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Jan Boklöv : Clown, Revolutionär und Erfinder des Victory-Stils

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Heute ganz normal: der V-Stil der Skispringer Bild: imago sportfotodienst

Er galt zunächst als Skisprung-Clown, der mit der Tradition brach, und mit Punktabzug bestraft wurde: Jan Boklöv, der Erfinder des V-Stils. Den Parallel-Springern verging erst das Lachen, als der Schwede am 10. Dezember 1988 einen Weltcup gewann.

          Es war bei einem Training in Falun, als der damals 19-Jährige Skispringer Jan Boklöv die Beine bei einem Flug zu einem V spreizte. „Es ist mir einfach so passiert, und ich bin dann plötzlich 90 statt 70 Meter geflogen“, erzählt der Schwede: „Aber ich bin auch sehr oft gestürzt, ehe ich den neuen Stil halbwegs perfekt konnte.“

          1987 kam Böklev „mit seiner Macke“ in den Weltcup und galt zunächst als Skisprung-Clown. „Als er ankam, dachten alle, dass jetzt ein zweiter 'Eddie the Eagle' auftaucht. Es sah komisch aus“, erinnert sich Jens Weißflog. Dem dreimaligen Olympiasieger und seinen im traditionellen Parallelstil springenden Kollegen verging erst das Lachen, als der „Fosbury des Skispringens“ (Siehe: Dick Fosbury wird 60: Der Flop, der zum Hit wurde) am 10. Dezember 1988 in Lake Placid als erster Schwede der Geschichte einen Weltcup gewann.

          „Bruch der Skisprung-Tradition“

          Es folgten vier weitere Erfolge in jenem Winter und der Triumph im Gesamtweltcup, obwohl Boklöv trotz seiner weiten Flüge immer die schlechtesten Haltungsnoten bekam. Der Chef des Skisprungkomitees, Torbjörn Yggeseth, sah den V-Stil als „Bruch der Skisprung-Tradition“ und ließ Boklöv mit hohen Punktabzügen bestrafen.

          Die Situation änderte sich erst, als ein Großteil der Weltelite auf den aerodynamisch um bis zu 28 Prozent besseren Boklöv-Flugstil umstieg. Der junge Finne Toni Nieminen wurde 1992 in Albertville zweimal Olympiasieger. Jan Boklöv, der mit der Erfindung des V-Stils einen ganzen Sport veränderte, landete nur auf Platz 47 und beendete ein Jahr später seine Karriere. „Dieser Mann hat eine Revolution zu verantworten“, sagt Jens Weißflog, der im hohen Sportleralter noch umlernte und 1994 in Lillehammer seine letzten beiden Olympiasiege holte: „Deshalb ist es schade, dass der V-Stil nicht Boklöv-Stil heißt.“

          Rückkehr bei der Vierschanzentournee

          Zwanzig Jahre nach seinem ersten Weltcup-Sieg ist der einstige Skisprung-Revolutionär überzeugter Hausmann. Jan Boklöv ist zufrieden in seinem erfüllten Leben mit den Söhnen Joel (13) und Jonas (10). „Ich liebe es, mit den Kindern zusammen zu sein, weil sie nie lügen“, sagte Boklöv, der früher auch als Kindergärtner gearbeitet hat. Als es mit seiner Skisprung-Karriere zu Ende ging, widmete er sich ganz seiner Familie. Inzwischen leben die beiden Söhne bei ihm in Solleftea in Schweden, während seine Frau Jorun beim EU-Parlament in Luxemburg arbeitet.

          Bei der Vierschanzentournee zum Jahreswechsel wird der inzwischen 42-Jährige als Glücksbringer des schwedischen Teams in den Skisprung-Zirkus zurückkehren. „Ich freue mich auch riesig auf die Tournee, schließlich war ich so lange nicht im Skispringen dabei.“ Gut 15 Jahre nach seinem Rücktritt hat ihn Wolfgang Hartmann, der deutsche Cheftrainer des schwedischen Teams, zum „Comeback“ überredet. „Jan war von der Idee gleich begeistert, er soll meinen Jungs Tipps geben. Im April werden wir dann reden, ob wir ihn noch mehr einbinden können. Schließlich ist er eine der größten Figuren der Skisprung-Geschichte.“

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