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Interview mit Michael Neumayer : „Ich kann mich nicht als Popstar verkaufen“

  • Aktualisiert am

Spitzenskispringer: Michael Neumayer Bild: AP

Er legt Wert darauf, nicht der „beste Deutsche“ zu sein, sondern nur der am besten platzierte deutsche Skispringer. Michael Neumayer über sein neues Leben im Rampenlicht und die ewige Kritik an Bundestrainer Rohwein.

          Michael Neumayer spricht im FAZ.NET-Interview über sein neues Leben im Rampenlicht und die ewige Kritik an Bundestrainer Rohwein.

          Auf dem Bus der norwegischen Nationalmannschaft steht der Spruch „Excuse us while we kiss the sky“. Ist Skispringen das Gefühl, den Himmel zu küssen?

          Das ist vielleicht ein bisschen zu hoch gegriffen, aber in die Richtung geht es schon. Es ist eine Sportart, die nicht jeder ausüben kann. Ich schätze, dass wir in Deutschland vielleicht tausend Skispringer haben, mehr werden es nicht sein. Man ist stolz, wenn man da dabei ist.

          Ein Mann für die großen Sätze

          Wie wichtig ist Ihnen Skispringen?

          Skispringen ist momentan mein Beruf, in der Freizeit studiere ich. Den Sport kann man nicht ewig ausüben. Mit knapp über 30 Jahren ist der Zug abgefahren. Und dann sollte man nicht komplett ohne Ausbildung oder Zukunftsmöglichkeiten dastehen. Und da ist mein Studium nicht so verkehrt. So lange ist es nicht mehr hin. Ich bin jetzt schon 28, werde bald 29. Ich habe vor, bis 2010 zu springen, dann wird das leider ein Ende nehmen. Und man muss im Berufsleben auf die Füße kommen. Das ist wohl eine noch viel schwierigere Aufgabe als der Sport jetzt.

          Haben Sie im Moment so viel Spaß wie noch nie beim Skispringen?

          Es macht mir eigentlich immer Spaß, auch wenn ich nicht gut springe, auch schon das Training im Sommer, jeder Trainingssprung. Wenn man dafür mit der Stimmung an der Schanze und teilweise jetzt auch mit Preisgeld belohnt wird, ist das ein Grund mehr, Spaß zu haben.

          Durch Ihre Erfolge stehen Sie mehr im Interesse der Öffentlichkeit. Ist Ihnen diese Begleiterscheinung unangenehm?

          Für mich ist es neu, komplett neu, dass es auf einmal ein Interesse an meiner Person gibt. Es ist manchmal ein bisschen nervend. Aber durch diese Medienpräsenz können wir in dem Sport auch schönes Geld verdienen, mit Sponsoren zum Beispiel. Deshalb gehört das ganz normal zu dem Sport und Beruf dazu. Normalerweise muss man sehen, dass man über die Runden kommt.

          Zu den Erfolgszeiten von Sven Hannawald und Martin Schmitt waren Skispringer Popstars. Können Sie sich eine ähnliche Rolle vorstellen?

          Ich glaube, ich bin nicht der Typ, ich kann mich nicht so als Popstar verkaufen. Deshalb würde so ein Trubel bei mir - auch wenn jetzt die Leistung kommen würde, die das begründen könnte - nicht entstehen. Aber wir haben den beiden und auch davor Jens Weißflog und Dieter Thoma viel zu verdanken, weil sie diese Sportart extrem gepusht haben und das Medieninteresse geweckt haben. Wir sind dankbar, dass es so kam. Auch wenn es teilweise schon extreme Ausmaße angenommen hat, dass Leute mit 14, 15 Jahren um sechs Uhr in der Früh an der Schanze standen und sich fast festgekettet haben.

          In der Diskussion der vergangenen Wochen um den Bundestrainer haben Sie deutlich Stellung bezogen für Peter Rohwein . . .

          . . . und das wird sich auch nicht ändern. Weil ich in Peter den richtigen Mann sehe. Wir haben hart gearbeitet im Sommer, wie eh und je. Wir haben neue Sachen ausprobiert. Wir haben ständig Leistungskontrollen an den Stützpunkten, mit den Stützpunkttrainern. Peter Rohwein reißt sich den Hintern auf und klappert alle Stützpunkte ab und schaut sich die Basislehrgänge an. Er sieht, wie die Trainer mit den Leuten arbeiten, und versucht, das zu übernehmen für die Weltcuptruppe. Ich habe in Peter Rohwein und sein ganzes Team vollstes Vertrauen. Deshalb wäre es mir recht, wenn die Diskussion ein Ende hätte und wir in Ruhe weiterarbeiten könnten.

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