Ferstl sollte sich extrem getäuscht haben. Am Sonntag avancierte der 30-Jährige nicht nur zur Nummer eins im deutschen Team, sondern sogar zum Champion des Tages der gesamten Alpin-Szene. Er schwang sich zum Chef auf der Streif auf: Josef Ferstl vom Skiclub Hammer gewann den Super-G von Kitzbühel.

          40 Jahre nach dem zweiten Abfahrtssieg seines Vaters Sepp an gleicher Stelle, ein Jahr nach dem schon legendären Triumph seines Teamkollegen Thomas Dreßen bei der berühmtesten Schussfahrt der Welt. „Es geht wirklich ein Traum in Erfüllung“, sagte er hinterher völlig ergriffen. „Zu Hause bin ich immer an den beiden goldenen Gamsen vom Papa vorbei gegangen und es war meine Vision, selbst einmal eine zu gewinnen.“ Dass ausgerechnet der Vater dem Sohn bei der Siegerehrung die glorreiche Gams überreichen durfte, zeigte die Improvisationskunst der Organisatoren und machte das Familienglück perfekt.

          Mit der für einen Super-G nicht mal optimalen Startnummer 1 ins Rennen gegangen, setzte Ferstl Junior als „Testpilot“ nach eigener Aussage „alles auf eine Karte“. Seidlalm, Lärchenschuss, Hausbergkante, Traverse und Zielschuss lauteten die Schlüsselelemente des Wettbewerbs, der ohne Trainingsfahrt, sondern nur nach Besichtigung bestritten werden muss. Und Ferstl hatte offenbar genau hingeschaut. „Ich bin aus dem Bauch raus gefahren“, erklärte er seine Risikolinie: „Denn was hatte ich zu verlieren?“ Oben war er sehr schnell unterwegs, auch im Mittelteil ging alles gut.

          Und seine Linie in Traverse und Zielhang sollte sich als unschlagbar erweisen. Der Deutsche raste nach einer famosen Fahrt nach 1:13,07 Minuten ins Ziel. Was sollte dieser Lauf wert sein? Die eigene Reaktion des Rennfahrers im Ziel deutete darauf hin, dass er sich selbst nicht sicher war. Ferstl blies die Backen auf, streckte die Zunge raus, winkte dann etwas unentschlossen ins Publikum. „Ich hab gekämpft und gerauft“, sagte er im österreichischen Fernsehen über seine Fahrt und bekannte: „Es war ruppig, es war eisig, es war drehend gesetzt. Ich hab auch Fehler gehabt.“ Natürlich nahm er Platz in der „Leaderbox“, dem Thron des jeweils Führenden – die Frage war, wie lange er sitzen bleiben durfte?

          Es wurde eine nervenaufreibende gute Stunde für den 30-Jährigen. Mehrfach sprang er auf, wollte sich schon vom heißen Stuhl wegbewegen, als er die Vorstellungen seiner Rivalen beobachtete. Doch immer wieder reichte es für ihn, sich wieder zu setzen, weil alle namhaften Konkurrenten Fehler einbauten: Olympiasieger Mathias Mayer aus Österreich, mit Nummer 7 ins Rennen gegangen, fehlten 0,18 Sekunden: am Ende Platz 5. Sein Teamkollege Vincent Kriechmayer, kurz danach gestartet, lag bei mehreren Zwischenzeiten zwei, drei Zehntel voraus, verpatzte aber das letzte Teilstück. 0,15 Sekunden Rückstand: nur Vierter.

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