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Jochen Behle im Interview : „Dann macht es eben ein anderer . . .“

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„Ich bin spontan, ich bin einer, der Emotionen hat, sie auch lebt und äußert” Bild: dpa

Jochen Behle schließt nach dem Streit im Lager der deutschen Skilangläufer im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ einen Verzicht auf seinen Posten als Cheftrainer nicht mehr aus.

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          Jochen Behle schließt nach dem Streit im Lager der deutschen Skilangläufer im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ einen Verzicht auf seinen Posten als Cheftrainer nicht mehr aus.

          Im Schneerennen über 15 Kilometer bei der WM haben Ihre Langläufer Pech gehabt, in der Staffel haben Sie Ihr Medaillenziel auch nicht erreicht. Wie geht es Ihnen mit solchen Ergebnissen?

          Das arbeitet schon. Die Sportler kämpfen und quälen sich und bekommen nicht den Lohn, den sie verdient haben. Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker. Und in solch einer Situation gräme ich mich, weil ich weiß, die haben alles getan. Ich habe den Jungs auch gesagt, dass ich ihnen tiefen Respekt zolle.

          „Wenn Leute der Meinung wären, dass mein Weg nicht mehr der richtige ist, habe ich auch kein Problem damit”

          Welches war Ihr bester Moment dieser WM?

          Der vom Pursuit definitiv, mit Platz eins für Axel Teichmann, zwei für Tobias Angerer, vier für Jens Filbrich. Vor allen Dingen, weil ich weiß, was Axel Teichmann investiert hat, um zu diesem Titel zu kommen. Er hat so viel Pech gehabt. Immer wieder hat er Rückschläge hinnehmen müssen, immer wieder ist er aufgestanden, zurückgekommen mit guten Ergebnissen, dann wieder zu einer WM krank geworden.

          Was bleibt insgesamt?

          Eine erfolgreiche WM. Im Damenbereich sind wir nur mit Außenseiterchancen in den Teamwettbewerben hergekommen, da machen sie zwei Silbermedaillen draus: hervorragend. Wir haben Evi Sachenbacher-Stehle in wirklich guter Form hier gesehen, das war vorher nicht der Fall. Sie hatte die Grundvoraussetzung und das Niveau, hat es nur nicht kontinuierlich umsetzen können. Vielleicht hat meine Kritik sie etwas wachgerüttelt, dass sie sich nicht so lethargisch dieser davonlaufenden Saison hingibt.

          Kommt solche Kritik von Ihnen spontan oder ganz überlegt?

          Ich bin schon spontan, ich bin einer, der Emotionen hat, sie auch lebt und äußert. So war ich schon als Aktiver. Ich mache mir aber auch Gedanken in der einen oder anderen Situation: Was kannst du jetzt bewegen? Dann gibt es schon einmal Äußerungen, die vorher überlegt sind.

          Das leidige Thema des Frauen-Bundestrainers zieht sich durch die WM. Sie sind dagegen, der Sportdirektor des Deutschen Skiverbandes, Thomas Pfüller, hat erklärt, er werde nach der Saison entscheiden. Was sagen Sie dazu?

          Das ist die Ansicht des Sportdirektors. Ich habe meine Ansicht als der für diesen Bereich Verantwortliche. Ich werde mit Thomas Pfüller darüber reden und ihm begründen, warum ich es nicht so sehe. Ich werde ihm auch sagen, er solle nachfragen bei Leuten, die täglich bei der Mannschaft sind. Er wird dann auch von anderen zu hören bekommen, dass wir auf diesem Weg bei den Frauen nicht weiterkommen. Evi Sachenbachers Trainer Wolfgang Pichler hat bei ihr sicher gute Arbeit geleistet. Aber als es nicht so lief zu Beginn der Saison, hat er sich leise verabschiedet und sich plötzlich wieder gemeldet, als der Erfolg zurückgekommen war. Das kann ich nicht akzeptieren, denn ich habe Sebastian Kleiner dabei, den Trainer, der die ganze Arbeit gemacht hat. Vielleicht muss Thomas Pfüller erst einmal gesagt bekommen, wie alles funktioniert, um zu sehen, dass es mit dem Frauentrainer gar nicht gehen kann. Da hängt ja auch das ganze Technikerteam dran. Wie soll die Koordination mit zwei Trainern gehen, von denen der eine sagt, wir fahren hierhin, der andere, wir fahren dorthin?

          Würden Sie an irgendeinem Punkt aufgeben?

          Das kann auch mal von heute auf morgen gehen. Ich habe gesagt, dass ich emotional bin. Wenn Leute der Meinung wären, dass mein Weg nicht mehr der richtige ist, habe ich auch kein Problem damit. Dann macht das eben ein anderer, und ich schaue mir von außen an, ob der das besser kann. Es ist in Ordnung, wenn es dem Sport hilft und den Sportlern. Dann würde ich auch zurückstecken, dann wäre ich der Letzte, der nein dazu sagt.

          Es würde also kein "Entweder - oder" geben?

          Nein. Ich habe immer gesagt, ich brauche eigentlich keinen Vertrag. Solange ich der Meinung bin, dass ich etwas bewegen kann, bin ich jederzeit bereit, das weiterzumachen. Wenn es nicht mehr der Fall ist, höre ich sowieso auf, dann muss es ein anderer übernehmen. Dann muss neuer Wind rein, weil wir stehenbleiben.

          Die deutschen Skispringer haben Probleme, weil der DSV eine gezielte Nachwuchsarbeit versäumt hat. Wie sieht das im Langlauf aus?

          Im Damenbereich wird es wohl auch so kommen. Wenn Viola Bauer vielleicht nach dieser Saison ihre Karriere beendet, wird es schon eng. Da geht uns eine Athletin verloren, die auch vom Menschlichen her gesehen sehr wichtig ist in dieser Mannschaft. Wir haben keinen Ersatz, es kommt nichts nach.

          Welche Fehler sind da gemacht worden?

          Eigentlich gar keine. Es gibt keine Mädchen, die diesen Sport betreiben. Bei den deutschen Meisterschaften hatten wir für den Sprint bei den Damen nur fünf Athletinnen. Bei den Juniorinnen ist es nicht anders. Die Sportart erfordert sehr viel Trainingsfleiß und einen langen Atem, man kommt nicht von heute auf morgen an Erfolge heran. Und man findet nicht viele Mädchen, die dazu bereit sind.

          Wie ist die Situation bei den Herren?

          Wir haben einen Franz Göhring, der noch jung ist. Auch in den Jahrgängen 86/88 kommt eine Gruppe nach, die einen leistungsfähigen Eindruck macht. Aber wir müssen etwas verändern, sonst werden wir es ähnlich erleben wie im Sprungbereich. Wir haben das Manko erkannt, es abzustellen ist aber nicht so einfach, wenn man die Athleten nicht dazu hat.

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