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Interview : „Zwei Jahre Knast schrecken auch nicht ab“

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Kati Wilhelm: „Mensch, die sind doch gedopt!” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über einsame Trainingsläufe, den Kampf gegen Doping und Jan Ullrich.

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          Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über einsame Trainingsläufe, den Kampf gegen Doping und Jan Ullrich.

          Wenn man sich Ihre Homepage anschaut, gewinnt man den Eindruck: Kati Wilhelm hat viel gemacht nach den Olympischen Spielen: TV-Spots, Ehrungen, Galas, Foto-Shootings. Ist Biathlon zeitweise zur Nebensache geworden?

          Nein, nie. Aber ich berichte nicht ständig über Trainingslager, weil das ziemlich langweilig ist. Wir haben allerdings im nacholympischen Jahr auch den Trainingsumfang etwas reduziert. Aber Biathlon ist für mich immer noch die Hauptsache. Und die nehme ich sehr ernst. Für mich ist es aber schon immer wichtig gewesen, mal was anderes zu machen. Man braucht auch mal Abstand. Sonst ist es schwierig, wieder in den Trainingsalltag zu kommen.

          Haben der Olympiasieg und der Gewinn des Gesamt-Weltcups Sie in Sachen Vermarktung noch mal vorangebracht, oder geht einfach nichts mehr?

          Och, ich habe sogar noch eine Fläche frei. Die Leute rennen mir jetzt nicht unbedingt die Bude ein, aber man hat seine Partner. Und nach großen Erfolgen ist es schon leichter, zu verhandeln oder alte Verträge zu verlängern und aufzustocken. Der Olympiasieg ist noch mal ein Schub und eine Bestätigung für die Sponsoren, daß sie gut investiert haben. Schließlich hatte ich nach dem Überraschungserfolg von Salt Lake 2004 auch zwei magere Jahre.

          Sie haben alles gewonnen: Olympia-Gold, WM-Titel, den Gesamtweltcup. Was hat die Karriere noch an Höhepunkten zu bieten?

          Das Wichtigste ist: Es macht einfach noch Spaß. Ich habe zwar mal gesagt, mit 30 Jahren sollte man vielleicht ans Ende denken. Aber ich habe beschlossen, die nächsten vier Jahre noch mal anzugehen. Und natürlich muß man sich dann Ziele setzen. Für mich ist das in dieser Saison die WM. Mein letzter WM-Titel stammt schließlich aus dem Jahr 2001.

          Uschi Disl ist zurückgetreten. Die war zuletzt Ihre Trainingspartnerin. Wie ist es ohne sie?

          Ich laufe jetzt alleine durch die Gegend. Das ist manchmal schon einsam. Wenn man die ein oder andere Trainingseinheit zusammen gemacht hat, ist das schon was anderes, als wenn man gegen sich selbst läuft. Obwohl die Uschi im Training kein Maßstab war, weil sie da immer schneller war als ich. Oder am Schießstand. Ohne psychischen Druck kann jeder null schießen, aber wenn du mitkriegst, daß die nebenan alles trifft, dann hat das schon eine andere Qualität.

          Was hat sich ohne Uschi Disl im Team geändert? Die Hierarchie?

          Hierarchie gab es bei uns noch nie wirklich. Aber es ist schon so, daß die Trainer die älteren und erfolgreichen Athleten stärker in ihre Meinungsbildung einbezogen haben als die jüngeren. Daran hat sich nichts geändert. Ich sage gerne meine Meinung, und ich glaube, die Trainer hören sie sich mittlerweile auch ganz gerne an.

          2006 ist ein ereignisreiches Sportjahr, auch in Sachen Doping: Wie beurteilen Sie all dies?

          Ich finde es ziemlich traurig, was da zur Zeit alles rauskommt. Die Gefahr besteht, daß die Leute, die Höchstleistungen wie bei der Tour im Fernsehen sehen, alles verallgemeinern und sagen: Mensch, die sind doch gedopt. Und die Biathleten machen auch jede Woche einen Wettkampf. Dann müssen die auch gedopt sein. Das ist natürlich extrem schädigend für das Ansehen des gesamten Leistungssports. Vom Doping ist sicher keine Sportart unberührt, aber ich denke, daß im Wintersport nicht so flächendeckend und in der Dreistigkeit gedopt wird wie etwa im Radsport.

          Biathlon hat aber seit Turin auch seine Unschuld verloren.

          Gut, wir hatten den positiven Fall Olga Pylewa, aber das ist ein Einzelfall. Ich kann nur sagen: Man kann in unserer Sportart mit hartem Training allein ganz nach oben kommen. Da braucht man keine Dopingmittel. Für den Radsport kann ich nicht sprechen: Das ist vielleicht eine andere Liga.

          Muß der Staat dem Sport auch hierzulande helfen - etwa durch ein Anti-Doping-Gesetz?

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