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Eiskunstläuferin Medwedjewa : „Sie hat dieses innere Licht“

  • -Aktualisiert am

Medwedjewa ist erst 17 – und schon jetzt scheinbar unschlagbar. Bild: EPA

Die russische Eiskunstläuferin Jewgenija Medwedjewa ist erst 17 Jahre alt – und gilt schon fast als unschlagbar. Bereits vor dem WM-Kurzprogramm zeigt die Schülerin ein weiteres Mal, warum das so ist.

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          Sie ist erst 17 und gilt schon als fast unschlagbar. Wird über die erste Kandidatin für olympisches Gold 2018 in Pyeongchang gesprochen, fällt nur ihr Name. Jewgenija Medwedjewa ist die Überfliegerin des Eiskunstlaufs und steht nach Jahren, in denen stets eine andere Russin Klassenbeste war – 2014 die Europameisterin Julija Lipnitskaja und die Olympiasiegerin Adelina Sotnikowa, 2015 die Weltmeisterin Jelisaweta Tuktamyschewa –, seit 2016 für den garantierten Erfolg. Warum? Weil die Moskauerin alles hat, was ein Champion braucht, um mehr als ein One-Hit-Wonder zu sein.

          Die 1,57 Meter große Schülerin nimmt mit ihrer Meisterschaft auf Kufen die Menschen für sich ein, zeigt bis ins Kleinste elaborierte Programme, arbeitet mit eisernem Willen an der steten Verbesserung ihrer Küren und bietet damit dem Publikum das volle Programm zwischen emotionaler Berührung und sportlicher Faszination. Kleine Schwächen oder größere Fehler erlaubt sich diese Russin nur ganz selten.

          Dafür spricht auch ihr Zeugnis von 16 Siegen in den vergangenen 18 Wettbewerben, darunter die ersten Plätze bei der Europameisterschaft 2016 und 2017 und dem Grand-Prix-Finale 2015 und 2016. Dass diese junge Frau mit den vermeintlich unerschöpflichen Energiereserven in dieser Woche auch ihren Weltmeistertitel in Helsinki verteidigen wird, halten selbst Skeptiker der Szene für mehr als wahrscheinlich. Jewgenija Medwedjewa ist auf der wegweisenden Spur, eine Große in ihrem Sport zu werden.

          Sich die Musik zu dem verfilmten Roman „Extrem laut und unglaublich nah“ von Jonathan Safran Foer ausgesucht zu haben, in dem es um die Terroranschläge des 11. September 2001 auf New York geht, verrät Mut. Die junge Russin schafft ihre Gratwanderung auf dem Eis, indem sie ihr Programm mit den schwersten Dreifachsprüngen und Sprungkombinationen choreographisch nicht über die Maßen symbolisch auflädt. Sie hält die Balance zwischen dem Machbaren und dem Unbegreiflichen, auch weil sie von ihrer Trainerin Eteri Tutberidse, die sechs Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt hat, feinfühlig angeleitet wird.

          Im Januar gewann sie Gold bei der Europameisterschaft.
          Im Januar gewann sie Gold bei der Europameisterschaft. : Bild: EPA

          Die Welt- und Europameisterin hat sich ihre Inspiration bei den männlichen Meistern ihres Sports geholt. Der japanische Olympiasieger von 2014, Yuzuru Hanyu, und ihr Landsmann Jewgenij Pluschenko sind ihre Idole. Pluschenko hat sie vor elf Jahren bei dessen Olympiasieg in Turin das erste Mal zugejubelt. Danach sagte sie sich: „Ich werde aufs Eis gehen und wie er laufen – aber als kleines Mädchen. Und dann bin ich aufs Eis gegangen, und nichts hat so geklappt, wie ich mir das gedacht hatte.“ Seitdem ist Jewgenija Medwedjewa gut beraten gewesen, bei sich selbst zu bleiben. „Sie läuft wie eine Erwachsene“, sagt Trainerin Tutberidse vor dem WM-Kurzprogramm der Damen an diesem Mittwoch über ihre beste Schülerin, die im Training mühelos Dreifach-Dreifach-Dreifach-Sprungkombinationen bewältigt, die die Internationale Eislauf-Union im Wettkampf noch nicht erlaubt.

          Macht nichts. Die Welt- und Europameisterin hat auch ohne solche Höchstschwierigkeiten alle Punkterekorde in ihrer Welt gebrochen. Besser noch: „Sie hat dieses innere Licht“, wie Eteri Tutberidse hervorhebt, „und ich hoffe, es wird noch heller leuchten für ihr Publikum.“ In der Forbes Liste der dreißig besten europäischen Entertainer ist sie auch dabei. Eine unter dreißig in ihrem Metier zu sein wäre Jewgenija Medwedjewa allerdings nicht genug. Weniger als Rang eins lässt ihr Anspruch auf den Thron der Eiskönigin nicht zu.

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