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Interview : „Neid kann alle motivieren“

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Jochen Behle will wieder jubeln Bild: dpa

Am Wochenende beginnt die nordische Ski-Saison. Vorab spricht Skilanglauf-Cheftrainer Jochen Behle im F.A.Z.-Interview über neues Konkurrenzdenken im deutschen Team und alte Kräfteverhältnisse.

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          An diesem Wochenende wird Düsseldorf bereits zum dritten Mal zur Bühne der Skilanglauf-Elite. Mehr als 150.000 Zuschauer werden an der Rheinuferpromenade erwartet, wenn die Athleten in der wohl schmalsten Loipe der Welt nach den ersten Weltcup-Punkten jagen. Rund 4.000 Kubikmeter Kunstschnee aus der Skihalle Neuss werden zu einer etwa 800 Meter langen und fünf Meter breiten Loipe präpariert. Jochen Behle freut sich auf dieses Ereignis und spricht vorab im F.A.Z.-Interview über die Stimmung in der deutschen Mannschaft, den WM-Winter und seine Ziele.

          Auf den Bergen liegt der erste Schnee, in Düsseldorf - mit ein bißchen Nachhilfe - auch. Mit welchem Gefühl sehen Sie dem Weltcup-Auftakt am Rheinufer entgegen?

          Wie das immer so ist: Vor dem ersten Weltcup, wenn man nicht richtig weiß, was man von der Konkurrenz und dem eigenen Team zu erwarten hat, baut sich Spannung auf. Andererseits sind die Wettbewerbe in Düsseldorf an diesem Wochenende nur ein Sprint - das sagt also immer noch nicht alles aus für den Verlauf der WM-Saison.

          Unterscheidet sich die Vorbereitung in einem Sommer vor einem WM-Winter von den Abläufen in anderen Jahren?

          Im Prinzip nicht gravierend, das Training ist ähnlich geartet. Der Unterschied liegt in der Wettkampfplanung bis einschließlich Dezember. Die Leute, die im Februar bei der WM in Oberstdorf wieder gut sein sollen, brauchen zwischendurch noch einmal entsprechende Regenerations- und Trainingsphasen, um ihre Form zu halten.

          Wie viele Kilometer absolvieren die Läufer im Sommer auf Skirollern, wieviel auf dem Gletscher?

          Ich würde sagen auf Rollen so etwa 3.000 Kilometer die Männer und die Frauen zwischen 800 und 500 Kilometer weniger. Das Gletschertraining ist unterschiedlich. Ich habe Leute wie Rene Sommerfeldt, die haben schon viele Schneekilometer. Rene ist insgesamt viermal am Gletscher gewesen und einmal in einem Schneetunnel. Axel Teichmann zum Beispiel war jetzt gerade erst das zweite Mal am Dachsteingletscher.

          Die vergangenen beiden Jahre waren für die deutschen Langläufer überaus erfolgreich. Glauben Sie, daß Ihr Team das wiederholen oder sogar übertreffen kann?

          Das hängt immer ein bißchen von der Konkurrenz ab, die kann einem schon mal auf die Füße treten. Das macht mir aber keine Angst. Ich vertraue auf die Arbeit der Athleten, die sich reingekniet haben und sehr, sehr leistungsbereit waren. Von unserer Seite ist alles getan, daß wir wieder so laufen können wie in den vergangenen Jahren. Aber dann schaut man doch, ob sich bei der Konkurrenz vielleicht ein neues Talent zeigt, ob die Topleute gleich wieder vorne sind, ob andere Länder im Sommer etwas gefunden haben beim Material, das den anderen überlegen ist.

          Was haben Sie in dieser Richtung im Sommer getan?

          Wir versuchen natürlich zu optimieren, aber Verbesserungen wird es nur noch in Nuancen geben. Ich glaube nicht, daß es irgendwelche revolutionären Geschichten in der Skitechnik gibt - auch nicht bei der Konkurrenz. Aber selbst kleine Schritte bringen etwas, denn das Feld an der Spitze bewegt sich sehr eng beieinander. Ich hoffe, daß wir auf der richtigen Linie sind - auf jeden Fall haben die Techniker um Uwe Bellmann alles dafür getan. Das ist eine Supertruppe.

          Sie haben im vergangenen Winter gesagt, daß Ihr Team von den verschärften Dopingkontrollen profitiert. Glauben Sie, daß dieser „Vorsprung“ jetzt möglicherweise aufgebraucht ist?

          Das glaube ich nicht. Die Kontrollen sind für alle schärfer geworden. Deshalb kommt jetzt noch mehr zum Tragen, wie und was man trainiert. Das ist aber schon seit zwei Jahren so. Ich gehe einfach davon aus, daß unser Sport inzwischen sauber ist. Daher kämpft man mit den gleichen Mitteln. Trainingstechnisch können keine großen Varianten mehr kommen, deshalb erwartete ich ähnliche Kräfteverhältnisse wie zuletzt.

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